Extreme E

Nico Rosberg lobt Nachhaltigkeit im Motorsport: "Nicht nur den Planeten retten, sondern auch Geld verdienen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Die Extreme E beschließt an diesem Wochenende in Uruguay ihre zweite Saison. Für Nico Rosberg, CEO des Teams Rosberg X Racing, ist die Elektro-SUV-Serie im Motorsport einer der Vorreiter im Bereich Nachhaltigkeit - zumal man inzwischen mit diesem Thema Geld verdienen könne. Rosberg hat in dem Zusammenhang jedoch auch andere elektrische Motorsportserien im Blick und betrachtet etwa die Entwicklung der Formel 1, wo er 2016 den Weltmeistertitel gewann, und der WRX.

Dass die Extreme E auch sehr große Namen aus der Welt des Motorsport anzieht, ist für den 37-Jährigen kein Zufall. Neben ihm selbst sind unter anderem Lewis Hamilton, Carlos Sainz sen., Jenson Button, Johan Kristoffersson und Sebastien Loeb in der Extreme E engagiert. Dazu gibt es Teams der etablierten Rennställe ABT, Andretti, Chip Ganassi Racing und McLaren. Und das alles, obwohl die Rennserie bis dato noch nicht einmal zwei Saisons absolviert hat.

"Wir alle sind wegen des sozialen Hintergrunds involviert, der im Mittelpunkt der Serie steht", beschreibt Rosberg bei 'Forbes.com'. "Deshalb ist Lewis Hamilton dabei. Deshalb engagiere ich mich auch. Wenn es nicht um diese Ziele ginge, wären wir nicht hier. Die Rennen sind großartig und extrem spannend, aber es sind die sozialen Belange, die sie einzigartig machen. Es geht dabei nicht nur um die Umwelt, sondern auch um Gleichberechtigung."

"Das gesamte Konzept basiert darauf, eine Sportdokumentation auf einer der Streaming-Plattformen zu platzieren", so Rosberg weiter. 2022 gab es bereits eine Serie mit dem Titel "Race for the Planet" auf der Amazon-Plattform Prime Video. Allerdings war sie nur im Vereinigten Königreich und in Irland abrufbar, was Rosberg viel zu wenig ist. Auch ist er der Meinung, dass die Serie nicht zwingend an extrem weit entfernten Orten fahren müsse, um auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen.

"Es gibt auch Umwelt- und Gleichstellungsprobleme in Europa. Das gilt nicht nur für die weit entfernten Gebiete", erklärt Rosberg. "Wir hatten eine unglaublich große Dürre, und Deutschland erlebte die größten Überschwemmungen in seiner Geschichte. All diese Dinge sind in der jüngsten Vergangenheit passiert. Ich denke daher, dass es wichtig wäre, die Meisterschaft mehr ins Blickfeld zu rücken."

Rosberg über den Odyssey 21: "Ein großartiges Rennauto"

Obwohl die Serie ihre Rennen mit SUVs des Typs "Odyssey 21" bestreitet, tue das dem Racing keinen Abbruch. "Von außen sieht das Auto wie ein Panzer aus. Aber es ist viel wendiger, als es aussieht. Es macht super viel Spaß, damit zu fahren, und es hat eine Menge Power. Es ist ein großartiges Rennauto, mit dem man sich auf der Strecke tolle Kämpfe liefern kann. Und natürlich gefällt mir die Tatsache, dass es elektrisch ist. Wir haben immer noch die Aufgabe, Elektroautos für die breite Masse cool zu machen."

Für den in Monaco lebenden Deutschen spielt auch die Formel E hierbei eine Schlüsselrolle. Er selbst ist bereits seit Jahren Anteilseigner der Formel E und durfte 2018 in Berlin als erster Fahrer öffentlich den Rennwagen der zweiten Generation bewegen. Die Rennserie geht im kommenden Jahr in ihre neunte Saison und demonstriert die technischen Fortschritte, die es im Bereich der Elektromobilität in den letzten Jahren gegeben hat. Für Rosberg sind diese definitiv auch relevant für die Entwicklung neuer Elektroautos.

"Mit dem kommenden Gen3-Auto dreht sich alles um die Technologie", schwärmt Rosberg nahezu vom neuen Rennwagen. "Das Besondere am Gen3-Auto ist, dass es keine hinteren Scheibenbremsen mehr gibt. Die gesamte Bremswirkung wird durch den Motor erzielt, der die Energie an der Hinterachse zurückgewinnt. Und das ist eine tolle Neuerung. Jedes Straßenauto sollte in naher Zukunft so funktionieren, auch bei den Vorderbremsen."

Aber nicht nur die Extreme E und die Formel E - beide von Beginn an elektrische Rennserien - verdienen Beachtung. Auch andere Rennserien wagen den Schritt zur Elektrifizierung, wie zuletzt die Rallycross-WM. "Es ist großartig, dass sie den Wechsel vollzogen haben, denn wir alle müssen jetzt auf nachhaltige Mobilität umsteigen. Ich habe mir die Rennen angeschaut. Sie sind so gut wie immer. Die Serie braucht nur ein bisschen mehr Tiefe im Feld. Das wird für sie entscheidend sein."

Formel 1: Mit synthetischen Kraftstoffen auf dem Holzweg?

Die Formel 1, selbsternannte "Königsklasse" des Motorsports, will hingegen einen anderen Weg einschlagen, um bis zum Jahr 2030 die angekündigte Klimaneutralität zu erreichen. Hier sollen auch weiterhin Verbrennungsmotoren eingesetzt werden, wenn auch mit nachhaltigem Kraftstoff.

"Die Formel 1 ist fest entschlossen, an Hybridmotoren und synthetischen Kraftstoffen festzuhalten", beschreibt Rosberg. "Das ist ihr Weg. Für die Formel 1 ist das großartig, weil es sie CO2-neutral macht. Aber die Formel 1 muss auch technologisch relevant bleiben, und da bin ich mir nicht sicher, ob das zielführend ist. Synthetische Kraftstoffe werden für die Luftfahrt und einige andere Bereiche der Mobilität relevant sein", ist er sich sicher. Beim Straßenverkehr zweifelt er hingegen. Immerhin haben bereits viele Automobilkonzerne den baldigen Abschied vom Verbrennungsmotor angekündigt, was für die Formel 1 zum Problem werden könnte.

"Warten wir ab, ob es der Formel 1 gelingt, mit dem Konzept der synthetischen Kraftstoffe technologisch relevant zu bleiben", so Rosberg weiter. "Im Moment sieht es nicht so aus, als ob sich synthetische Kraftstoffe aufgrund der Kosten und der Knappheit erneuerbarer Energien durchsetzen könnten. Für die Formel 1 hat die CO2-Neutralität auf jeden Fall höchste Priorität, und synthetische Kraftstoffe sind ein guter Weg dorthin."

"Wir zeigen mit der Extreme E, dass es möglich ist"

In Sachen Nachhaltigkeit belegte die Extreme E bei einer Studie im vergangenen Jahr den vierten Platz bei mehr als 100 untersuchten Rennserien. Rosberg sieht in ihr eine Vorbildfunktion, die über den Motorsport hinausgeht. "Ich bin optimistisch, weil ich sehe, wie viel Aufmerksamkeit das Thema überall bekommt, und wie andere Sportarten dem Beispiel der Extreme E folgen", erklärt er. "Die Formel 1 setzt sich immer stärker für Nachhaltigkeit ein. Sogar im Fußball sehen wir, wie die Stadien mit Solaranlagen und Batterien ausgestattet werden, um die Spiele mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Wir sind Vorreiter und zeigen mit der Extreme E, dass es möglich ist."

"Ich bleibe auch deshalb optimistisch, weil man jetzt auch größere geschäftliche Erfolgspotenziale hat", beschreibt Rosberg, der sich in der Vergangenheit bereits mehrfach als Investor betätigt hat und auch mit zu den Investoren der Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" gehörte. "Es wird immer interessanter, weil man mit diesem Nachhaltigkeitstrend jetzt auch Geld verdienen kann. Das wird das Interesse nur noch weiter beschleunigen. Man kann nicht nur unsere Zukunft und den Planeten retten, sondern auch Geld dabei verdienen."

Ein Trend, den Rosberg und sein Team auch über die Rennwochenenden hinaus unterstützen. "Wir wollen nicht nur Weltmeister im Rennsport sein, sondern auch Gewinner in Bezug auf unsere Nachhaltigkeitsprojekte", erklärt er. "Unser Team hat seine eigene #DrivenByPurpose-Kampagne. Im Dezember fahren wir alle wieder nach Sardinien. Direkt neben der Rennstrecke, auf der wir dort fahren, gab es die größten Waldbrände in der Geschichte Sardiniens. 20.000 Hektar sind verbrannt."

"Wir starten dort eine große Wiederaufforstungsaktion", beschreibt er die Pläne seines Teams. "Wir pflanzen in einem ersten Schritt 3.000 Bäume. Uns geht es nicht nur um das Gewinnen, sondern auch darum, einen positiven Beitrag zu leisten und dieses Rennen dafür zu nutzen."

Vorher steht mit dem Energy X Prix in Punta del Este am 26. und 27. November jedoch noch das finale Rennwochenende der Extreme-E-Saison 2022 auf dem Programm. Das Team von Nico Rosberg reist als Führender nach Uruguay und hat gute Karten, seinen Titel zu verteidigen (zur Extreme-E-Vorschau). e-Formel.de begleitet das Rennwochenende wie gewohnt mit Berichten, Ergebnissen und Streams.

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