E-Serien

Roborace: Di Grassi erhofft sich Trennung von Technologie & Fahrertalent

Timo Pape

Timo Pape

"Man könnte meinen, dass Roborace eine neue Ära von emotionslosem Motorsport einläuten wird. Oder dass die Serie scheitert und wieder verschwindet, nachdem den Investoren das Geld ausgegangen ist. Meiner Meinung nach wird aber keines dieser Schicksale eintreffen", schreibt Lucas di Grassi, Topfahrer bei Abt Schaeffler Audi Sport, bei 'Autosport'.

Damit äußert sich der ehemalige Formel-1-Fahrer zur künftigen Rahmenserie der Formel E, der er einiges zutraut. Bei Roborace werden völlig autonom fahrende Rennmaschinen gegeneinander antreten. Der erste Lauf könnte noch in diesem Jahr - in jedem Fall aber innerhalb der dritten Saison - starten.

"Die Hersteller sind sich einig, dass vollständig oder weitgehend autonome Autos die Zukunft der Mobilität sein sollten", sagt di Grassi und spricht damit Entwicklungsfelder wie künstliche Intelligenz, präzisere Sensoren und mit der Cloud verbundene Autos an. "Die FIA könnte Roborace dazu benutzen, um das Verlangen nach Entwicklung der Technologie seitens der Hersteller zu befriedigen."

Gleichzeitig setzt sich der Abt-Fahrer dafür ein, den "klassischen" Motorsport wieder menschlicher zu machen: "Ich würde gerne eine klare Trennung zwischen den FIA-Meisterschaften sehen: Roborace sollte wirtschaftlich relevante Technologie für autonome Autos pushen. Die anderen Serien sollten hingegen eher unterhalten, bezahlbar bleiben und mehr vom Fahrer abhängig sein."

Das Talent sollte entscheiden

Ganz generell müssten die Fähigkeiten der Fahrer mehr im Mittelpunkt stehen, findet di Grassi: "Der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Fahrer wird meist von der Qualität des Autos überlagert", sagt der Brasilianer. "Es ist ziemlich frustrierend, wenn Spitzenpiloten am Ende des Feldes herumdümpeln. In den meisten Serien mit offener Entwicklung, wie der Formel 1, der WEC oder der WRC, wird ein Fahrer nicht vorne mitfahren, wenn er kein gutes Auto hat."

Die erste Saison der Formel E war ein Paradebeispiel für ein ausgeglichenes Fahrerfeld, schließlich fuhren alle Teams mit baugleichem Material. In der aktuellen zweiten Saison dürfen die Teams ihre eigenen Antriebsstränge konstruieren, wodurch die Unterschiede zwischen den Teams angewachsen sind.

In der Formel E ist die Situation zwar noch nicht so gravierend wie in den oben genannten Rennserien. Trotzdem muss der Veranstalter darauf achten, dass das Fahrerfeld bei freigegebener technologischer Entwicklung halbwegs ausgeglichen bleibt. Das beste Mahnmal ist Formel-E-Meister Nelson Piquet jr., der im aktuell unterlegenen NextEV keine Chance hat, vorne mitzumischen.

Nichtsdestotrotz glaubt di Grassi an den Technischen Fahrplan der Formel E: "Natürlich sollten wir die Technologie nicht verbannen und im Motorsport nicht nur auf die Vergangenheit setzen. Aber man sollte alle Fahrerhilfen, Sensoren, kostspieligen Gimmicks und experimentelle Technologie Roborace oder ähnlichen Serien überlassen. Darum denke ich, dass Roborace dem Motorsport und uns, den Fahrern, helfen kann."

Auch wenn Motorsport heute nicht mehr so populär ist wie vor einigen Jahrzehnten, hat di Grassi keine Sorge um die Zukunft: "Ich erwarte zwar nicht, dass der Motorsport so viele Zuschauer wie früher anzieht, weil die neuen Generationen nicht mehr so an Autos interessiert sind. Aber aussterben wird der Motorsport auch niemals. Es wird immer genügend Leute geben, die Rennautos einfach lieben."

Daniel Abt noch mit Skepsis

Di Grassis Teamkollege, Daniel Abt, zeigt sich noch ein bisschen skeptisch, ob und wie Roborace funktionieren wird. Die Möglichkeiten, die die autonome Serie mit sich bringt, stimmen ihn allerdings positiv. "Ich weiß noch nicht so genau, was ich mir darunter vorstellen soll", gesteht Abt exklusiv gegenüber 'e-Formel.de'. "Ich kenne nur das grobe Konzept und weiß nicht, ob das überhaupt funktioniert beziehungsweise wie es aussehen würde."

Grundsätzlich sei der 23-Jährige aber dafür, "dass man als Serie versucht, neue Ansätze zu finden und den Fans am Renntag noch mehr zu bieten. Wenn es funktioniert, finde ich es eine coole Sache."

Als die fahrerlose Rennserie angekündigt wurde, sorgten sich viele Fans, dass durch Roborace die Menschlichkeit im Motorsport verloren gehen könnte. Abt fürchtet hingegen keine Herrschaft der Maschinen: "Ich habe keine Angst, dass es irgendwann den Fahrer ablösen wird."

Einen großen Vorteil sieht Abt, wie sein Teamkollege di Grassi, im Entwicklungspotenzial von Roborace: "Es wird aber auf jeden Fall eine weitere Plattform, auf der Hersteller andere
Technologien zeigen können. Das bindet sie letztlich auch wieder an die Marke Formel E. Schauen wir es uns mal an."

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