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Erneutes Reifendrama in Vallelunga: Mikel Azcona feiert ersten ETCR-Sieg mit Hyundai

Svenja König

Svenja König

Azonca-wins-in-Vallelunga

Mikel Azcona hat beim Rennwochenende der FIA ETCR in Vallelunga (Italien) seinen ersten Sieg mit Hyundai gefeiert und den König-des-Wochenendes-Titel gewonnen. Er setzte sich in Pool Fast gegen Meisterschaftskandidat Adrien Tambay (Cupra) durch. In Pool Furious siegte Mattias Ekström (Cupra) glücklich, nachdem Nicky Catsburg (Hyundai) mit Reifenschaden ausschied. Generell zeigte Hyundai eine stark verbesserte Rennpace. Unglückliches Reifenmanagement beziehungsweise Reifenschäden entwickelten sich nach einigen Zwischenfällen zu einem bedeutenden Gesprächsthema im Paddock und kosteten die Südkoreaner wie schon 2021 bessere Platzierungen.

Qualifying: Ekström & Venturini im Gras

Pool Fast

Mikel Azcona und Hyundai sind in der ETCR-Saison 2022 angekommen. Nach zwei starken Freien Trainings zeigte er auch im Qualifying eine bestechende Pace und machte bereits am Samstagmorgen klar, dass mit ihm zu rechnen sein würde. Er war der einzige Pilot in seiner Gruppe, der eine Rundenzeit unter 1:20 Minuten setzte. Mit einer 1:19.885 Minuten war er etwa zwei Zehntelsekunden schneller als der Zweitplatzierte Adrien Tambay. Dahinter sicherte sich Bruno Spengler nach zwei Sessions ohne Zwischenfälle den dritten Platz in Viertelfinale 1. Norbert Michelisz, Luca Filippi und Jordi Gene qualifizierten sich nur für Viertelfinale 2.

Pool Furious

In den zwei Qualifying-Sessions von Pool Furious kamen Giovanni Venturini und Ekström an nahezu derselben Stelle von der Strecke ab. Beide gerieten am Ende der dritten Kurve zu weit nach innen auf den Randstein und mussten so über das Gras ausweichen. Tom Blomqvist (Cupra) und Maxime Martin (Romeo Ferraris) setzten jeweils in einer Session die Bestzeit, allerdings war die Zeit des Belgiers insgesamt schneller, weshalb er sich die Pole-Position für das Viertelfinale sicherte. Dahinter lagen im Endergebnis Mattias Ekström, die beiden Hyundai von Nicky Catsburg und Jean-Karl Vernay sowie der angesprochene Venturini.

Viertelfinale: Reifendrama beginnt

Pool Fast

Cupra-Meisterschaftsaspirant Adrien Tambay, der von der mittleren Startposition ins Rennen ging, verlor den Start deutlich. Bruno Spengler und Mikel Azcona waren ungefähr gleichauf. Während es nach den ersten zwei Kurven so aussah, als könnte der Kanadier in Führung gehen, schlug Azcona in der darauffolgenden Kurvenkombination 4 und 5 über die Innenbahn zurück und ging als Führender in die Schikane.

Danach ergaben sich Lücken, die etwa der Performance der Autos in diesem Rennen entsprachen: Spengler konnte nicht mit dem Hyundai mithalten, und Tambay hinkte etwas hinter. Er erlitt am Ende der fünften Runde einen Plattfuß, wodurch er abreißen lassen musste. Im zweiten Viertelfinale von Pool Fast wurde die Situation noch prekärer, denn beide Konkurrenten von Norbert Michelisz - Luca Filippi und Jordi Gene - hatten mit Reifenschäden zu kämpfen, wodurch er souverän siegte.

Pool Furious

In Pool Furious traten zunächst zwei Cupra gegen Maxime Martin im Romeo Ferraris an. In dem Wissen, dass dieser zuletzt eine bestechende Pace hatte, versuchten sie, ihn per Teamstrategie zu besiegen, die jedoch zum einen nicht erfolgreich war und zum anderen Tom Blomqvist das Rennen kostete.

Während Ekström am Start kaum Zusatzleistung nutzte, versuchte Markenkollege Blomqvist genau das Gegenteil und setzte den Belgier durch Übernutzung des Power-ups unter Druck. Blomqvist ging in der ersten Rennhälfte zwar in Führung und sorgte dann dafür, dass Ekström wieder aufschließen konnte. Martin und Ekström gingen dann vorbei. Mit mehr Zusatzleistung im Köcher versuchte Ekström noch, am Belgier vorbeizugehen, schaffte es aber nicht, da sich dieser keinen Fehler leistete.

Im zweiten Halbfinale versuchte es Hyundai erfolgreicher mit einer Teamstrategie. Während Nicky Catsburg nach gewonnenem Start eine souveräne Führung ins Ziel fuhr, verteidigte sich Jean-Karl Vernay hinter ihm gegen Venturini im Romeo Ferraris. "Mein Job war es sicherzustellen, dass Nicky nichts passiert, und das hatte ich unter Kontrolle", so der Franzose. "Es ist zwar nicht das, wofür ich hier bin, aber wenigstens war es für das Team gut."

Halbfinale: Azcona & Martin nicht zu halten

Pool Fast

Auch im Halbfinale hatte Azcona alles unter Kontrolle und setzte sich souverän gegen Bruno Spengler durch, der nicht die Pace hatte, um den Spanier unter Druck zu setzen. Er profitierte davon, dass Michelisz nach einem Ausflug über die Wiese in der Schikane Probleme am Auto hatte, und musste sich so nicht mehr verteidigen. Ob beim Ungar die Aufhängung oder der Reifen betroffen war, konnte aus den TV-Aufnahmen nicht festgestellt werden. Adrien Tambay gewann ein unspektakuläres Halbfinale gegen Luca Filippi und Jordi Gene.

Pool Furious

So dominant wie Azcona zuvor zeigte sich auch Maxime Martin in seinem Halbfinale. Nach einem hervorragenden Start platzierte er sich vor Nicky Catsburg und Mattias Ekström. Der Niederländer hatte es geschafft, sich in Kurve 4 am Rallycross-Weltmeister vorbeizuquetschen. Dieser versuchte im weiteren Verlauf des Rennens, die zweite Position zurückholen, schaffte es allerdings nicht, da Catsburg mit seinem Power-up gut umging. In einem weiteren ruhigen Rennen, das auf das Schonen der Reifen ausgelegt war, setzte sich Blomqvist gegen Vernay und Venturini durch.

Finale: Drama um Spengler & Martin, Hyundai zwischen Sieg & verpassten Chancen

Pool Fast

In den ersten Kurven des Superfinale kam es zu einigen Berührungen zwischen Azcona und Spengler - mit besserem Ende für den Spanier. In den ersten zwei Runden hatte sich das Feld sortiert, bevor ab Runde 3 das Drama begann: Bruno Spengler erlebte einen heftigen Unfall, als er in Kurve 3 von der Strecke abkam. Der Romeo-Ferraris-Pilot rutschte, sprang mit seinem Auto durch die Auslaufzone und kam schließlich in der Barriere zum Stehen. Er blieb zunächst im Auto setzen und wurde vom medizinischen Personal an der Strecke versorgt und schlussendlich ins Krankenhaus gebracht.

Das Team gab allerdings an, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ginge. Doch damit nicht genug, denn Hyundai erlebte ein Deja-vu: In der vorletzten Runde erlebte Norbert Michelisz, der auf dem zwischenzeitlichen dritten Platz lag, einen Plattfuß und musste langsam ausrollen. Nur Sekunden später passierte Luca Filippi das Gleiche - somit beide Romeo Ferraris beim Heimrennen ausgeschieden. Cupra profitierte und platzierte Adrien Tambay und Jordi Gene auf dem Podium, während Mikel Azcona ein perfektes Wochenende mit 100 Punkten komplettierte.

Pool Furious

Das Auto von Maxime Martin und Bruno Spengler konnte nicht rechtzeitig repariert werden. Da das Team bis kurz vor dem Finale nicht ausmachen konnte, weshalb Bruno Spengler von der Strecke abgekommen war - und ob es an einem Fehler des Autos gelegen hatte - entschied sich das italienische Team aus Sicherheitsgründen, auch das zweite Auto aus dem Rennen zurückzuziehen. Somit standen nur vier Autos an der Startlinie.

Nicky Catsburg zeigte eine starke Pace im Rennen und konnte sich von beiden Cupra-Piloten und Teamkollege Vernay absetzen. Es sah lange so aus, als könnte er einen souveränen Sieg nach Hause fahren, bis er sich in der vorletzten Kurve ebenfalls einen Plattfuß holte und somit seinen ersten Sieg in der ETCR knapp verpasste. Ekström erbte nach durchwachsenem Wochenende den Sieg in Pool Furious. Nach dem Rennen wurde viel im Paddock über das Thema Reifen diskutiert, die nicht nur den Spaß der Fahrer, sondern auch die Action im Rennen kompromittiert hatten. Adrien Tambay berichtete beispielsweise, dass er ab Runde 2 kein Vollgas mehr gegeben habe.

In der Fahrerwertung führt der Franzose weiterhin vor Markenkollege Ekström. Mikel Azcona und Maxime Martin auf den Plätzen 3 und 4 machten zuletzt Boden gut, aber hinken dank schwierigem Saisonstart hinterher. In der Teamwertung ist Hyundai nach starker Teamperformance und verbessertem Auto an Romeo Ferraris vorbeigegangen. Wann das nächste ETCR-Rennen stattfindet, ist aktuell nicht bekannt. Der nachzuholende Türkei-Lauf soll im November stattfinden, und ein Ersatz für das Saisonfinale in Inje (Südkorea) ist bisher nicht gefunden.

Fahrerwertung der FIA ETCR nach dem 5. Saisonlauf in Vallelunga

Position Fahrer Team Punkte
1 Adrien Tambay Cupra EKS 435
2 Mattias Ekström CUPRA EKS 421
3 Mikel Azcona Hyundai Motorsport N 368
4 Maxim Martin Romeo Ferraris M1RA 360
5 Tom Blomqvist CUPRA EKS 334
6 Bruno Spengler Romeo Ferraris M1RA 267
7 Jean-Karl Vernay Hyundai Motorsport N 219
8 Norbert Michelisz Hyundai Motorsport N 216
9 Jordi Gene CUPRA EKS 200
10 Giovanni Venturini Romeo Ferraris M1RA 170
11 Nicky Catsburg Hyundai Motorsport N 150
12 Luca Filippi Romeo Ferraris M1RA 140
13 Kevin Ceccon Hyundai Motorsport N 72

 

Teamwertung der FIA ETCR nach dem 5. Saisonlauf in Vallelunga

Position Team Punkte
1 CUPRA EKS 876
2 Hyundai Motorsport N 629
3 Romeo Ferraris M1RA 627



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