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Cupra-Dominanz & Sandsturm in Spanien: Tambay & Ekström gewinnen ETCR-Läufe in Jarama

Svenja König

Svenja König

FIA -ETCR-Final-Pool-Fast

Mattias Ekström krönte sich beim Cupra-Heimspiel der FIA ETCR am vergangenen Wochenende in Jarama (Spanien) erneut zum König des Wochenendes. Der Schwede gewann das Superfinale des Pool Furious und setzte sich mit 100 gesammelten Punkten auch in der Meisterschaft wieder vor Teamkollege Adrien Tambay. Der Franzose gewann beim dritten Saisonlauf 2022 seinerseits das Finale von Pool Fast, verlor allerdings in den Battles einige Punkte auf Ekström. Jordi Gene wurde bei seinem Heimrennen Dritter.

Den größten Fortschritt in Sachen Pace konnte allerdings Hyundai N Motorsport verzeichnen. Nach schwacher Performance am Hungaroring und im ersten Qualifying konnten die Südkoreaner nahe der spanischen Hauptstadt Madrid mit jeder Session zulegen und schließlich um die Toppositionen mitkämpfen. Es ergab sich ein Kampf auf Augenhöhe mit den Italienern von Romeo Ferraris. Mikel Azcona und Norbert Michelisz feierten Podiumsplatzierungen in ihren Finalläufen.

Gene setzt Bestzeit auf Heimstrecke

Pool Fast

Hungaroring-Sieger Adrien Tambay (Cupra) setzte die schnellste Zeit im ersten Qualifying, obwohl er die Strecke vorher nicht kannte und keine Simulatortests absolvieren konnte. Davon abgesehen blieb es eine ruhige Session. In Qualifying 2 meldete jedoch Jordi Gene (Cupra) seine Ansprüche auf Topplatzierungen an, der nach schwachem Saisonauftakt auf seiner Heimstrecke überzeugen wollte. Er setzte die Bestzeit in allen Streckenabschnitten und entschied so das Qualifying von Pool Fast für sich. Seine 1:37.123 Minuten war gleichzeitig die schnellste Runde des gesamten Wochenendes.

Bruno Spengler (Romeo Ferraris) zeigte sich in beiden Sessions stark, musste sich im Endergebnis allerdings Tambays Bestzeit aus der ersten Qualifikation geschlagen geben. Hyundai war am Samstagmorgen noch auf der Suche nach der Pace: Norbert Michelisz berichtete am Funk, eine saubere Runde gefahren zu sein. Mit Platz 4 im Endergebnis seiner Zeit war er allerdings nicht zufrieden. Markenkollege Vernay beendete das Qualifying auf dem sechsten Platz.

Pool Furious

Für Mikel Azcona (Hyundai) sah es in Pool Furious schon besser aus: Im ersten Schlagabtausch musste er sich nur den beiden Cupra-Piloten Ekström und Blomqvist geschlagen geben. Insbesondere Ekström setzte eine sehr starke Runde mit einer 1:37.264 Minuten. Die Runde war so gut, dass er im zweiten Run nach der Out-Lap wieder in die Box fuhr. "Ich bin eine sehr gute Runde im ersten Qualifying gefahren, sodass ich im zweiten Schuss nichts mehr riskieren musste und meine Reifen schonen konnte", erklärt der WRX-Champion die Strategie.

Tom Blomqvist (Cupra) konnte sich leicht verbessern und vor dem jungen Spanier bleiben. Hinter Azcona sortierte sich Maxime Martin (Romeo Ferraris) vor Nicky Catsburg (Hyundai) ein. Venturinis (Romeo Ferraris) Rundenzeit wurde im Nachhinein von der Rennleitung gestrichen, da die Vorbereitungen am Auto nicht rechtzeitig vor dem Qualifying abgeschlossen waren.

Sandsturm vor dem Viertelfinale, Gene erneut stark

Pool Fast

Jordi Gene (Cupra) zeigte sich auch im Viertelfinale stark. Er gewann mit Hilfe des Power-up den Start, während Tambay (Cupra) in der ersten Kurve außen antäuschte und in der folgenden Kurve innen an Spengler (Romeo Ferraris) vorbeiging. Spengler konnte ab der zweiten Runde nicht mehr mit den Führenden mithalten. Tambay setzte in der vierten Runde einige Versuch, um am Spanier vorbeizugehen, konnte allerdings kein Manöver setzen, ohne eine Berührung zu riskieren.

Michelisz (Hyundai) verteidigte seine Pole-Position am Start gegen Luca Filippi, und auch Vernay (ebenfalls Hyundai) konnte sich im Eingang zu Kurve 4 am Romeo-Ferraris-Piloten vorbeiarbeiten. In der letzten Kurvenkombination meldete sich der Italiener zurück und ging wieder am Franzosen vorbei. Im Verlaufe der Manöver verbrauchte Filippi allerdings mehr Power-up als seine Konkurrenten. In Runde 3 erlitt er nach einem Verbremser und folgender Drehung in der Bergabpassage des zweiten Streckenabschnitts einen Plattfuß hinten links. Er schleppte das Auto in die Box, konnte das Rennen allerdings nicht beenden. Michelisz qualifizierte sich unterdessen für das erste Halbfinale in Pool Fast.

"Das Viertelfinale war ein guter Kampf", sagt Luca Filippi. "In der ersten und zweiten Kurve habe ich versucht, in Führung zu gehen, aber der Plan ist nicht aufgegangen. Dann bin ich auf P3 zurückgefallen, dann wieder vorgekommen auf die zweite Position. Ich denke, ich hatte eine gute Basis und Strategie, um um den Sieg zu kämpfen. Dann hatte ich einen Plattfuß hinten links. Das ist wirklich schade, und wir müssen noch untersuchen, was genau passiert ist."

Pool Furious

Der Start des Viertelfinales in Pool Furious musste aufgrund eines Sandsturms auf der Strecke und einem damit zusammenhängenden Stromausfall in der Boxengasse um eine halbe Stunde verschoben werden. Mikel Azcona im Hyundai legte den besten Start auf den Asphalt, konnte sich gegen beide Cupras, die Power-up feuerten, allerdings nicht durchsetzen. Aber der Spanier gab nicht so schnell auf: Er blieb an Blomqvist dran und schaffte es schlussendlich in der letzten Kurve von Runde 3, den Briten zu überholen.

Ekström an der Spitze konnte sich um mehr als sechs Sekunden absetzen. Blomqvist startete noch einige beherzte Versuche, Azcona zu überholen, brachte aber kein Manöver zu Ende. Stattdessen kam es zu einer kurzen Berührung und einem Ausflug des Briten ins Gras, der aber außer Schäden an der Karosse ohne Folgen blieb.

Maxime Martin (Romeo Ferraris) konnte sich in seinem Viertelfinale absetzen, während Giovanni Venturini (Romeo Ferraris) und Debütant Nicky Catsburg (Hyundai) um Platz 2 kämpften. Während es gegen Rennhälfte noch so aussah, als könnte sich der Niederländer behaupten, hatte sich Venturini sein Power-up bis zur letzten Runde aufgespart und konnte so noch am niederländischen Rookie vorbeigehen. Doppelsieg also für Romeo Ferraris.

Halbfinale: Erneuter Filippi-Crash, Strategie-Experiment bei Romeo Ferraris

Pool Fast

Gene, Tambay (beide Cupra) und Michelisz (Hyundai) gingen mit drei Autos nebeneinander in die erste Kurve. Der Ungar wurde von den beiden Cupras nahezu verschluckt und musste sich hinten einreihen. Tambay konnte in der folgenden Kurve auf der Innenbahn an Gene vorbeigehen. In der dritten von vier Runden ging Michelisz überraschend in der Bergaufpassage vor der Gegengeraden mit Power-up an Gene vorbei, während sich Tambay an der Spitze absetzen konnte. Ein ähnliches Manöver hatte Venturini am Vortag gegen Catsburg erfolgreich gesetzt, da an dieser Stelle wenige Piloten einen Angriff erwarten.

Auch im zweiten Halbfinale von Pool Fast wurde es in der ersten Kurve eng. Spengler (Romeo Ferraris) konnte sich absetzen, aber Filippi (ebenfalls Romeo Ferraris) und Vernay (Hyundai) lieferten sich einen engen Zweikampf um die zweite Position inklusive leichter Berührungen auf der ersten Runde. Dann verlor der ehemalige Formel-E-Fahrer das Auto in Kurve 5 und verunfallte. Sein Romeo Ferraris landete in der Mauer.

Jean-Karl Vernay konnte nach dem Ausfall von Filippi auf Spengler aufschließen. Da er seine Zusatzleistung allerdings schon verbraucht hatte, konnte er keinen Angriff mehr setzen. Beide Piloten wurden nach der Session für die Power-up-Nutzung unter gelber Flagge bestraft. Während Spengler eine Zeitstrafe von fünf Sekunden, zwei Strafpunkten und fünf Punkten Abzug in der Gesamtwertung aufgebrummt bekam, wurde das Strafmaß für Vernay verdoppelt, da er die Zusatzleistung zweimal aktiviert hatte.

Pool Furious

In Pool Furious verlor Martin (Romeo Ferraris) den Start deutlich gegen Ekström (Cupra) und Azcona (Hyundai) und musste sich so auf der dritten Position hinter dem Spanier einsortieren. Abgesehen von einem groben Verbremser von Maxime Martin ging ein unspektakuläres Battle mit Sieg für Ekström zu Ende, der sich somit die Pole-Position für das Superfinale sicherte. Im Nachgespräch in der Hot-Zone ergab sich, dass Martin eine alternative Strategie gewählt hatte und sich nahezu die gesamte Zusatzleistung für die letzte Runde aufgespart hatte. Ohne seinen Verbremser hätte er wohl einen Angriff auf Platz 2 wagen können.

Nicky Catsburg (Hyundai) präsentierte sich bei seinem Debüt stark im zweiten Halbfinale von Pool Furious. Während sich Blomqvist (Cupra) am Start gegen Venturini (Romeo Ferraris) auf der Außenbahn verteidigen musste, konnte der Niederländer innen durchschlüpfen. Blomqvist im Cupra lieferte ihm einen guten Kampf, konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Venturini spielte in diesem Battle keine Rolle.

"Alles, was ich gestern falsch gemacht habe, ist heute gut gegangen", berichtet Catsburg nach seinem ersten Sieg. "Es ist eine steile Lernkurve zu verstehen, wie man die Leistung am besten managt. Ich hatte heute eine noch bessere Zusammenarbeitet mit dem Team und in der Kommunikation mit meinem Ingenieur. Daher wusste ich, was Tom hinter mir versucht hat. Es war ein bisschen Glück dabei, da ich einen guten Start auf der Innenbahn hatte und dann das Power-up beim Kurvenausgang nutzen konnte."

Cupra-Dominanz in unspektakulären Finalläufen

Pool Fast

Adrien Tambay (Cupra) konnte seine Pole-Position im Rennen verteidigen, während Gene (Cupra) in der ersten Kehre Michelisz im Hyundai hinter sich hielt. Doppelführung für Cupra beim Heimspiel. Im weiteren Verlauf des Rennens kristallisierten sich zwei Duelle heraus: Gene gegen Michelisz im Kampf um die Podiumsplätze, und Jean-Karl Vernay (Hyundai) gegen Bruno Spengler (Romeo Ferraris) um Platz 4.

Trotz deutlichem Überschuss an Power-up konnte Spengler kein Manöver mehr auf dem kurvigen Kurs gegen den Franzosen setzen. Auch an der Spitze gab es keine Veränderungen mehr, sodass Tambay und Gene einen ungefährdeten Sieg für Cupra nach Hause fuhren, und Norbert Michelisz seine erste Podiumsplatzierung feierte. Luca Filippi im zweiten Romeo Ferraris fuhr ein einsames Rennen am Ende des Feldes.

"Super, das war ein tolles Rennen", sagt Tambay. "Für mich ist es sehr wichtig, wieder auf P1 zu sein, da ich gestern nicht in Hochform war. Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht, was ich von diesem Wochenende erwarten sollte, und wenn dann kleine Fehler dazukommen, bist du nicht glücklich mit deiner Arbeit. Ich freue mich für Jordi - so ein Sieg zu Hause ist ein tolles Ergebnis. Vamos Cupra!"

Pool Furious

Im zweiten Finale ging es noch ruhiger zu. Martin konnte in einem guten Rad-an-Rad-Kampf mit Mikel Azcona eine Position gutmachen und belegte fortan hinter Mattias Ekström Rang 2. Für dessen Markenkollegen Tom Blomqvist lief dafür im Finale nicht viel zusammen: In der ersten Runde ließ er sowohl Catsburg als auch Venturini passieren und konnte im weiteren Verlauf keine Position mehr gutmachen. Es kam noch zu einem kurzen Zweikampf zwischen Venturini und Catsburg, den der Niederländer für sich entschied. Insbesondere im Rennen um die Podiumsplatzierungen passierte allerdings nichts mehr.

"Ich hatte bei meinem Heimrennen auf etwas bessere Ergebnisse gehofft, und meinen Teamkollegen ist es ähnlich ergangen", sagt Hyundai-Pilot Mikel Azcona. "Es war ein hartes Wochenende mit einigen sehr engen Battles hier in Spanien. Wir haben beim Auto einige Schritte in die richtige Richtung gemacht und müssen genauso weiterarbeiten. Wir haben heute einige wichtige Punkte mitgenommen."

Mit einem starken Wochenende meldete sich Hyundai beim Debütwochenende von Nicky Catsburg mit starker Rennpace zurück, kann aber bislang gegen die Dominanz von Cupra nichts ausrichten. So halbierte das Team des südkoreanischen Herstellers den Rückstand auf Romeo Ferraris in der Gesamtwertung. Auch wenn der spanischere Rundkurs für ein ausgeglicheneres Kräfteverhältnis im Mittelfeld sorgte, machte er das Überholen für die zwölf Piloten schwerer als zuletzt auf dem Hungaroring. Das nächste Rennen des FIA-Weltcups findet in knapp drei Wochen im belgischen Zolder statt.

Die Fahrerwertung der FIA ETCR nach dem 3. Lauf in Jarama

Position Fahrer Team Punkte
1 Mattias Ekström Cupra EKS 280
2 Adrien Tambay Cupra EKS 274
3 Mikel Azcona Hyundai Motorsport N 203
4 Maxime Martin Romeo Ferraris M1RA 200
5 Bruno Spengler Romeo Ferraris M1RA 182
6 Tom Blomqvist Cupra EKS 180
7 Jordi Gene Cupra EKS 140
8 Norbert Michelisz Hyundai Motorsport N 137
9 Giovanni Venturini Romeo Ferraris M1RA 115
10 Jean-Karl Vernay Hyundai Motorsport N 111
11 Kevin Ceccon Hyundai Motorsport N 72
12 Luca Filippi Romeo Ferraris M1RA 58
13 Nicky Catsburg Hyundai Motorsport N 43

 

Die Teamwertung der FIA ETCR nach dem 3. Lauf in Jarama

Position Team Punkte
1 Cupra EKS 554
2 Romeo Ferraris M1RA 382
3 Hyundai Motorsport N 348

 

ERA absolviert Testfahrt mit ETCR-Piloten Tambay & Martin

Im Rahmenprogramm der ETCR fährt seit dieser Saison die Electric Racing Academy (ERA). Für die Serie stand an diesem Wochenende eine weitere Probefahrt auf dem Programm. Auf dem Circuito de Jarama testeten Valentin Mini und Ellis Spiezia den elektrischen Formelwagen. Im Rahmen einer kurzen Ausfahrt am Freitag sammelten auch die ehemaligen DTM-Piloten Adrien Tambay und Maxime Martin Testkilometer im ERA-Flitzer. Der Saisonauftakt ist offiziell für das anstehende Rennwochenende in Zolder geplant.

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