Formel E

ABT bleibt mit schwachem Mahindra-Antrieb auch in Diriyya punktlos: "Saison wird große Herausforderung"

Timo Pape

Timo Pape

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Das Formel-E-Comeback von ABT Cupra verläuft bislang nicht so, wie es sich die Kemptener erhofft hatten. Nach einem schwierigen Saisonstart in Mexiko blieb die deutsche Mannschaft auch in Saudi-Arabien als einzig verbliebenes Team punktlos. Kelvin van der Linde belegte bei seinem Debüt im Formelsport die Plätze 16 und 18, Teamkollege Nico Müller schied sowohl am Freitag als auch am Samstag vorzeitig aus. Einer von mehreren Gründen ist der ineffiziente Mahindra-Antrieb von ZF.

Viel lief für das Mahindra-Werksteam und das Kundenteam ABT Cupra beim Diriyya E-Prix nicht zusammen. Zwar zogen am Freitag noch beide Mahindra-Fahrer - Oliver Rowland und Lucas di Grassi - ins Viertelfinale des Qualifyings ein. In den beiden Rennen ging es jedoch nur nach hinten für die Inder. ABT Cupra bewegte sich gar das ganze Wochenende am Schluss des Feldes.

"Wir sind enttäuscht von unserem Abschneiden hier in Saudi-Arabien, denn wir haben uns nach dem Saisonauftakt eine klare Trendbewegung nach oben gewünscht", sagt Teamchef Thomas Biermaier. "Die Liste der Fragen und Aufgaben, die wir abarbeiten müssen, wird länger, aber die kurzen Abstände zwischen den Rennen bleiben. Es wird immer klarer, dass diese Saison eine große Herausforderung wird. Nicht nur für uns, sondern auch für die beiden Schwesterautos des Mahindra-Teams, wie wir hier einmal mehr gesehen haben."

Tatsächlich fehlt es dem von ZF entwickelten Antriebsstrang des M9Electro in jeder wichtigen Hinsicht an Leistungsfähigkeit. Unsere Performance-Analyse zum Diriyya E-Prix zeigt: Schon im Qualifying-Trimm war der Mahindra das schlechteste Auto aller sechs Hersteller. Knapp zwei Zehntelsekunden langsamer war die Wochenendbestzeit von Lucas di Grassi im Vergleich zur schnellsten Runde von Maserati/DS (Edo Mortara), dem zweitlangsamsten Hersteller. Auf die absolute Bestzeit von Jake Hughes fehlten dem M9Electro fast acht Zehntelsekunden.

Im Rennen sah es nicht besser aus. Auch abgesehen von Zwischenfällen, die Rowland und Nico Müller an beiden Tagen mehr oder weniger aus den Rennen nahmen, ging es für den M9Electro nur nach hinten. Denn auch in Sachen Effizienz scheint Mahindra das schlechteste Auto im Feld zu haben. Selbst Nio 333 schaffte es am Samstag, sich in den Top 10 zu halten. Tatsächlich könnten es zwei schwierige Saisons für Mahindra und ABT werden, ehe die Inder einen neuen Antrieb homologieren dürfen. Allerdings kommen auch noch andere Streckencharakteristika im Saisonverlauf. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Steigende Kurve für Debütant van der Linde

Während Nico Müller am Samstag in der 25. Runde bei einem Überholmanöver in die Streckenbegrenzung rutschte und aufgeben musste, brachte Formel-E-Neuling Kelvin van der Linde sein Auto wie am Vortag ohne einen Kratzer zurück in die Box. Der 26-jährige Südafrikaner stieß erst kurzfristig zum Team und ersetzt bis auf Weiteres Stammpilot Robin Frijns, der sich bei einem Unfall in Mexiko an der Hand verletzt hatte.

Nach einem schwierigen Start am Freitag verbesserte sich van der Linde im Laufe des Wochenende. Ein Beleg dafür: Fehlten ihm im ersten Qualifying noch mehr als vier Zehntelsekunden auf die zweitschlechteste Zeit seiner Gruppe, war es am Samstag schon "nur" noch ein Zehntel. Immerhin brachte er seinen ABT Cupra an beiden Tagen ins Ziel und sammelte wertvolle Erfahrungen. Dazu sei ergänzt: Van der Linde absolvierte am Freitag das überhaupt erste Rennen seiner Karriere in einem Formel-Auto, und das direkt auf einem ziemlich anspruchsvollen Kurs. Ein Senkrechtstart in seine Formel-E-Karriere war der Diriyya E-Prix trotzdem nicht.

"Ich möchte mich für das Vertrauen und die Geduld bei der ganzen Mannschaft bedanken", sagt van der Linde. "Auch wenn wir keine zählbaren Ergebnisse sehen, haben wir für unser nächstes Rennwochenende eine gute Basis geschaffen, auf der wir aufbauen können." Teamchef Biermaier findet ebenfalls: "Kompliment an Kelvin - nicht nur für seinen Auftritt hier in Diriyya, sondern auch für seine fleißige Vorbereitung in den vergangenen eineinhalb Wochen."

Müller: "Das schwierigste Wochenende seit langer Zeit"

Nico Müller erlebte schon vor dem ersten Rennen einen gebrauchten Tag. Im 2. Freien Training touchierte der Schweizer nach einem Fehler leicht eine Mauer. Ein kleiner Ausrutscher mit großen Konsequenzen: Das Auto wurde nach einem Kraftakt der ABT-Mannschaft zwar bis zum Rennen fertig, allerdings musste Müller das Qualifying auslassen und somit vom letzten Platz ins Rennen gehen.

Schon auf dem Weg in die Startaufstellung berichtete Müller via Funk von seltsamen Geräuschen und musste im Rennen nach 13 Runden wegen eines Folgeschadens aufgeben. Am Samstag landete Müller darüber hinaus bei einem Überholversuch in Kurve 18 in der TecPro-Barriere und schied erneut aus. "Mir tun die beiden Ausrutscher besonders leid für die Jungs, die so hart gearbeitet haben", so der Formel-E-Rückkehrer. "Und natürlich tun uns auch die fehlenden Runden weh."

In einem Tweet wird er noch deutlicher: "Das schwierigste Wochenende für uns seit langer Zeit. Keine Performance, Probleme, Frust, ein folgenschwerer Fehler meinerseits im Freien Training und das abrupte Ender einer Aufholjagd am Samstag. Das ist eine bittere Pille für uns, aber sie wird uns stärker machen. Danke an das Team für die ganzen Anstrengungen und euren Support."

Viel Zeit bleibt ABT und Mahindra nicht bis zum nächsten Auftritt in der Formel E: Nach intensiver Datenanalyse und der wichtigen Vorbereitung im Simulator geht es schon Anfang der nächsten Woche nach Indien, wo die Formel E erstmals ein Rennen austrägt. Die Finanzmetropole Hyderabad ist am 11. Februar Schauplatz des vierten von insgesamt 16 Läufen der neunten Saison.

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