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Roborace: Die Welt der Nullen und Einsen

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Wenn alles nach Plan läuft, sehen wir schon in diesem Jahr das erste kleine Autorennen mit autonomen Rennfahrzeugen: 100 Prozent elektrisch, 100 Prozent KI-gesteuert, 100 Prozent Roboter-Motorsport. "Roborace" nennt sich die Idee von Denis Sverdlov, die immer mehr Form annimmt. Insgesamt zehn Rennteams sollen eines Tages gemeinsam mit dem Formel-E-Tross um die Welt reisen und ihre autonomen Rennen austragen. Der einzige Unterschied zwischen den Autos: die Software.

Die selbstfahrenden Rennwagen in der Größe von Formel-1-Boliden haben einen Nvidia-Drive-PX-2-Computer an Bord, der bis zu 24 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde ausführt. Alle Fahrzeuge sind dabei nach einheitlichen Maßen gebaut: Einen Vorteil durch unterschiedliche Fahrzeugabstimmungen zu erhaschen ist also nicht möglich.

Einzig und allein der Code soll über den Wettbewerbsvorteil entscheiden. Begonnen wird mit einem weißen Blatt Papier: Wer die besten Ingenieure in seinen Reihen hat und den intelligentesten Code entwickelt, holt sich am Ende den Sieg.

Doch wie schreibt man eigentlich einen konkurrenzfähigen Algorithmus? "Da gibt es zwei Möglichkeiten", erklärt Roborace-Marketingchef Justin Cooke gegenüber 'Red Bulletin'. "Entweder scannst du die Strecke und fütterst die künstliche Intelligenz (KI) mit allen wichtigen Informationen. Oder du programmierst die Maschine, von allein zu lernen und nach jeder Runde besser zu werden, in jeder Kurve schlauer zu werden."

Es hänge dabei ganz von der Erfahrung der Teammitarbeiter ab: "Welche Erkenntnisse bringt es mit? Was hat es technisch drauf? Das Racing wird auf jeden Fall extremer. Über 300 km/h, unglaubliche Aerodynamik und keine Fahrer - das ist schon ein abgefahrenes Erlebnis. Bei diesem Speed wird es auch kostspielige Kollisionen geben, aber hey, that's racing!"

Wie bei David gegen Goliath

Ähnlich wie bei den Kollegen der "großen Schwester" Formel E will sich Roborace auf die Interaktion mit den Zuschauern konzentrieren. In Planung sei dabei ein sogenanntes Crowd-Sourced-Team, in welchem Fans aus aller Welt an einer eigenen Software schreiben können. Es gleicht dem Kampf von David gegen Goliath: Können sich etablierte Firmen wie Google, die sich seit Jahren mit der Technologie von autonomen Fahrzeugen beschäftigen, gegen die Expertise von Programmierern aus aller Welt wehren?

Dass Roborace für die Zukunft des Transports relevant werden kann, zeigen Prognosen für Entwicklungen auf dem Fahrzeugmarkt. Glaubt man einer Studie der 'Boston Consulting Group', soll der Markt von autonomen Fahrzeugen bis 2025 auf 42 Millionen US-Dollar anwachsen. Erst im vergangenen Monat brachte das Kabinett um Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Gesetzesentwurf für selbstfahrende Autos auf den Weg.

Und wohin geht der Weg für Roborace? "Im Mittelpunkt steht natürlich der Wunsch, fahrerlose und elektrische Technologie voranzutreiben und beliebter zu machen", plaudert Cooke mit Blick auf die Zukunftspläne der Serie. "Unser Ziel ist es, den Menschen die Angst vor der 'Roboterinvasion' zu nehmen. Ich glaube, die nächsten Jahre werden der Wahnsinn. Daniel Simon, unser Designer, hat dazu schon einige tolle Ideen."

Mehr Informationen zur Serie findest du auf unserer Themenseite ROBORACE.

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