Formel E

1.000 Punkte: Lucas di Grassi feiert Formel-E-Rekord, Mortara verabschiedet sich mit Plattfuß aus WM-Kampf

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Lucas di Grassi hat es geschafft: Mit einem dritten Platz beim ersten Rennen in Seoul hat der 38-Jährige als erster Fahrer der Formel-E-Geschichte 1.000 Meisterschaftspunkte erzielt. Gleichzeitig sorgte er dafür, dass Venturi der einzig verbliebene Konkurrent von Mercedes-EQ im Kampf um die Team-Weltmeisterschaft ist. Sein Teamkollege Edoardo Mortara fiel hingegen mit einem Reifenschaden aus und verabschiedete sich somit aus dem WM-Kampf.

Den Grundstein für seinen Erfolg legte di Grassi, der beide Freien Trainings auf dem vierten Platz beendet hatte, im Qualifying: Hier schaffte er es zum zweiten Mal in Folge bis ins Finalduell, wo er sich jedoch seinem zukünftigen Teamkollegen Oliver Rowland geschlagen geben musste. Beim Start reagierte er aber besser als der Brite und übernahm sofort die Führung. Die freie Sicht nach vorn sollte jedoch nur eine Kurve anhalten: Der von Position 3 gestartete Mitch Evans schob sich auf der Innenseite vor di Grassi. Auch Rowland kämpfte sich im Stadion noch in Runde 1 wieder am Brasilianer vorbei.

Nach der Rennunterbrechung wegen eines Massencrashs managte di Grassi das Rennen routiniert: Sowohl Rowland vor ihm als auch Jake Dennis hinter ihm lagen nie in unmittelbarer Schlagdistanz, sodass der Champion von Saison 3 ein eher unspektakuläres Rennen fuhr und ungefährdeter Dritter wurde. Weil das Rennen unter Safety-Car-Bedingungen zu Ende ging, konnte er keinen späten Angriff mehr wagen. Di Grassi durfte damit zum 39. Mal an einer Formel-E-Siegerehrung teilnehmen - Rekord - und erhöhte sein Ewiges Punktekonto um 15 auf insgesamt 1.009 Zähler.

"Bin sehr stolz & fühle mich geehrt"

"Als wir hier ankamen, hatten wir zwei Ziele", beschreibt di Grassi nach dem Rennen freudestrahlend bei 'ProSieben'. "Das erste war, weiterhin um die Teammeisterschaft zu kämpfen. Das zweite war für mich persönlich, dass ich die 1.000 Punkte erreiche. Das sind im Durchschnitt mehr als zehn Punkte pro Rennen, seitdem es die Rennserie gibt. Ich bin sehr stolz und fühle mich geehrt, diese Marke zu überschreiten. Das werden wir ordentlich feiern."

Dass Statistiken in der Formel E für di Grassi von großer Bedeutung sind, ist hinlänglich bekannt. Es gehe ihm jedoch nicht nur um seine eigenen Erfolge, sondern auch um die der gesamten Rennserie. "Was wir (die Formel E) hier in Seoul erreicht haben, ist unglaublich! Durch ein Stadion mit einer Kapazität von 80.000 Besuchern zu fahren, die Strecke, die hier gebaut wurde, und auch das Rennen - die Formel E wird stärker und stärker, und ich bin unheimlich stolz, Teil davon zu sein."

"Ziemlich frustrierender Tag" lässt Mortaras Titelträume platzen

Sein Teamkollege Edoardo Mortara hat sich hingegen mit einem Ausfall aus dem Titelkampf verabschiedet. Der WM-Dritte sicherte sich nach guten Auftritten in den Freien Trainings die Bestzeit im Gruppen-Qualifying. Buchstäblich in letzter Sekunde holte er sich den ersten Platz, wenige Augenblicke später beendete einsetzender Regen jede Hoffnung auf bessere Rundenzeiten.

In der K.-o.-Phase war Mortara wie alle Fahrer der Gruppe A chancenlos: Die jeweiligen Duellgegner hatten ihre Gruppenphase bereits auf nasser Strecke absolviert und damit einen nicht einzuholenden Erfahrungsvorsprung bei den rutschigen Bedingungen. "Wir hatten im Trockenen eine starke Pace, ich war in beiden Trainingssessions Zweiter und der Schnellste in meiner Quali-Gruppe. Als wir in die Duellphase gestartet sind, hatte ich kein Glück, weil ich mich zuvor nicht im Nassen an die Bedingungen gewöhnen konnte", sagte Mortara nach dem Rennen.

Von Startplatz 6 aus überholte Mortara im Rennen bereits nach wenigen Metern Pascal Wehrlein und war Fünfter. Diese Position behielt er auch nach dem Neustart. Im Zweikampf gegen Jean-Eric Vergne kam es zu einer Berührung, durch die der Schweizer sowohl Vergne als auch Stoffel Vandoorne vorbeilassen musste. Die Rennkommissare sprachen nach einer kurzen Untersuchung eine Zeitstrafe von fünf Sekunden gegen Mortara aus, weil er sich gegen Vergne nicht regelkonform verteidigt hätte.

Nach rund 30 Minuten Rennzeit erlitt der amtierende Vizeweltmeister als Folge der Kollision mit Vergne einen Reifenschaden hinten rechts und stellte sein Fahrzeug am Streckenrand in der Stadion-Sektion ab. "Alles in allem war heute ein ziemlich frustrierender Tag. Von Startplatz 6 aus wäre ein gutes Ergebnis wohl noch möglich gewesen, aber dann hat der Kontakt mit JEV (Jean-Eric Vergne) nach dem Neustart alles ruiniert", hadert Mortara.

 

"Wir hatten einen schleichenden Plattfuß", erklärt er weiter. "Zwar konnten wir noch ein paar Runden weiterfahren, aber das Auto wurde immer schwieriger zu kontrollieren. Letztlich hat sich der Reifen komplett verabschiedet, was unser Rennen beendet hat. Nach ein paar echt schwierigen Rennen will ich morgen unbedingt mein Bestes geben und die Saison mit einem Hochgefühl beenden."

Ob Venturi es noch gelingen wird, Mercedes in der Team-Weltmeisterschaft einzuholen, zeigt sich am Sonntagvormittag deutscher Zeit. Rennstart des Saisonfinales ist um 9 Uhr. Venturi muss bei 47 noch zu vergebenen Punkten derer 31 auf das Mercedes-Werksteam - den eigenen Antriebslieferanten - aufholen.

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