Extreme E

Extreme E könnte Fahrzeugleistung dauerhaft reduzieren, Hyperdrive bislang ohne echten Effekt

Timo Pape

Timo Pape

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An ihrem ersten Rennwochenende Anfang April hatte die Extreme E noch mit einigen "Kinderkrankheiten" zu kämpfen. So reduzierte sie beispielsweise nach dem Qualifying-Samstag überraschend die Leistung aller Fahrzeuge von mutmaßlich 320 auf 225 kW, um die Einheitsbatterie von Williams Advanced Engineering zu schützen. Wie Serienboss Alejandro Agag nach dem Rennen verriet, könnte die Extreme E bei der reduzierten Leistung bleiben.

"Wir haben die Leistung vom ersten auf den zweiten Renntag etwas reduziert", erinnert sich Agag und erklärt: "Das hatte vor allem mit der Temperatur der Batterien zu tun und mit der Zeit, die sie zum Abkühlen brauchen. Wir arbeiten mit Williams daran, diese Zeit zu reduzieren. Dann können wir die Leistung vielleicht wieder erhöhen."

Ob die Autos im Falle einer technischen Lösung des Problems tatsächlich wieder mehr Leistung erhalten, bleibt dennoch abzuwarten. Denn für Agag ist vor allem die Show entscheidend: "Ich möchte auch mit den Fahrern sprechen, was sie von den verschiedenen Leistungsstufen halten. Also ob die höhere Leistung das Ganze überhaupt spannender macht."

Agag: "Wenn wir guten Rennsport bekommen, haben wir keinen Grund zu erhöhen"

"Wenn wir guten Rennsport bekommen mit dem Leistungslevel, das wir jetzt haben, dann haben wir keinen Grund, es wieder zu erhöhen", sagt Agag. "Wir müssen das in der Gruppe diskutieren und dann entscheiden, was am sinnvollsten ist."

Tatsächlich war die Leistungsreduktion für Zuschauer am TV-Bildschirm nicht zu erkennen. Und auch für die Fahrer:innen dürfte wohl kaum ein Unterschied spürbar gewesen sein, denn wie wir in unserer statistischen Analyse verglichen haben, war die beste Rundenzeit am Sonntag mit gedrosselter Leistung sogar zwei Sekunden schneller als die Bestzeit vom Samstag bei voller Power.

Loeb kritisiert Hyperdrive: "Hat keinen großen Unterschied gemacht"

Ein kleines Fragezeichen steht auch hinter dem "Hyperdrive", der den Fahrer:innen für vier Sekunden pro Runde mehr Leistung bereitstellt. Davon abgesehen, dass nie bekannt gegeben wurde, wie viel Leistung der Boost überhaupt zusätzlich freigab, bekamen die Zuschauer nicht mit, wann die Pilot:innen ihren Hyperdrive zündeten. Wohl auch, weil er im Rennen quasi ohne Effekt blieb.

"Ich denke, jeder hat den Hyperdrive an derselben Stelle genutzt. Er hat die Rennen also nicht verändert", meint X44-Pilot Sebastien Loeb. "Beim Start hat er vielleicht ein kleines bisschen geholfen, wenn man ihn im richtigen Moment eingesetzt hat, aber davon abgesehen hat er auf dieser Strecke keinen großen Unterschied gemacht. Vor allem weil wir nach Kurve 1 ohnehin im aufgewirbelten Staub fuhren und keine Chance mehr hatten - egal ob mit oder ohne Hyperdrive."

Es bleibt abzuwarten, ob die Extreme E noch leichte Anpassungen am Hyperdrive vornehmen wird, um ihn besser in Szene setzen zu können.

Noch einen Monat bis zum Ocean X Prix

In genau einem Monat steht für die Extreme E der zweite Saisonlauf im Senegal an. Der sogenannte Ocean X Prix markiert dabei die Rückkehr des Offroad-Rennsports zu seinen Wurzeln - der fordernden Rallye Paris-Dakar. 1978 feierte sie dort ihre Premiere, seit 2007 endet die Rallye Dakar aber nicht mehr in der senegalesischen Hauptstadt.

"Wir stehen einen Monat vor unserer zweiten Veranstaltung, dem Ocean X Prix", sagt Agag. "Wir freuen uns alle sehr, in den Senegal zu reisen, insbesondere nach Dakar und speziell an den Lac Rose, der einst die Ziellinie für eine der berühmtesten Rallyes der Welt markierte. Wir können es kaum erwarten, den Motorsport wieder in diese Region zu bringen und sind sicher, dass wir eine unglaubliche Show abliefern werden."

Veloce Racing hat das Unfallfahrzeug von Stephane Sarrazin inzwischen übrigens wiederhergestellt. Wie die Franzosen am Mittwoch mitteilten, haben sie nach dem Überschlag in Saudi-Arabien "geschätzte 75 bis 100 Stunden" für den Wiederaufbau des Chassis benötigt. Dem Team bleibt zu wünschen, dass es im Senegal endlich mehr Streckenzeit bekommen wird als zuletzt und nicht wieder frühzeitig ausscheidet. Der Ocean X Prix startet am 29. und 30. Mai - live zu verfolgen auf e-Formel.de.

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2 Kommentare

Helmut ·

Nach dem Valencia Debakel der nächste Rückschlag aus Werbesicht für die E-Mobilität.
Jetzt wird es wieder heißen, dass die E-Mobilität eben noch nicht ausgereift ist und zu viele Einschränkungen hat. Die Dinger halten eh nur 15 Mimuten Kapazität und dann nicht mal bei voller Power.
So wird das e-Racing in der breiten Öffentlichkeit immer mehr zum Gegenargument

EFan ·

Einerseits wird überall über Kostendeckel gesprochen und dann fährt man in die Wüste um diese Erfahrung zu machen. Wäre das nicht auch auf einem Prüfstand feststellbar gewesen? Die Lastkurven einer hypotetischen Rennstrecke, entsprechende Temperaturen und Belüftungszustände müssten sich doch simulieren lassen. Zumal ja alles Einheitsteile sind und nicht mal jeder für sich Testen müsste ...

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