Extreme E

Carlos Sainz sr. aus Krankenhaus entlassen, Extreme-E-Paddock wütet gegen Strafmaß: "Exempel statuieren"

Timo Pape

Timo Pape

Extreme-E-Crash-Sardinia-2022-Sainz-Kristoffersson

Carlos Sainz sr. wurde nach seinem schweren Unfall beim Extreme-E-Rennen auf Sardinien ohne ernste Verletzungen aus dem Krankenhaus entlassen. Der 60-Jährige war am Donnerstagabend von Johan Kristoffersson abgedrängt worden und überschlug sich daraufhin mehrfach. Nach seiner Rückkehr forderte er eine drastischere Strafe gegen Kristoffersson - mehrere seiner Kolleg:innen stimmen zu.

Es war der Schreckmoment des ersten Island X Prix 2022: Kurz nach dem Start des Finalrennens kam es zur Kollision zwischen Johan Kristoffersson (RXR) und dem Führenden Carlos Sainz sr. (Acciona Sainz). Der Schwede traf seinen Konkurrenten aus Spanien am rechten Heck, woraufhin dieser die Kontrolle über sein Auto verlor und sich spektakulär überschlug. Rosberg X Racing fuhr zunächst als Rennsieger ins Ziel, bekam aber gut zwei Stunden nach dem X Prix noch eine 30-Sekunden-Zeitstrafe zugesprochen, die das Team auf Rang 3 zurückstufte. Viel zu wenig - finden viele Beteiligte im Paddock, auch Sainz selbst.

"Glücklicherweise sind alle medizinischen Untersuchungen gut ausgegangen, und ich bin gerade aus dem Krankenhaus entlassen worden", twitterte Sainz am späten Donnerstagabend um 21:39 Uhr. "Trotzdem habe ich ziemliche Schmerzen. Ich bin wirklich enttäuscht über das, was auf der Strecke passiert ist. Und noch mehr über die Tatsache, dass lediglich eine 30-Sekunden-Strafe gegen denjenigen ausgesprochen wurde, der diesen schweren Unfall verursacht hat. In über 40 Jahren Motorsport ist das eine der ernstesten Aktionen, (...) an der in Sachen Strafmaß kein Exempel statuiert wurde", so Sainz weiter.

Seine Teamkollegin Laia Sanz vertritt einen ähnlichen Standpunkt: "Carlos wurde ziemlich hart von einem anderen Fahrer getroffen, als er das Rennen angeführt hat. Dadurch wurde das Auto gedreht und überschlug sich mehrfach. Zum Glück ist Carlos wohlauf. Das ist das Wichtigste, denn es war ein schrecklicher Unfall. Aber heute bin ich traurig - mehr noch als wütend - darüber, wie mit dieser Situation umgegangen wurde. Ich kann nicht verstehen, dass eine Aktion eines anderen Fahrers, die diese Konsequenzen nach sich zieht - und auch anders hätte ausgehen können - mit nur 30 Sekunden bestraft wurde."

Landsfrau Cristina Gutierrez vom Team X44 stimmt ihr zu: "Erhol dich schnell wieder, Carlos! Mir fehlen die Worte über das, was da passiert ist..."

FIA-Präsident Ben Sulayem schaltet sich ein

Gegen Mitternacht meldete sich sogar FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem über Twitter zu Wort: "Lieber Carlos Sainz, ich bin froh, dass es dir gutgeht. Wir werden uns den Bericht und die ganze Sache noch einmal mit unserer FIA-Sicherheitsabteilung ansehen." Die Aussagen des FIA-Chefs sind nicht nur deshalb bemerkenswert, weil sie auf einen öffentlichen Tweet hin die Entscheidung der Rennkommissare infrage stellen.

Diskutabel ist auch die Rolle der FIA an dieser Stelle. Zwar hat der Automobilweltverband der Extreme E im Oktober 2020 den "FIA International Series"-Status zugesprochen. Sie erstellt somit nicht das Regelwerk, bestätigt aber, dass die Extreme E mit ihren Standards übereinstimmt. Andererseits trägt die Meisterschaft nicht den Zusatz FIA im Titel, was immerhin der Grund dafür ist, dass die Extreme E weiterhin kein Reglement veröffentlicht. Inwieweit die FIA somit in Entscheidungen der Rennleitung eingreifen kann, können wir nicht beurteilen. Ebenso wenig, welches Strafmaß für eine solche Aktion angebracht ist.

Kein Schuldeingeständnis von Kristoffersson

Johan Kristoffersson beschrieb den Unfall kurz nach seiner Finalrunde nicht unbedingt reumütig: "Carlos und ich sind Seite an Seite Richtung Wegpunkt 2 gefahren. Wir waren Tür an Tür, dann hat er sich überschlagen, also habe ich gebremst. Ich wollte die Kurve, er wollte die Kurve. Beide Fahrzeuge haben in entgegengesetzte Richtungen gesteuert. Das ist ein bisschen schade, denn ich hätte das Rennen gern noch so weitergeführt."

Dass das Strafmaß nach der nachträglichen Rückversetzung noch ein weiteres Mal korrigiert wird, scheint derzeit unrealistisch. Womöglich könnten die Kommissar:innen fortan aber eine andere Sicht auf vergleichbare Situationen haben. Schon am Samstag treffen Sainz - sofern es die Schmerzen zulassen - und Kristoffersson erneut aufeinander. Dann steht der zweite Island X Prix dieser Saison auf dem Programm.

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