Extreme E

Extreme-E-Streckendesigner Timo Scheider: "Wir mussten einfach schätzen, ob dieser Weg möglich ist"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Die vierte Extreme-E-Veranstaltung des Jahres rückt immer näher: Nach dem Saisonstart in Saudi-Arabien und anschließenden Rennen in Senegal und Grönland wird das "schwimmende Fahrerlager" der Rennserie, die St. Helena, am 23./24. Oktober für den Island X Prix auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien anlegen. Für den offiziellen Extreme-E-Streckendesigner Timo Scheider und sein Team stellt das Inselrennen eine neue Herausforderung dar.

Der zweifache DTM-Champion ist Chef-Streckenentwickler und offizieller männlicher Ersatzfahrer der Extreme E. Gemeinsam mit der Geschäftsführung unter der Leitung von Formel-E-Gründer Alejandro Agag ist Scheider also mitverantwortlich für die Gestaltung der Offroad-Kurse in der Elektrorennserie.

Im Interview mit dem offiziellen Extreme-E-Podcast 'Off Track' erklärt der Deutsche seinen Aufgabenbereich: "Sie suchen ein Areal aus, fliegen mich dorthin und sagen: 'Das haben wir zur Verfügung, tob dich aus und finde eine Route.' Das ist ein sehr interessanter Prozess."

"Alles beginnt mehrere Monate vor der Veranstaltung mit einer 'Recce'. Wir erkunden die Umgebung und zeichnen dann eine Strecke. Das passiert übrigens nicht mit dem Odyssey-21-Auto, sondern mit anderen Fahrzeugen", so Scheider. "In Saudi-Arabien gab es eine sehr schmale Bergauf-Passage, an die wir (bei der Recce) gedacht haben. Weil wir das offizielle Auto aber nicht zur Verfügung hatten, mussten wir einfach schätzen, ob der Weg auf die Düne möglich ist."

Erst in der Woche des Desert X Prix konnte Scheider seine Strecke mit den Meisterschaftsautos der Extreme E testen - mangels eines offiziellen Ersatzfahrzeugs ausgeliehen von den Teams ABT Cupra und Xite Energy. Erst bei diesem Test fiel der Meisterschaft die große Staubentwicklung auf, die zum bestimmenden Thema des Debütwochenendes werden sollte. "In den drei oder vier Monaten seit unserem Besuch hat sich die Temperatur stark verändert. Dadurch, dass es plötzlich so viel Staub gab, mussten wir das Rennformat anpassen", erklärt Scheider. Die Extreme E reduzierte daraufhin in Al-'Ula die Anzahl der Rennen und passte das Punkteformat an.

Änderungen sogar noch nach dem Freien Training

Scheider, der als Streckendesigner zudem als Bindeglied zwischen den Teams und Meisterschaftsoffiziellen fungiert, lernte im Senegal und in Grönland jedoch noch einige andere Herausforderungen kennen: "Manchmal darf man ein bestimmtes Gebiet nicht verlassen oder muss sich an unvorhergesehene Situationen anpassen: Hier darfst du nicht zu nah ans Wasser, dort reicht die Funkverbindung nicht für die TV-Übertragung aus, in diesem See lebt ein besonderer Fisch."

"Ich denke mir oft: 'Okay, jetzt bin ich fertig, und die Strecke passt!' Und dann sagt jemand, dass wir die Route wieder verändern müssen", erklärt der 42-Jährige und lacht. "Solche Veränderungen passieren bis zur Rennwoche, Kleinigkeiten manchmal sogar noch nach dem Freien Training."

Auf die nach dem Arctic X Prix wiederholt geäußerte Kritik an zu fragilen Fahrzeugen reagiert Scheider gelassen: "Alejandro (Agag) sagt immer: Das ist die Extreme E - wir wollen also auch extrem sein. Das heißt nicht, dass wir unsichere Strecken entwerfen, aber es sollte auch nicht zu einfach sein. Die Leute beschweren sich über die Aufhängungen und über Sprünge, aber genau das soll doch die Herausforderung sein! Hier unterscheiden sich die guten von den großartigen Fahrern."

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