E-Serien

Adrien Tambay über ersten internationalen Titel: "Habe nicht gemerkt, dass ich ab Rennen 1 an die Meisterschaft gedacht habe"

Svenja König

Svenja König

Adrien-Tambay-FIA-ETCR-Title

Mit dem Gewinn des Fahrer- und Teamtitels in der FIA ETCR gemeinsam mit seinem Team Cupra EKS hat sich Adrien Tambay 2022 eindrucksvoll im internationalen Motorsport zurückgemeldet und darf sich nun offiziell "FIA ETCR Weltcup Sieger 2022” nennen. Nach dem Saisonfinale am Sachsenring zeigte sich der Franzose überwältigt und blickt auf seine beeindruckende Saison, einen spannenden Titelkampf mit Mattias Ekström und seine Freundschaft zu diesem zurück.

“Ich habe das ganze Wochenende so viele Emotionen in mir gehabt und war wirklich gestresst, sodass es jetzt schwierig ist, alles zu realisieren”, berichtet Tambay, der eigentlich für seine entspannte Herangehensweise bekannt ist. "Ich habe viel nachgedacht und alle möglichen Szenarien schon vor dem Wochenende durchgespielt und mir den Druck selbst gemacht. Als wir hier angekommen sind, habe ich versucht, das in positive Energie umzuwandeln, denn wenn ich meine Rennen gewinne, kann Mattias mich gar nicht überholen.”

535 Punkte hat der ehemalige DTM-Pilot und Audi-Werksfahrer in seiner Rookie-Saison in der elektrischen Tourenwagenserie gesammelt - 100 davon alleine beim Saisonfinale in Deutschland. Dabei hat der 31-Jährige von Anfang an sein Ziel im Blick gehabt: "Als ich wusste, dass ich in dieser Serie anfange, habe ich analysiert, wie man in jeder Session die Punkte sammelt. Danach war die größte Herausforderung, dass man sich sehr schnell an die Autos anpassen muss. Das war schon immer etwas, was ich gut konnte. Deshalb war ich von Anfang an sehr konstant unterwegs. Auch wenn es nicht gemerkt habe, habe ich seit dem ersten Rennen an die Meisterschaft gedacht."

Nach seinem DTM-Aus 2016 war der Tambay vor allem im französischen GT-Kundensport unterwegs, dazu hatte er einige Gaststarts auf der Langstrecke und in der LMP2. Daher freue er sich umso mehr, zurück im internationalen Profirennsport zu sein: “Es war eine tolle Saison. Letztes Jahr habe ich im Prinzip auf meinem Sofa verbracht und jetzt auf einem so hohen Niveau fahren zu können und eine Meisterschaft zu gewinnen, ist mega.”

Ekström: “Habe einen Rohdiamanten gesehen”

Im Rahmen des Saisonfinales betonte Adrien Tambay immer wieder seine “sehr spezielle Beziehung und Freundschaft” zu Teamkollege und Teamchef Mattias Ekström, dem er sein Cockpit in der FIA ETCR verdanke. Die beiden verbinden vier gemeinsame Jahre bei ABT Sportsline in der DTM, bevor der Franzose für eine weitere Saison zu Rosberg wechselte. Vor seinem DTM-Einstieg stand Tambays Karriere übrigens schon einmal kurz vor dem Aus, bis er sich im Rahmen einer Talentsichtung bei Audi vollkommen überraschend ein Cockpit erkämpfte.

“Vor einigen Jahren, als wir zusammen in der DTM gefahren sind, habe ich einen Rohdiamant gesehen”, sagt Ekström im Rahmen eines Videos der FIA ETCR. “Mit den Jahren hat er gelernt, dass der Rohdiamant nichts gewinnt, sondern dass man an seiner Basis arbeiten muss. Dann kamen auf einmal die Ergebnisse. Damit bin ich auch einer derer, die von Anfang an das größte Vertrauen in Adrien hatten."

“Mattias ist der kompletteste Fahrer, den ich kenne”

Mit Beginn der zweiten Saison hatte sich im Hause Cupra für die FIA ETCR einiges getan: Der spanische Automobilhersteller arbeitete von nun an nicht mehr mit Zengo Motorsport als Einsatzmannschaft, sondern mit EKS - dem Rallycross-erprobten Rennstall von Mattias Ekström - zusammen. Somit war der Schwede 2022 nicht nur als Fahrer in der Elektroserie unterwegs, sondern auch als Teamchef und konnte so aktiv die Auswahl seiner Teamkollegen beeinflussen.

"Als ich mich entschieden habe, Teamchef zu sein, wusste ich, dass er alle Dinge erfüllt, die ich bei meinen Fahrern möchte”, so Ekström weiter. Besonders maßgebend seien für ihn seine Motivation, die Zielstrebigkeit und die generelle Liebe zum Sport gewesen. Zusammenfassend sagt der Schwede: “Ich bin mindestens genauso glücklich, dass er den Titel gewonnen hat, wie wenn ich ihn selbst geholt hätte.”

“Man kann sich nur geehrt fühlen, wenn man weiß, dass Mattias an dich denkt, wenn er so ein Projekt aufzieht”, ergänzt Tambay in der Pressekonferenz über seinen Einstieg in die Elektroserie. “Wir kennen uns seit vielen Jahren und ich bewundere ihn als Fahrer, Person und Sportsmann. Er ist einer der Fahrer, wenn nicht sogar der Fahrer, den ich am meisten respektiere, weil er das Gesamtpaket hat. Er ist der kompletteste Fahrer, den ich kenne und auch mit über 40 noch verdammt schnell.”

Gemeinsam mit Tom Blomqvist und Jordi Gene konnte das Team 1076 Punkte in der Gesamtwertung erzielen und somit einen deutlichen Vorsprung auf Hyundai herausfahren, die mit 746 Punkten die Saison auf Platz 2 der Teamwertung beendeten.

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 9 und 7.
Advertisement