Formel E

"Ab jetzt werden wir gejagt" - Vandoorne übernimmt WM-Führung in New York, Vergne lässt Federn

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

New-York-Blurry-FormulaE

Die Formel E steuert auf die nächste enge Titelentscheidung zu: Während WM-Kandidat Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) punktlos aus New York City abreist, übernahm Stoffel Vandoorne (Mercedes) am "Big Apple" die Führungsposition in der Fahrermeisterschaft von Edoardo Mortara (Venturi). Dank Platz 3 im Sonntagsrennen ist auch Mitch Evans (Jaguar) wieder voll im Titelrennen dabei.

Es ist wie so häufig in der Formel E: Die Fahrer, die sich die wenigsten Fehler erlauben, kämpfen auf der Zielgeraden der Saison um die Meisterschaft. Bis zum Marrakesch E-Prix überzeugte der französische Rennfahrer Jean-Eric Vergne mit konstant guten Leistungen: Als einziger Fahrer erreichte er bei jedem Lauf das Ziel in den Top 10.

Diese beeindruckende Serie fand in New York jedoch ein im wahrsten Sinne des Wortes "krachendes" Ende. In beiden Rennen des US-Double-Headers wurde der Franzose in Kollisionen verwickelt, die ihn aus den Punkterängen warfen. Samstags wurde er in der Startrunde in Kurve 6 unverschuldet von Evans gedreht, sonntags geriet er in der Schlussphase in derselben Kurve mit Lucas di Grassi (Venturi) aneinander und gab das Rennen daraufhin mit einem Autoschaden an der Box auf.

Durch den "Doppel-Nuller" rutschte Vergne auf Position 4 in der Fahrerwertung ab. Ihm fehlen nun bereits elf Punkte auf den Drittplatzierten Evans. Zum Spitzenreiter Vandoorne sind es gar 27 Zähler. Diese könnte er zwar bereits mit einer Pole-Position und einem Sieg im ersten Rennen des London E-Prix aufholen. Realistisch betrachtet steht Vergne jedoch vor einem mühsamen Kampf um den Anschluss an das Führungstrio.

Mercedes wieder Spitze

Deutlich besser dürfte die Stimmung in der Garage von Mercedes sein. Stoffel Vandoorne sammelte in New York insgesamt 30 WM-Punkte und übernahm dank seines zweiten Platzes im Sonntagsrennen die WM-Spitze von Mortara. "Ein tolles Resultat an diesem Wochenende - P4 gestern und P2 heute! Vor allem nach dem großen Unfall gestern, durch den wir ein ganz neues Auto aufbauen mussten, möchte ich dieses Ergebnis meinem Team widmen."

Die Formel-E-Fahrerwertung nach dem New York City E-Prix 2022

Position Fahrer Team Punkte
1 Stoffel Vandoorne Mercedes-EQ 155
2 Edoardo Mortara ROKiT Venturi 144
3 Mitch Evans Jaguar TCS Racing 139
4 Jean-Eric Vergne DS Techeetah 128
5 Robin Frijns Envision Racing 104
6 Antonio Felix da Costa DS Techeetah 103

"Ich war hier schon immer konstant, auch wenn es mit dem Qualifying-Format im letzten Jahr schwerer als in der aktuellen Saison war zu brillieren. Wir dürfen nun aber nicht mehr nachlassen, denn ab jetzt werden unsere Wettbewerber uns jagen. Antonio (Felix da Costa, Rennsieger) war superschnell, und Mitch (Evans) hat auch nicht nachgelassen. Es wird auf die kleinen Details ankommen - da müssen wir wachsam bleiben!"

Evans selbst gibt sich nach dem E-Prix ebenfalls dankbar: "Wenn man im Titelkampf ist und mit dem Rücken zur Wand steht, muss man sich einfach reinhängen", so der Neuseeländer. "Ich habe heute hart gekämpft, zum Beispiel, als ich von Platz 4 auf 7 zurückgefallen bin und dann am Ende wieder Dritter war."

Mortara verliert WM-Spitze nach Bremsproblem im Qualifying

Zwischen Evans und dem WM-Führenden Vandoorne liegt nun Edoardo Mortara auf Gesamtrang 2. Nach einer Strafe im Samstagsrennen und einem verkorksten Qualifying am Sonntag, mutmaßlich aufgrund eines Brake-by-Wire-Problems, blieb dem Schweizer nur noch Schadensbegrenzung. Für einen neunten und zehnten Platz sowie zwei schnellste Rennrunden sammelte er in New York insgesamt fünf Punkte.

"In der Formel E muss man immer am Ball bleiben, dann kommen die Gelegenheiten auf einen zu", analysiert Venturi-Teamchef Jerome d'Ambrosio. Der Belgier blickt selbst auf reichlich Erfahrung in der Elektroserie zurück, schließlich nahm er zwischen 2014 und 2020 an insgesamt 69 E-Prix teil. "Edo hat nach den Problemen im Qualifying heute immerhin zwei Punkte gesammelt. Diese Zähler können sehr wichtig sein. Wir haben unsere Pace bewiesen und können positiv auf das Wochenende zurückschauen."

Die heiße Phase des Titelkampfs 2022 hat also begonnen: Nur noch vier Rennen stehen in der aktuellen Saison auf dem Plan. Weiter geht es in zwei Wochen beim London E-Prix in Großbritannien (30./31. Juli), ehe am 13. und 14. August das Finalwochenende in Seoul (Südkorea) ansteht.

Zurück

0 Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 6 plus 3.
Advertisement