Extreme E

"Für 3 Minuten wussten wir nicht, ob sie noch lebt" - So kam es zum schweren Extreme-E-Unfall von Claudia Hürtgen

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Side-View-Cupra-Rocks-Desert-X-Prix

Schockierende Bilder bei der Extreme E in Saudi-Arabien: ABT-Fahrerin Claudia Hürtgen verliert am Ende ihrer Qualifying-Runde am Samstag auf einer Bodenwelle die Kontrolle über das Fahrzeug, überschlägt sich und landet nach vier Luftrollen auf dem Dach. Erst drei Minuten später folgt die Entwarnung: Hürtgen hat den Horror-Crash unverletzt überstanden. Es folgt eine eiserne Dauerschicht des gesamten Teams, um das Auto für den Rennsonntag wieder aufzubauen.

Vor ihrem Unfall hatte Hürtgen den Odyssey-21-Boliden ihres Teamkollegen Mattias Ekström übernommen, der für ABT Cupra die erste Qualifying-Runde bestritt. Die Kontrolle über das Fahrzeug verlor Hürtgen im letzten Abschnitt der 8,8 Kilometer langen Runde, als sie sich in einer langgezogenen Rechtskurve befand.

"In diesem Moment kommt einem als Rennfahrerin jede Sekunde wie eine ganze Stunde vor", erklärt die Deutsche, die wegen eines Funkproblems zunächst keinen Kontakt mit ihrem Team aufbauen konnte. "Ich habe gespürt, dass etwas im Auto gebrochen ist, und war ab dem Moment nur noch Passagierin."

"Der Unfall war nicht groß, er war riesengroß", findet auch Seriengründer Alejandro Agag. In einer Instagram-Story der Extreme-E-Einflusskorrespondentin Izabella Rekiel ist zu sehen, wie der Spanier am Samstag einigen VIP-Gästen den Überschlag schilderte. "Für drei Minuten wussten wir nicht, ob sie noch lebt", so Agag. "Der Teamfunk funktionierte nicht, das Auto hatte sich mehrfach überschlagen und blieb auf dem Dach liegen. Wir konnten, bis die Krankenwagen kamen, nicht sehen, wo sie war."

Video: Claudia Hürtgens Horror-Unfall in Al-'Ula

Ekström erklärt: Diese 3 Gründe führten zum Überschlag

Hürtgens Teamkollege Ekström hat in einem Video auf seinem Instagram-Kanal indes den Unfallhergang erklärt: "Der Sand ist sehr fein, wodurch tiefe Furchen entstehen. Für uns alle ist das eine Herausforderung, weil dadurch die Vorderräder in eine Spurrille und die Hinterräder in eine andere gelangen können. Dann stellt sich das Fahrzeug quer."

"Das zweite Problem ist Lenkübersetzung, die etwas länger als in einem normalen Rennauto ist. Somit wird es schwerer, Quersteher abzufangen. Das Schwierigste ist allerdings, dass (alle Teams) Probleme mit der Servolenkung haben. Je mehr Unterstützung man beim Lenken will, desto eher gehen die Pumpen kaputt. Wir haben uns für eine sichere Option entschieden, durch die die Lenkung zwar schwerer ist, die Belastung aber aushält."

Der 42-Jährige vermutet ein Zusammenspiel aus diesen Gründen als Unfallursache: "Das Fahrzeug hob ab, bei der Landung brach das Heck aus, und sie wollte gegenlenken, war aber etwas zu langsam. Das ist der Grund, warum der Crash so komisch aussah."

Nach dem Ende der Qualifikation wurde das havarierte ABT-Fahrzeug zum Zelt des Teams transportiert, in dem die Mechaniker unmittelbar mit der Reparatur des Wagens begannen.

Durch strenge Personalbeschränkungen an der Extreme-E-Strecke besteht jedes Vor-Ort-Team nur aus sieben Personen inklusive der beiden Fahrer:innen. Deshalb packten sogar Ekström und Hürtgen mit an und tauschten Aufhängungs- und Karosserieteile (siehe oben). Die Arbeiten dauerten, nur unterbrochen von einer Dusche und einer knappen Stunde Schlaf, bis in die Morgenstunden an. Erst unmittelbar vor dem Start in das Shoot-out-Rennen am Sonntag war das Fahrzeug wieder einsatzbereit.

Nach 2. Unfall auch noch Überrollkäfig gebrochen

Entsprechend gering war teamintern wohl die Begeisterung darüber, dass das Auto auch den finalen Lauf um die Positionen 7 und 8 nicht unbeschadet überstand. In einem heftigen Auffahrunfall krachte Kyle LeDuc (Chip Ganassi Racing) in das Heck des ABT-Fahrzeugs, das zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet erneut von Hürtgen pilotiert wurde.

"Ich glaube, jeder hat deutlich gesehen, dass dieses Manöver unserer Konkurrenz Unsinn war", analysiert Ekström den Crash, bei dem neben der Fahrzeugverkleidung offenbar auch der Überrollkäfig des Autos brach - jenes schwerwiegende Problem, das auch Veloce Racing bereits nach der ersten Runde am Samstag zur Aufgabe zwang.

Trotz des vorzeitigen Abbruchs im Shoot-out wurde ABT als Sieger gewertet, da Ekström zuvor die Startrunde in Führung beendet hatte. Nach dem Desert X Prix liegt ABT Cupra somit auf Gesamtrang 7 der Teammeisterschaft. Das nächste Extreme-E-Event startet am 29./30. Mai am Lac Rose im Senegal.

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