Extreme E

Extreme E: X44 gewinnt Samstagsrennen beim Hydro X Prix in Schottland, Überschläge für ABT & Rosberg

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Rund neun Wochen nach ihrem Saisonauftakt in Neom (Saudi-Arabien) hat die Extreme E in Schottland ihr drittes Rennen des Jahres 2023 ausgetragen: den Hydro X Prix im ehemaligen Kohletagebau Glenmuckloch. Das Team X44 von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton gewann das Rennen dank einer Zeitstrafe gegen Andretti, die eigentlich als Erste über die Ziellinie gefahren waren. Die beiden deutschen Teams ABT Cupra und Rosberg X Racing schieden jeweils nach Überschlägen aus.

Qualifying 1

Im ersten Heat des Qualifying 1 am Samstagmorgen sollten GMC Hummer EV Chip Ganassi Racing, Acciona Sainz, Andretti Altawkilat, JBXE und X44 Vida Carbon Racing gegeneinander antreten. Der Start der für 7:30 Uhr Ortszeit angesetzten Session wurden jedoch wegen dichten Nebels in Schottland zunächst verschoben. Nachdem sich mehr als 30 Minuten nach der geplanten Uhrzeit immer noch keine Besserung eingestellt hatte, wurde das erste Qualifying aus Sicherheitsgründen schließlich abgesagt. Der Rettungshubschrauber hätte aufgrund der schlechten Sicht nicht starten dürfen, gab die Rennserie als Begründung bekannt.

Es entschied damit also nur das 2. Qualfying über den Einzug der Teams ins Finale.

Qualifying 2

Heat 1: X44 gewinnt, JBXE abgeschlagen

Das 2. Qualifying um 11:55 Uhr britischer Zeit konnte schließlich wie geplant stattfinden. Im ersten Heat traten die fünf Teams an, die bereits beim 1. Qualifying den Auftakt machen sollten. Alle Teams hatten dabei ihre Fahrerin für den Start eingeplant. Nach zwei Runden waren die Männer dran, die ebenfalls zwei Runden fuhren.

Cristina Gutierrez übernahm am Start mit einem aggressiven Manöver in der ersten Kurve die Führung vor Amanda Sorensen und Laia Sanz. Catie Munnings lag auf dem vierten Platz vor Hedda Hosas. In der Folge konnte Gutierrez ihren Vorsprung vergrößern: Nach der ersten Runde betrug der Rückstand von Sorensen bereits vier Sekunden. Sanz und Munnings folgten mit knappem Rückstand, Hosas lag schon fast zwölf Sekunden hinter der Spanierin.

In der zweiten Runde schob sich Munnings kurz vor der Fahrt in die Switch-Zone mit einem harten Bremsmanöver an Sanz vorbei, während sich Gutierrez und Sorensen davor bereits deutlich abgesetzt hatten.

Nach dem Fahrer:innenwechsel blieben die Positionen unverändert. Fraser McConnell konnte in einigen Passagen sogar ein wenig Tempo herausnehmen und aktivierte seinen Hyperdrive in der Continental Traction Challenge. Er fuhr souverän den Sieg für X44 Vida Carbon Racing ein. RJ Anderson hielt Timmy Hansen auf Distanz, dahinter fuhr Mattias Ekström als Vierter über die Ziellinie. Andreas Bakkerud wurde abgeschlagen Fünfter. Mehr als 20 Sekunden fehlten JBXE auf das viertplatzierte Fahrzeug von Acciona Sainz.

Heat 2: RXR gewinnt, ABT Cupra & Veloce crashen

Im zweiten Heat war das Feld etwas durchmischter: Mit Tanner Foust (McLaren) und Timo Scheider (Carl Cox Motorsport) traten zwei männliche Piloten an, bei ABT Cupra (Klara Andersson), Rosberg X Racing (Mikaela Ahlin-Kottulinsky) und Veloce Racing (Molly Taylor) bestritt jeweils die Fahrerin den Start.

Ahlin-Kottulinsky übernahm direkt die Führung vor Scheider und Andersson. Kurz darauf überschlug sich Andersson nach einem seitlichen Kontakt mit Scheider - die Rennleitung zeigte die rote Flagge und gab bekannt, die Kollision nach dem Qualifying zu untersuchen. Andersson blieb bei dem Unfall laut ihres Teams glücklicherweise unverletzt. Der Odyssey 21 des ABT-Cupra-Teams erlitt bei dem Unfall jedoch so große Schäden, dass ein Start im Redemption-Race nicht möglich war.

Foust lag zu diesem Zeitpunkt auf dem dritten Platz, war zuvor jedoch mit dem Odyssey 21 von Veloce Racing kollidiert. Dieser wurde dabei an der Hinterachse beschädigt, Molly Taylor musste den Wagen auf der Strecke abstellen. Ein herber Rückschlag für die Meisterschaftsführenden.

Nach rund 30-minütiger Unterbrechung ging die Session mit den drei verbliebenen Fahrzeugen weiter. Ahlin-Kottulinsky behielt die Spitzenposition gegen einen stark drängelnden Scheider, ging jedoch mit weniger als einer halben Sekunde Vorsprung in die Switch-Zone. Auch Foust lag weniger als eine Sekunde hinter dem Deutschen.

Beim Fahrer:innenwechsel blieben die Positionen unverändert. Die Rennleitung stellte bei McLaren jedoch einen Verstoß in der Switch-Zone fest: Foust hatte seinen Boliden schräg in der Wechselzone platziert, wodurch er nicht vollständig in der dafür vorgesehenen Bucht stand. Die Rennkommissare sprachen im Anschluss eine Zeitstrafe von fünf Sekunden gegen McLaren aus.

Johan Kristoffersson baute auf der Strecke seine Führung schnell auf ein komfortables Maß von mehr als zehn Sekunden aus, dahinter musste sich Christine Giampaoli-Zonca gegen die Angriffe von Emma Gilmour wehren. In der letzten Runde gelang es der McLaren-Pilotin, die Spanierin mit dem Hyperdrive zu überholen.

Kristoffersson fuhr an der Spitze unbeirrt mit fast 20 Sekunden Vorsprung zum Sieg. Gilmour schaffte es dahinter nicht, die notwendigen fünf Sekunden Vorsprung auf Giampaoli-Zonca herauszufahren, sodass Carl Cox Motorsport den zweiten Platz erbte. Diesen behielt das Team auch nach der Untersuchung der Kollision mit Klara Andersson - die Rennkommissare sahen den Kontakt zwischen Scheider und Andersson als Rennunfall und sprachen keine Strafe aus.

Qualifying-Ergebnis beim Hydro X Prix I

Platz Team Punkte Q1 Punkte Q2 Q-Gesamtpunkte
1 X44 0 10 10
2 RXR 0 10 10
3 Chip Ganassi 0 8 8
4 Carl Cox 0 8 8
5 Andretti 0 6 6
6 McLaren 0 6 6
7 Sainz 0 4 4
8 Veloce 0 4 4
9 JBXE 0 2 2
10 ABT 0 2 2

 

Redemption-Race

Nach dem Unfall von ABT Cupra im Halbfinale starteten nur vier Fahrzeuge im Redemption-Race: Acciona Sainz, JBXE, McLaren und die Tabellenführer von Veloce Racing. Acciona-Sainz-Fahrer Mattias Ekström übernahm beim Start die Führung vor Veloce-Pilot Kevin Hansen. Emma Gilmour im McLaren lag auf dem dritten Platz, konnte die Pace der beiden Führenden jedoch nicht mitgehen und verlor in der ersten Runde bereits mehr als zehn Sekunden. JBXE-Neuzugang Andreas Bakkerud hatte noch größere Schwierigkeiten, sich an den Odyssey 21 zu gewöhnen und lag deutlich hinter Gilmour.

Nachdem Ekström und Hansen zwei saubere Runden gefahren waren, fuhren sie zum Fahrer:innenwechsel in die Switch-Zone. Gilmour lag zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 19 Sekunden hinter den beiden Führenden. Bakkerud konnte mit einer guten zweiten Runde bis auf drei Sekunden auf den McLaren aufschließen. Laia Sanz ging als Führende auf die Strecke zurück, lag jedoch nur noch knapp vor Molly Taylor. Die Siegerinnen der beiden ersten Rennen in Saudi-Arabien lieferten sich anschließend einen Kampf um die Spitze. Taylor kam jedoch nicht nah genug heran, um Sanz ernsthaft zu attackieren. Tanner Foust gelang es dahinter, sich von Hedda Hosas abzusetzen.

In der letzten Runde setzte sich Sanz von Taylor ab und gewann das Rennen mit fast vier Sekunden Vorsprung. Tanner Foust gelang es, den Rückstand auf das Führungsduo um einige Sekunden zu verringern, lag aber viel zu weit zurück, um noch in den Kampf um den Sieg eingreifen zu können. Hosas wurde mit deutlichem Rückstand Vierte.

Finale

Fraser McConnell hatte im Finale zunächst den schlechtesten Start, nahm aber in Kurve 1 mit dem Hyperdrive so viel Schwung mit, dass er an allen vier Konkurrent:innen vorbeiging. Hinter ihm lag Andretti-Pilot Timmy Hansen, der wenige Kurven später den X44-Fahrer angriff. Es kam zu einem Kontakt, durch den McConnell von der Strecke geschoben wurde, sodass auch Johan Kristoffersson im RXR-Boliden am Jamaikaner vorbeiging.

Die Freude für den Schweden währte aber nur kurz: Wenige Meter später kam er von der Strecke ab und überschlug sich. Damit war auch das dritte Team, das beim Saisonauftakt in Saudi-Arabien zweimal auf dem Podium stand, ausgeschieden.

Hansen baute an der Spitze seinen Vorsprung auf McConnell auf acht Sekunden aus. Dritter war RJ Anderson, der sich jedoch einen Reifenschaden vorne links eingefangen hatte. Christine GZ lag jedoch noch deutlich weiter zurück, sodass Anderson den Wagen auf dem dritten Platz in die Switch-Zone steuern konnte.

Catie Munnings verließ die Switch-Zone in Führung liegend, Cristina Gutierrez verkürzte den Rückstand in den folgenden beiden Runden jedoch. Nach einem extrem schnellen Reifenwechsel lag Amanda Sorensen weiterhin auf dem dritten Platz. Es trennten sie jedoch nur wenige Sekunden von Timo Scheider. Der Deutsche ging kurz darauf an Sorensen vorbei und war somit auf Podestkurs.

Gutierrez verkürzte den Rückstand auf Munnings zunehmend, kam aber nicht in Schlagdistanz. Dann erschien eine Nachricht von der Rennleitung auf den Zeitenmonitoren: Andretti wurde wegen eines nicht näher genannten Vorfalls beim Fahrer:innenwechsel untersucht. Munnings fuhr mit einem Vorsprung von 6,3 Sekunden über die Ziellinie und feierte bereits den Sieg für die US-Amerikaner.

Dann die Hiobsbotschaft: Das Team hatte die Mindeststandzeit in der Switch-Zone nicht eingehalten und erhielt eine Zeitstrafe von 15,3 Sekunden. Der Sieg ging daher an McConnell und Gutierrez von X44 Vida Carbon Racing. Hansen und Munnings wurden immerhin noch Zweite. Das Podium komplettierten Christine Giampaoli-Zonca und Timo Scheider für Carl Cox Motorsport.

In der Gesamtwertung konnte X44 mit dem Sieg den Rückstand auf Acciona Sainz und Veloce Racing deutlich verkürzen, Rosberg X Racing ist nun Vierter. Das vierte Rennen der Extreme-E-Saison 2023 findet bereits am Sonntag statt, da die Offroad-Serie in dieser Saison ausschließlich "Double-Header" austrägt. Das erste Qualifying beginnt um 8 Uhr deutscher Zeit. Die Übertragung des zweiten Qualifyings sowie das Finalrennen starten ab 14 Uhr.

Ergebnisse & Zeiten im Überblick

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

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