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Lucas di Grassi will Roborace-Technologie in F1-Boxenstopps & -Safety-Car einsetzen

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Das Interesse der Automobilindustrie an Mobilitätslösungen für die Zukunft wird immer größer. Neben der Elektrifizierung des Straßenverkehrs wird dabei immer häufiger auch über die Entwicklung von autonomen Autos diskutiert. Formel-E-Pilot Lucas di Grassi fordert nun, Technologien aus der experimentellen Rennserie Roborace mit anderen Motorsport-Kategorien zu verbinden.

Roborace wurde 2015 gegründet und sollte einst als Rahmenserie der Formel E an den Start gehen. Mit autonomen Fahrzeugen sollten zwischen den Sessions der FIA-Meisterschaft die Roboter-Rennen stattfinden. Inzwischen laufen im Rahmen der "Saison Alpha" erste private Testrennen von Roborace. Noch in diesem Jahr soll eigentlich "Saison Beta" beginnen (wir berichteten). Dass Roborace in naher Zukunft zur Support-Serie für die Formel E wird, gilt derzeit allerdings als noch unwahrscheinlich.

"Das Ziel von Roborace ist natürlich, den größtmöglichen Einfluss zu haben", erklärt der ehemalige Roborace-Geschäftsführer Lucas di Grassi im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de'. Der Brasilianer gab seinen Posten im September 2019 auf, als das Unternehmen nach Los Angeles umzog, um den US-Markt besser erschließen zu können. Der Formel-E-Fahrer von Audi berät inzwischen nur noch den Vorstand der Firma bei strategischen Entscheidungen.

"Langfristig sollen auch eigene Rennen stattfinden. Vorher kann man autonome Technologien aber auch in andere Serien einbringen. Das könnte einerseits als Rahmenserie geschehen, andererseits könnten wir aber auch die Roborace-Entwicklungen in die Safety-Cars der Formel 1 einbauen."

Di Grassi träumt von autonomen F1-Boxenstopps

Di Grassi stößt damit den Gedanken an, dass ein selbstfahrendes Safety-Car das Feld der Formel 1 einbremst, wenn das Rennen neutralisiert werden muss. Eine weitere Idee di Grassis: "Die Formel 1 könnte sogar autonome Boxenstopps haben. Die Autos würden selbstständig in der Boxengasse miteinander kommunizieren. Der Fahrer könnte in die Box fahren und die Hände vom Lenkrad nehmen. Das Auto würde dann selbstständig anhalten, und die Teams könnten die Reifen wechseln, bis das Auto wieder losfährt. Es gäbe auch keine Probleme mehr mit 'Unsafe Release', weil die Autos miteinander verbunden sind. Das ist genau die Art von Technologie, für die Roborace gemacht ist."

Die menschliche Komponente wolle Roborace jedoch keineswegs aus dem Motorsport nehmen. "Im Rennsport geht es um Menschen", weiß di Grassi. "Man sieht auch niemanden mit einem Computer bei einem Schachturnier. Es geht um die menschliche Fähigkeit. Aber ich bin mir sicher: Schon sehr bald werden paralympische Athleten schneller laufen können als normale Sportler."

Mechanisches Doping kommt - aber nicht im Motorsport

Der Brasilianer argumentiert, dass spätestens in 20 Jahren Sportler mit sogenanntem mechanischem Doping ihre Leistungen verbessern werden. "Es gibt schon jetzt Exoskelette, mit denen man quasi so viel Gewicht stemmen kann, wie man will. Für Läufer oder Schwimmer wird es solche Entwicklungen auch geben, zum Beispiel mit künstlichen Sehnen, die elastischer sind als die natürlichen. Das könnte auch für Fußballer interessant sein. So etwas wird kommen - allerdings ist das nicht das, was wir mit Roborace machen."

Das Konzept der KI-Rennserie drehe sich ausschließlich darum, den Rennsport unterhaltsamer, sicherer und technologisch relevanter zu machen. "Das ist das Ziel von Roborace", sagt di Grassi. Wann das nächste öffentliche Roborace-Event stattfindet, ist derzeit noch unklar. Zuletzt war der eigens entwickelte "DevBot 2.0", mit dem die Roborace-Ingenieure die Software testen, vor knapp einem Jahr im Rahmen des Goodwood Festival of Speed 2019 zu sehen.

Foto: Roborace (Twitter)

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