Extreme E

Extreme E: Acciona Sainz gewinnt chaotisches Samstagsrennen beim Island X Prix II auf Sardinien

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Laia Sanz und Mattias Ekström haben sich beim zweiten Island X Prix des Jahres 2023 den Sieg am Samstag gesichert. Nach zwei ersten Plätzen in beiden Qualifying-Heats fuhr das Team Acciona Sainz auch im Finale ungefährdet zum Sieg, während sich dahinter die Ereignisse überschlugen. Der große Verlierer des Tages ist McLaren, wo sich Tamara Molinaro, die als Ersatzfahrerin für die am Freitag verunglückte Emma Gilmour fuhr, bereits in der Startphase des Redemption Race überschlug. Das Team musste die Teilnahme am Sonntagsrennen absagen.

Qualifying 1

Heat 1

Seit diesem Jahr findet das Qualifying der Extreme E in zwei Abschnitten statt, in denen jeweils zwei Heat-Rennen stattfinden. An der Startlinie für den ersten Durchgang reihten sich die Teams Chip Ganassi Racing, JBXE, McLaren, Acciona Sainz und Carl Cox Motorsport auf. Bei McLaren ersetzte Championship-Driver Tamara Molinaro die Stammpilotin Emma Gilmour.

Die Neuseeländerin verunglückte am Freitagmorgen im 1. Freien Training schwer und überschlug sich fünfmal. Das Team gab im Anschluss bekannt, dass sich Gilmour bei dem Unfall eine Rippenfraktur zugezogen hat und für mindestens 24 Stunden im Krankenhaus bleiben müsse. Da das beschädigte Chassis ausgetauscht werden musste, war das Team gezwungen, beim Fahrerwechsel im 1. Qualifying eine Zeitstrafe von 30 Sekunden abzusitzen.

Molinaro blieb beim Start stehen und verlor mehrere Sekunden auf die anderen Pilot:innen. Timo Scheider übernahm die Führung vor Mattias Ekström und RJ Anderson. Ekström überholte Scheider mit einem gewagten Manöver, indem er dem Deutschen ins Heck gefahren war, Scheider schob sich jedoch ausgangs der folgenden Kurve direkt wieder vorbei. Anderson blieb in Schlagdistanz zum Führungsduo, dahinter war die Lücke zu JBXE-Pilotin Hedda Hosas bereits mehr als sieben Sekunden groß. Molinaro lag weitere zehn Sekunden zurück.

Scheider und Ekström fuhren nebeneinander in die Switch-Zone. Bei Sainz war der Fahrerwechsel eine Sekunde schneller, sodass Laia Sanz die Switch-Zone als Führende verließ. Die Rennleitung gab unterdessen bekannt, dass der Kontakt zwischen Ekström und Scheider untersucht werde. An der Spitze schob sich das Feld in der Folge zusammen, auch Andreas Bakkerud gelang es, auf die führenden drei Pilotinnen aufzuholen. Es gab jedoch keine Positionsveränderungen mehr, Sanz gewann den Heat vor Lia Block und Amanda Sorenson. Die Rennleitung gab bekannt, keine Strafe für die Kollision zu verhängen, sodass das Ergebnis bestehen blieb.

Ergebnis: 1. Sainz, 2. Carl Cox, 3. CGR, 4. JBXE, 5. McLaren

Heat 2

Den besten Start des zweiten Heats, bei dem alle Teams den männlichen Fahrer zuerst einsetzten, hatte Johan Kristoffersson, der in der ersten Kurve von Timmy Hansen getroffen wurde. Hansen fuhr auf zwei Rädern durch die Kurve konnte nur mit Glück einen Überschlag verhindern, traf dabei jedoch einen Felsen und erlitt einen Reifenschaden hinten links. Fraser McConnell nutzte die Situation und schob sich in Führung.

Sebastien Loeb verlor im zweiten Sektor deutlich an Boden, als sein Scheibenwischer bei der Durchfahrt eines der beiden künstlichen Wasserhindernisse die Funktion einstellte, setzte das Rennen kurz darauf jedoch mit normaler Pace fort. Timmy Hansen verlor mit seinem beschädigten Rennwagen bereits in der ersten Runde mehr als 30 Sekunden auf die Spitze. Kristoffersson setzte McConnell an der Spitze unter Druck und kollidierte mit dem Heck des X44-Boliden, der dabei die Heckverkleidung verlor.

Mit 0,7 Sekunden Vorsprung fuhr McConnell in die Switch-Zone, weitere 1,5 Sekunden später folgte Kevin Hansen. Loeb lag weitere fünf Sekunden zurück, während Andretti inzwischen mehr als eine ganze Minute Rückstand aufwies und das Rennen mit einer gebrochenen Hinterradaufhängung aufgeben musste. Die Positionen blieben beim Fahrerwechsel zunächst unverändert. Cristina Gutierrez blieb wenige Metern hinter der Switch-Zone auf der Rennstrecke stehen, es gelang ihr in der Folge auch nicht, das Fahrzeug wieder ans Laufen zu bekommen. Mikaela Ahlin-Kottulinsky übernahm so die Führung vor Molly Taylor.

Die Rennleitung rief eine Slow-Zone an der Stelle aus, wo Gutierrez stehen blieb. Diese wurde kurz darauf wieder aufgehoben, noch bevor die Führenden dort ankamen. Ahlin-Kottulinsky und Taylor verlangsamten dennoch, sodass Klara Andersson an beiden vorbeifuhr. Taylor bemerkte ihren Fehler daraufhin und beschleunigte wieder, womit auch sie Ahlin-Kottulinsky überholte. Andersson hatte jedoch einen deutlichen Vorsprung herausgefahren und gewann das Rennen für ABT vor Taylor und Ahlin-Kottulinsky.

Ergebnis: 1. ABT, 2. Veloce, 3. RXR, 4. X44, 5. Andretti

Qualifying 2

Heat 1

Das erste Heat des abschließenden Qualifyings bestritten CGR, McLaren, Sainz, Veloce und X44. Laia Sanz erwischte den besten Start und übernahm die Führung vor Cristina Gutierrez und Molly Taylor. Tanner Foust im McLaren fuhr anfangs auf dem letzten Platz, überholte in der ersten Runde aber noch Sorenson und Taylor. Anschließend setzte er Gutierrez unter Druck, die sich jedoch vor dem US-Amerikaner behaupten konnte. Sanz ging mit drei Sekunden Vorsprung auf Gutierrez in die Switch-Zone, Foust und Taylor folgten mit je zwei Sekunden dahinter.

Während des Fahrerwechsels kam von der Rennleitung die Meldung, dass Gutierrez die Flagge an einem Wegpunkt umgefahren hatte und X44 daher eine Zeitstrafe von 10 Sekunden erhalte. Nach dem Wechsel wurde Molinaro plötzlich langsamer und verlor sehr viel Boden. Ekström behauptete seine Führung vor McConnell und Kevin Hansen. Am Ende des Feldes hatte Anderson nun auf Molinaro aufgeschlossen und griff die McLaren-Fahrerin an. Die Lücke nach vorne war jedoch bereits rund 20 Sekunden groß. Anderson schob sich mit einem harten Manöver an Molinaro vorbei, dabei berührten sich die Fahrzeuge. Molinaro schied im Anschluss mit einer gebrochenen Lenkung aus.

Ekström sicherte sich den Sieg vor McConnell und Kevin Hansen. Durch die Zeitstrafe fiel X44 jedoch hinter Veloce zurück.

Ergebnis: 1. Sainz, 2. Veloce, 3. X44, 4. CGR 5. McLaren

Heat 2

Nach dem Unfall im 1. Heat musste Andretti das Rennen auslassen, sodass nur vier Fahrzeuge am Start standen. Am besten kam JBXE-Pilot Andreas Bakkerud von der Startlinie weg. Der Norweger führte vor Mikaela Ahlin-Kottulinsky, Lia Block und Klara Andersson. Block drehte sich in der ersten Runde nach einem Fahrfehler, Andersson ging vorbei.

Nach einer Runde hatten Bakkerud und Ahlin-Kottulinsky bereits mehr als zehn Sekunden Vorsprung, als Bakkerud plötzlich verlangsamte, das Fahrzeug am Streckenrand abstellte und ausstieg. Ahlin-Kottulinsky ging somit mit einem komfortablen Vorsprung von mehr als zwölf Sekunden auf Andersson in die Switch-Zone, Block folgte rund fünf Sekunden später.

Kristoffersson fuhr den Sieg nach dem Fahrerwechsel souverän nach Hause. Loeb gelang es, Scheider auf Abstand zu halten und sich den zweiten Platz zu sichern. Eine Zeitstrafe von 10 Sekunden für Scheider wegen des Umfahrens einer Wegpunktflagge durch Lia Block blieb ohne Auswirkung.

Ergebnis: 1. RXR, 2. ABT, 3. Carl Cox, 4. JBXE

Qualifying-Ergebnis beim Island X Prix II

Platz Team Punkte Q1 Punkte Q2 Q-Gesamtpunkte
1 Sainz 10 10 20
2 ABT 10 8 18
3 Veloce 8 8 16
4 RXR 6 10 16
5 Carl Cox 8 6 14
6 X44 4 6 10
7 CGR 6 4 10
8 JBXE 4 4 8
9 McLaren 2 2 4
10 Andretti 2 0 2

 

Redemption Race

Die "Verlierer" des Qualifyings kämpften im Redemption Race um die ersten Meisterschaftspunkte: X44, CGR, JBXE, McLaren und Andretti. Andretti hatte den Odyssey 21 rechtzeitig zum Redemption Race repariert, sodass wieder alle fünf Fahrzeuge am Start standen. McConnell ging in Führung, drehte sich ausgangs der ersten Kurve jedoch und fiel zurück, kurz darauf musste er das Fahrzeug am Streckenrand abstellen. Molinaro drehte sich nach einem Kontakt mit Hosas ebenfalls und überschlug sich, die Rennleitung erklärte den Bereich unmittelbar nach der Ziellinie zur Slow-Zone. RJ Anderson übernahm die Führung vor Hedda Hosas und Timmy Hansen. Der US-Amerikaner verlor die Führung jedoch kurz vor der Ziellinie, als er wegen der Slow-Zone bereits verlangsamte. Hansen und Hosas verringerten das Tempo erst später und schoben sich an CGR vorbei.

Hansen setzte sich in der Folge von Hosas ab, die sich gegen Angriffe von Anderson wehren musste. Kurz vor der Einfahrt in die Switch-Zone ging er schließlich vorbei. Hansen übergab das Steuer mit sieben Sekunden Vorsprung an Catie Munnings. Bakkerud verkürzte nach dem Fahrerwechsel den Rückstand auf Sorenson und ging vorbei. An der Spitze tat sich jedoch nichts mehr, Munnings fuhr unangefochten den Rennsieg nach Hause und konzentrierte sich nebenbei noch darauf, mit Hilfe des "Hyperdrives" die Bestzeit in der Continental Traction Section zu setzen.

Ergebnis: Andretti, JBXE, CGR, X44, McLaren

Finale

Für das Finale qualifiziert waren die besten fünf Teams aus dem Qualifying. Das "Grid Play"-Voting entschied darüber, welche Teams ihre Startposition zuerst wählen durften. Auf den Außenbahnen nahmen RXR und Carl Cox den X Prix auf, ABT entschied sich für einen Start aus der Mitte.

Bei allen fünf Teams bestritt der Fahrer den Start. Scheider übernahm in der ersten Kurve die Führung, Ekström schob sich von der Außenseite kommend jedoch in der zweiten Kurve vorbei. Kevin Hansen lag auf dem dritten Platz vor Johan Kristoffersson, der als einziger Fahrer seinen "Hyperdrive" nicht beim Start verwendet hatte. Loeb lag auf dem letzten Platz. Kevin Hansen schob sich mit einer Fahrt über eine alternative Linie an Scheider vorbei, während Kristoffersson das Auto mit einem technischen Problem abstellen musste. Es gelang ihm nach rund einer Minute, das Fahrzeug wieder zu starten und in langsamer Fahrt weiterzufahren.

Mattias Ekström ging mit fünf Sekunden Vorsprung auf Hansen in die Switch-Zone, Scheider und Loeb folgten mit je zwei Sekunden Rückstand. Lia Block schob sich beim Fahrerwechsel an Molly Taylor vorbei, bei der eines der beiden Scheibenwischerblätter fehlte. Mit starken Sichtproblemen verlor sie danach den Anschluss an Block und hatte Mühe, Klara Andersson hinter sich zu halten.

Die ABT-Pilotin überholte Taylor schließlich, dabei kam es zum Kontakt zwischen den Fahrzeugen. Die Hinterradaufhängung am ABT-Boliden brach, Andersson fuhr das Rennen dennoch zu Ende. Kurz darauf eine Schrecksekunde für Lia Block: Die junge US-Amerikanerin verlor den sicher geglaubten zweiten Platz und musste das Auto mit einer gebrochenen Vorderradaufhängung abstellen. An der Spitze fuhr Laia Sanz ungefährdet zum Sieg, Andersson wurde Zweite vor Taylor. Mikaela Ahlin-Kottulinsky fuhr das Rennen noch zu Ende und sicherte RXR damit noch den vierten Platz vor Carl Cox Motorsport.

Ergebnis: Sainz, ABT, Veloce, RXR, Carl Cox

Acciona Sainz baute mit dem Sieg die Führung in der Gesamtwertung weiter aus, Rosberg X Racing blieb trotz des vierten Platzes mit 18 Punkten Rückstand der erste Verfolger der Spanier. Dahinter liegen Veloce Racing, Chip Ganassi Racing und Andretti. Die nächste Gelegenheit, Punkte zu erzielen, gibt es für die Teams bereits am Sonntag: Dann findet das insgesamt vierte Rennen des Island X Prix 2023 statt.

Nicht dabei sein wird dann jedoch McLaren: Das Team gab am Samstagabend bekannt, den im Redemption Race beschädigten Odyssey 21 nicht für den nächsten Tag reparieren zu können. Somit stehen lediglich neun Team am Start.

Gesamtwertung

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