E-Serien

Neue Elektrorennserie "FIA Electric GT": Regelwerk mit Schnellladesystem & Batterieentwicklung präsentiert

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Front-View-FIA-Electric-GT-Championship

Ob Formel E, MotoE, Extreme E, RX2e, Pure ETCR, DTM Electric oder die Nachwuchskategorie ERA - das Portfolio elektrischer Rennserien wächst. Mit der "Electric GT"-Kategorie hat der internationale Automobil-Dachverband FIA nun ein Regelwerk für eine weitere vollelektrische Serie präsentiert. Ein erstes Rennen könnte bereits in zwei Jahren ausgetragen werden. Mit der einstigen Electric GT Championship (später: EPCS) hat die neue FIA-Serie nichts zu tun.

Das GT-Konzept soll interessierten Automobilherstellern als Plattform dienen, um Technologien für ihre Straßenfahrzeuge zu entwickeln. Laut FIA sollen die Elektroboliden ähnlich leistungsstark "wie die aktuelle Generation der GT3-Autos" sein, die derzeit schnellste Tourenwagenklasse jedoch in Sachen Beschleunigung und Qualifying-Pace übertreffen.

Je nach Basismodell wird das Mindestgewicht der Fahrzeuge zwischen 1.490 und 1.530 Kilogramm liegen. Die maximale Leistung soll jedoch auf 430 kW (585 PS) begrenzt sein. Ein weiterer entscheidender Unterschied zu verwandten Serien wie der Formel E: Der Einsatz einer standardisierten Batterie ist nicht geplant - die Hersteller dürfen selbst ran.

Der französische Batteriehersteller SAFT wird lediglich die Zelltechnologie (Lithium-Ionen) zur Verfügung stellen, die in Kooperation mit den jeweiligen Konstrukteuren flexibel in den GT-Chassis verbaut werden kann.

Schnellladestopps mit 700 kW möglich

Das am Mittwoch vorgestellte FIA-Reglement erlaubt zudem eine maximale Lade- und Rekuperationsleistung von 700 kW, um beispielsweise Schnelllade-Boxenstopps zu ermöglichen. Innerhalb weniger Minuten sollen die Akkus auf 60 Prozent ihrer Kapazität geladen werden können, sofern die Veranstaltungsorte die hierfür nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen.

"Die Vision der FIA ist es, den Motorsport zu einem Labor für nachhaltige Mobilität zu machen", sagt FIA-Präsident Jean Todt. "Diese neue Kategorie für elektrische GT-Autos ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Sie wird den Weg für neue Batterie- und Schnellladetechnologien ebnen. Das ist ein perfektes Beispiel für unseren 'Race to Road'-Ansatz."

Neben dem Batterie-Layout sollen die Hersteller auch eigene Antriebsstrang-Konfigurationen für die GT-Meisterschaft entwerfen können. So gibt es beispielsweise Entscheidungsfreiheiten bei der Wahl zwischen Zwei- oder Allradantrieben; bis zu vier Elektromotoren sind pro Fahrzeug erlaubt. Und auch bei den Chassis gibt es mehrere Optionen: Konstrukteure können entweder bestehende GT3-Fahrzeuge einsetzen oder die Karosserien ihrer eigenen Straßenfahrzeuge zum Renneinsatz umbauen.

Technische Daten: FIA Electric GT

Kategorie FIA Electric GT
Chassis GT3-Konversion oder Umbau von Straßenfahrzeugen
Gewicht min. 1.490 - 1.530 Kilogramm
Antriebsstrang max. 4 Elektromotoren
Antriebsart Zwei- oder Vierradantrieb
Batteriehersteller SAFT (Lithium-Ionen-Pouch-Zellen)
Batteriekapazität 87 kWh
Max. Leistung 430 kW
Max. Rekuperation 700 kW
Beschleunigung (0-100 km/h) ca. 2,4 Sek
Höchstgeschwindigkeit ca. 300 km/h


Hersteller wollen "relevante Technologien statt Standardkomponenten"

Leena Gade, die Präsidentin der FIA GT-Kommission, pflichtet Todt bei: "Der Markt für leistungsstarke elektrische Sportwagen wächst stetig. Die Erstellung dieses Technischen Reglements war in den letzten 18 Monaten ein Schlüsselprojekt für unsere Kommission."

"Wir haben in unseren Technischen Arbeitsgruppen regelmäßig Gespräche mit den GT-Herstellern geführt, und das Interesse an dieser neuen Kategorie ist sehr groß", so Gade weiter.

Xavier Mestelan Pinon, der kürzlich von der FIA zum Technischen Direktor im Sport-Bereich benannt wurde, betont die Rolle der Automobilindustrie: "Wir wollen, dass der Motorsport für unsere Industrie relevant ist. Deshalb gehen immer mehr Serien in diese Richtung."

"Die wichtigsten technischen Herausforderungen sind die Batterieentwicklung, die Integration der Batterien in die Autos und die Schnellladetechnologie. Das ist entscheidend für die Hersteller, die straßenrelevante Technologien entwickeln wollen, statt auf Standardkomponenten zu setzen", erklärt der Franzose, der bis Mitte April 2021 noch Motorsportchef beim auch in der Formel E engagierten Hersteller DS Automobiles war. "Außerdem sorgt die Möglichkeit, die GT3-Plattform zu nutzen und anzupassen, dafür, dass die Kosten unter Kontrolle bleiben."

Wann das erste Rennen in der "FIA Electric GT" stattfindet, ist noch nicht bekannt - laut Medienberichten könnte es ab 2023 soweit sein. Ungewiss ist zum aktuellen Zeitpunkt außerdem die Anzahl der angepeilten Teams und Konstrukteure.

Laut 'Sportscar365' meldeten bereits im vergangenen Jahr Audi und Porsche ihr Interesse an. Die deutschen Automobilhersteller könnten die Serie nutzen, um ihre elektrischen Straßenfahrzeuge wie den RS e-tron GT oder den Taycan weiterzuentwickeln und zu bewerben. Ob sich die zwei derzeitigen Formel-E-Konstrukteure jedoch tatsächlich für die neue GT-Serie einschreiben, ist nicht bekannt.

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4 Kommentare

EFan ·

gibt es denn Informationen zum Rennformat .... im Moment sind ja alle elektrischen Rennserien als Sprintformate ausgelegt (FE, XE, ETCR, WRX ....), wenn ich mir die meisten Artikel zum E Auto anschaue kommt das Wort "Reichweite" doch sehr oft vor. Interessant fände ich auch, wenn man über einen Zwischenakku die Ladeleistung erreichen würde. Wenn dort 20 Autos an den Start gehen, die alle gleichzeitig den Stecker in der Box reinstecken, dann ziehen die halt 14 Megawatt .... schon nicht wenig. Eine Technik die aber das ganze Rennen konstant mit wenig Leistung den "Ladeakku" läd um dann kurze Boxenstopps zum machen wäre zwar sicher teuer, aber für die ein oder andere Tankstelle vielleicht auch nicht sooo uninteressant. In Norwegen gibt's ne Siemensfähre wo die das so machen .....

Tobias Bluhm ·

Moin EFan! Die FIA hat heute nur die technischen Daten zu den Fahrzeugen präsentiert, nicht aber den Promoter einer Serie. Oder anders gesagt: Aber jetzt kann jede interessierte Organisation, mir fällt z.B. direkt die SRO Motorsports Group ein, dieses Regelwerk heranziehen, sich um Teams/Hersteller kümmern und damit eine Meisterschaft organisieren. Diese wird es früher oder später sicherlich geben, bislang stehen aber nur die technischen Vorgaben für die Autos fest. Ich hoffe, das hilft weiter!

LG Tobi

EFan ·

Danke Tobi! Dann schauen wir mal was kommt, hoffentlich verstrubbeln die sich nicht mit den diversen GT Ansätzen, es gab ja auch schon eine eGT von Tesla und Artikel zu einer Supercharge Serie mit freigegebener Batterieentwicklung .... man sieht ja auch bei DTM, GT3 und GTE in LeMans das es da ganz schön Machkämpfe gibt und dort ist sicher noch etwas mehr Geld verfügbar.

Helmut ·

Klingt ja nicht uninteressant aber was ich mich bei den ganzen E-Serien immer wieder frage: warum wird gerade die Rekuperationsleistung begrenzt. Gerade hier wäre ja der Showcase für Effizienz gegeben. Je mehr man rückgewinnen kann umso besser sollte es ja sein.

Bei der Frage des Nachladens kommt es halt sehr auf das Rennformat an. Wenn es wie bei der WEC oder IMSA längere Rennen sind, kann man schon Boxenstopps von ein paar wenigen Minuten verkraften. Sollten es eher Sprintrennen sein, wäre das suboptimal. Zumal ja beim Nachladen nicht mal viel Action abgeht.

P.S.: streng genommen sind die GT Fahrzeuge Sportwägen und keine Tourenwagen. Auch wenn die DTM sich heuer bei GT3 Fahrzeugen bedient und sich damit vom Tourenwagen eigentlich entfernt.

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