Extreme E

Regelwerk überarbeitet: Extreme E verändert kurzfristig Rennformat & Punktevergabe

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Chip-Ganassi-Racing-Yellow-Extreme-E-Livery

Am 3. und 4. April, also in rund zwei Wochen, beginnt die mit Spannung erwartete Premierensaison der Extreme E im saudi-arabischen Al-'Ula. Kurzfristig hat die Rennserie jetzt noch einmal das Format sowie die Punktevergabe überarbeitet, wie 'e-Formel.de' auf Nachfrage von den Organisatoren erfuhr. Unter anderem spielt der weiteste Sprung nun keine Rolle mehr, während der "Hyperdrive" neu definiert wurde.

Die erste Änderung betrifft die Meisterschaftszähler, die bereits in den beiden Qualifying-Rennen vergeben werden: Anstelle von drei Punkten für das Siegerteam, zwei Punkten für die Zweit- und einem Punkt für die Drittplatzierten wurde die Punktevergabe hier um jeweils einen Punkt aufgestockt sowie um einen Punkt für jenes Fahrerduo ergänzt, das den vierten Platz belegt.

Hintergrund der Anpassungen ist, dass nicht wie ursprünglich geplant acht Teams in die erste Saison starten, sondern neun. Es gibt also ein Quali-Rennen mit vier Teams und eines mit fünf Teams. Das langsamste Gespann der Fünfergruppe bleibt als einziges am Samstag punktlos.

Das erste Halbfinale am Sonntag bestreiten dann die ersten Vier des Qualifyings. Die drei besten Fahrerpaarungen dieses Halbfinales qualifizieren sich automatisch für das Finale. Hier gab es keine Änderungen. Das Fahrerteam, das im Halbfinale 1 auf dem vierten Platz landet, belegt Platz 6 im Tages-Gesamtklassement.

5 Teams im Finale, Punkte für alle

Im zweiten Halbfinale (einst "Crazy Race") treffen die übrigen fünf Fahrzeuge aufeinander. Aufgrund der Aufstockung des Feldes auf neun Teams qualifizieren sich nun noch zwei Teams für das Finale, das daher nun ebenfalls fünf Teilnehmer hat. Die übrigen Fahrerduos des zweiten Halbfinales landen auf den Plätzen 7 bis 9.

Eine weitere Änderung betrifft das Rennergebnis: Anstelle der ersten acht Teams erhalten nun die ersten zehn Rennställe Punkte für die Fahrer- und die Teamwertung - auch wenn es in Saison 1 nur neun Teams gibt. Hierbei kommt nicht das klassische, unter anderem aus der Formel E bekannte FIA-Punkteschema zum Einsatz, sondern eine modifizierte Variante.

Die Sieger erhalten die gleiche Punktanzahl wie im klassischen System (25), gleiches gilt für das letztplatzierte Team (1 bzw. 2). Abgewertet werden hier insbesondere die Positionen 2 bis 5, also alle Fahrerpaarungen, die im Finale nicht gewinnen. Dies soll wohl für noch härtere Kämpfe um den Sieg sorgen, da selbst die Positionen auf dem Podium nicht annähernd so viel wert sind wie Platz 1.

Das Punkteschema der Extreme E für den Rennsonntag

Position Punkte
1 (Platz 1 Finale) 25
2 (Platz 2 Finale) 15
3 (Platz 3 Finale) 10
4 (Platz 4 Finale) 7
5 (Platz 5 Finale) 6
6 (Platz 4 Halbfinale 1) 5
7 (Platz 3 Halbfinale 2) 4
8 (Platz 4 Halbfinale 2) 3
9 (Platz 5 Halbfinale 2) 2
10* 1

* in Saison 1 irrelevant

 

Das Punkteschema der Extreme E für den Qualifying-Samstag

Position (je Quali-Rennen) Punkte
1 4
2 3
3 2
4 1
5 0

In der Gesamtwertung werden die Punkte, die ein Fahrerduo sammelt, nicht doppelt für die Teamwertung gezählt, sondern nur einfach. Mit Blick auf die Fahrerwertung erhalten trotzdem beide Fahrer:innen eines Teams Punkte. Beispiel: Gewinnt ein Team seine beiden Quali-Rennen am Samstag (zweimal 4 Punkte) und auch das Finale am Sonntag (25), erhält es 33 Zähler für die Gesamtwertung. Außerdem erhalten beide Fahrer:innen jeweils 33 Punkte.

"Hyperdrive" jede Runde verfügbar, Sprünge spielen keine Rolle mehr

Auch beim sportlichen Format gibt es eine Veränderung. So spielt der weiteste Sprung eines Rennens, mit dem die Extreme E vor knapp einem Jahr für Schlagzeilen sorgte, keinerlei Rolle mehr. Eigentlich sollte jenes Team, das in der ersten von zwei Rennrunden am weitesten springt, einen sogenannten "Hyperdrive" in Runde 2 erhalten. Nun bekommt jedes Team in jeder Runde den Leistungsschub spendiert. Auch den Zusatzpunkt für den weitesten Sprung am ganzen Rennwochenende wird es - anders als ursprünglich kommuniziert - nicht mehr geben.

"Es gibt keine Punkte mehr für den weitesten Sprung", bestätigt eine Sprecherin der Extreme E uns gegenüber und erklärt: "Wir haben nun einen 'Hyperdrive'-Boost (ehemals "Hyperboost"), der jedem Fahrer in jeder Rennrunde zur Verfügung steht. Er wird aktiviert, wenn ein Fahrer einen Knopf am Lenkrad drückt. Dann wird sich die Leistung für einen definierten Zeitraum erhöhen." Wie viel Zusatz-kW der Hyperdrive für wie lang freigibt, bleibt unklar.

zusätzliche Berichterstattung durch Timo Pape

Kommentar von Tobias Wirtz: Mangelnde Transparenz & Kommunikation

Die Extreme E ist eine Rennserie, die nicht nur mit einem revolutionären Konzept, sondern auch mit einem neuartigen Rennformat an den Start geht. Das im Vergleich zum FIA-Schema veränderte Punktesystem hat seinen Reiz und wird für mehr Action im Kampf um Platz 1 sorgen. Zudem sorgt es dafür, dass der Sieger des Rennens am Ende auch die meisten Punkte erhält, obwohl bereits im Qualifying vergleichsweise viele Zähler vergeben werden. Aufgrund der Abwertung der Positionen hinter dem Sieger wird sich wohl kaum ein Team im Rennen mit Platz 3 und sicheren zehn Punkten geschlagen geben.

Dass Änderungen am Rennformat vorgenommen werden müssen, wenn die Teilnehmerzahl nicht der ursprünglichen Planung entspricht, ist verständlich. Dass mehr als acht Teams teilnehmen werden, war für die Verantwortlichen allerdings schon lange klar: Bereits seit Anfang Dezember, als Lewis Hamilton sein X44-Team gründete, steht fest, dass das auf acht Teams ausgelegte Rennformat in der kommunizierten Form nicht würde bestehen können. Kommuniziert wurde diesbezüglich bis heute nichts.

Überhaupt stellt die Rennserie ihr Reglement auch auf unsere Nachfrage hin nicht zur Verfügung. "Nur Rennserien mit dem Zusatz FIA im Titel" würden ihr Regelwerk teilen, so die wenig zufriedenstellende Erklärung. Auch wenn die Extreme E bislang sehr viel richtig gemacht hat - bei der Kommunikation des Regelwerks gibt es Nachbesserungsbedarf. Gegenüber den Fans, aber auch gegenüber Medien, die gut vorbereitet in die erste Extreme-E-Saison starten und ihren Leser:innen transparent erklären möchten, warum beispielsweise eine Strafe ausgesprochen wurde. Ohne Regelbuch ist das schwierig.

Bereits Mitte Februar haben wir eine umfangreiche Anfrage zum Sportlichen Reglement an die Extreme E gestellt, um pünktlich zum Saisonstart eine funktionsfähige Ergebnis- und Statistikseite anbieten zu können. Nun - zwei Wochen (!) vor dem Saisonstart - erfahren wir von einer umfangreichen Überarbeitung des Rennformats und der Punktevergabe. Und das auch nur auf Nachfrage. Sonst weiß kaum jemand von den Anpassungen. Der Grund: Das Regelwerk war vorher noch nicht fertig.

Das ist in meinen Augen unprofessionell und wird einer Serie, die sich dank großer Namen wie Button, Hamilton, Rosberg, Ekström oder Sainz bereits vor ihrem Start einer derart starken Publicity erfreut, nicht gerecht. Ich persönlich freue mich dennoch sehr auf das Osterwochenende und erhoffe mir tolle Bilder und spannenden, elektrischen Offroad-Motorsport aus Saudi-Arabien. Für alle Interessierten planen wir eine Extreme-E-Spezial-Episode unseres ePod zum Saisonstart, in der wir alle Bereiche der neuen Meisterschaft besprechen. Liebe Podcast-Hörer:innen, haltet die Augen (und Ohren) offen!

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 1 und 1?