E-Serien

Einziger Ausweg Elektro? ADAC-Motorsportchef Voss: "Glaube nicht, dass Hybridautos in der DTM kommen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

DTM-Hockenheim-Straight-Speed

Seit dem Verkauf an den ADAC ist es sehr ruhig um das Projekt "DTM Electric" geworden - ein unter der Federführung des DTM-Vorbesitzers ITR entwickeltes Rennkonzept, das mit über 700 kW starken elektrischen Tourenwagen im Rahmenprogramm der DTM hätte ausgetragen werden sollen. Ganz vom Tisch ist eine elektrische DTM jedoch noch nicht.

Auch beim ADAC ist man sich der Tatsache bewusst, dass man sich nachhaltiger aufstellen muss, um für Sponsoren auch in Zukunft attraktiv zu bleiben. "Die Refinanzierung und die Sponsorensuche für eine Serie mit Verbrennerboliden wird von Jahr zu Jahr schwieriger", beschreibt ADAC-Motorsportchef Thomas Voss bei Motorsport.com.

"Die erste Frage, die uns potenzielle Sponsoren stellen, ist: 'Was macht die DTM in Sachen Nachhaltigkeit, und was sind die Vorschläge für die Zukunft?' Und da müssen wir etwas entwickeln. Und irgendwann stellt sich die Frage, ob wir auch die Autos ändern müssen", erklärt er weiter.

Seitens der Hersteller gebe es Interesse an einer elektrischen DTM, jedoch nicht mit Einheitsantrieben, wie bei der "DTM Electric" geplant, sondern im Rahmen von Eigenentwicklungen im Bereich der Technik. Folglich arbeitet der ADAC hinter den Kulissen daran, diese Idee zu konkretisieren.

"Zukunft für Straßenautos ist in Deutschland batterieelektrisch"

"Um die Autohersteller anzuziehen, sollte man eine Serie und ein Auto haben, das vom Hersteller entwickelt wird", fährt er fort. "Das ist es, wofür die DTM steht, und was von uns gefordert wird. Wir müssen jetzt anfangen, etwas für 2028 oder 2030 zu entwickeln. Und genau das tun wir gerade."

Eine Umstellung auf Hybridantriebe, wie sie seit einigen Jahren unter anderem in der Formel 1 und der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC eingesetzt werden, hält er dabei für unwahrscheinlich, insbesondere aufgrund der Kosten sowie der Entwicklungen im Bereich der Straßenfahrzeuge.

"Besonders die deutschen Hersteller sagen uns in Bezug auf Hybrid: 'Wir haben LMDh-Autos, die sind viel zu teuer für eine nationale Serie' und wollen lieber beim GT3 bleiben. Die Zukunft für Straßenautos ist in Deutschland batterieelektrisch, Hybridautos nur für einen Zeitraum von vielleicht fünf oder sieben Jahren. Also glaube ich nicht, dass Hybridautos in die DTM kommen werden."

Umstellung auf 100 Prozent E-Fuels "wird der erste Schritt sein"

Ein Aussterben des Verbrennungsmotors sieht Voss jedoch nicht. Zumindest nicht, wenn diese mit E-Fuels betrieben werden können. Das ist auch der kurzfristige Plan für die DTM, verrät er. Aktuell stellt Shell für die GT3-Boliden der DTM Kraftstoff zur Verfügung, der zu 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. "Ich hoffe, dass wir den Umstieg (auf 100 Prozent) bis zum Jahr 2025 schaffen können. Das wird der erste Schritt sein."

Er wirft dabei jedoch auch ein Parallelkonzept aus Elektroantrieben und Verbrennungsmotoren mit E-Fuels in den Raum, wie es die WRX für dieses Jahr angekündigt hat. "Ich glaube nicht, dass Autos mit Verbrennungsmotor aufhören werden und dann das Elektroauto kommt. Es gibt genug Platz für beides."

Größere Maßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit lässt die DTM auch nach dem Kauf durch den ADAC bislang vermissen. Im "Sustainable Championship Index" von Enovation Consulting, wo 106 Rennserien weltweit auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht wurden, landete die DTM vor wenigen Wochen als eines der Schlusslichter in der niedrigsten Kategorie.

Zurück

1 Kommentare

Luca ·

Ich finde die DTM sehr unterhaltsam und glaube egal wo für sie sich entscheiden durch die BoP wird sie spannend bleiben.

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 2.