Formel E

ABT erhält Formel-E-Chassis & unterstützt Mahindra bei Entwicklung: "Wir arbeiten wie ein 4-Auto-Team"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Aufgrund des Formel-E-Ausstiegs von Audi 2021 stand das ABT-Team in der abgelaufenen Saison nicht in der Startaufstellung der Elektroserie. Dies ändert sich im kommenden Jahr wieder: Erstmals wird das Team mit Sitz in Kempten dabei als Kundenteam eines anderen Herstellers an den Start gehen - mit Mahindra-Motoren für die Gen3-Ära. Bei der Entwicklung der Antriebe beteiligt sich ABT mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen.

Spätestens seitdem vor wenigen Tagen die Gen3-Chassis in die Werkshallen von ABT Sportsline geliefert wurden, laufen dort die Vorbereitungen für die kommende Saison auf Hochtouren. Ein paar entscheidende Bauteile fehlen dem Team jedoch aktuell noch: Der 350 kW starke Mahindra-Antriebsstrang, den die Inder gemeinsam mit ZF Friedrichshafen entwickeln, befindet sich aktuell noch im Test, bei dem ABT allerdings beteiligt ist.

"Es ist natürlich ein Unterschied, ob man ein eigener Hersteller oder nur ein Kunde ist", berichtet ABT-CEO Thomas Biermaier bei 'Autosport' über die Vorbereitung seines Teams. "Aber die Art und Weise, wie wir arbeiten, und wie Mahindra uns erlaubt, mit ihnen zu arbeiten und sie zu unterstützen, ist einem Werksteam sehr ähnlich. Wir hoffen und glauben, dass wir zusammen mit Mahindra und ZF nächstes Jahr eine konkurrenzfähige Saison haben können."

ABT will aktiv dazu beitragen, dass Mahindra im kommenden Jahr vorn dabei ist. "Wir wollen mit Mahindra gemeinsam das Auto entwickeln und dabei unsere Erfahrung aus den letzten Jahren und unser Know-how mit einbringen."

"Sind bei allen Mahindra-Tests mit 4 bis 6 Leuten dabei"

Bei den Indern läuft das Team damit offene Türen ein. "Wir wollen diesen Input geben, und sie sind sehr offen für unseren Beitrag", beschreibt Biermaier weiter. "Wir arbeiten so, als ob wir ein eigener Hersteller wären. Der Unterschied ist nicht sehr groß. Wir sind bei allen Mahindra-Tests mit vier, fünf oder sechs Leuten dabei. Das ist ziemlich gut. Wir arbeiten wie ein 4-Auto-Team."

Dilbagh Gill, der langjährige Teamchef und CEO von Mahindra Racing, spielte eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen der Partnerschaft zwischen ABT und Mahindra. "Als wir die Entscheidung für den Einstieg trafen, waren wir ziemlich spät dran", beschreibt Biermaier. "Es gab eine Frist der FIA, den 15. Januar. Wir trafen unsere Entscheidung aber erst Ende Februar."

"Es gab nicht viele Hersteller, die uns die Möglichkeit gaben, ihre Antriebe zu verwenden", erklärt er weiter. "Für uns war hingegen klar: Einer der ersten Wege führte nach Banbury zu Dilbagh, um ihn zu fragen, ob er uns als Kundenteam nehmen würde. Und er sagte ganz deutlich: Wenn er das mit den Teilen und den Lieferzeiten der Bauteile hinbekäme, dann würden wir die Motoren bekommen."

"Es ist schade, dass er jetzt gegangen ist", bedauert Biermaier den Abgang von Dilbagh Gill. "Wir hatten vom ersten Tag an eine sehr, sehr enge Beziehung. Wir waren jede Saison in Kontakt und wir hatten immer schöne Abende zusammen. Es war also nicht nur eine Partnerschaft, es war fast wie eine Freundschaft."

Sitzanpassungen bereits abgeschlossen

Im Rahmen der Testfahrten ist Mahindra dazu verpflichtet, seinem Kundenteam mindestens vier Testtage abzutreten. Robin Frijns und Nico Müller, die beiden Fahrer bei ABT, waren bereits zur Sitzanpassung in Banbury und haben auch schon im Mahindra-Simulator getestet. Erstmals im echten Auto werden beide jedoch erst Ende des Monats sitzen.

ABT wird bei seiner Formel-E-Rückkehr im kommenden Jahr eines von vier Kundenteams in der Rennserie sein: Das frühere Audi-Kundenteam Envision gab eine Zusammenarbeit mit Jaguar bekannt, Neueinsteiger McLaren setzt Nissan-Motoren ein. Das bisherige BMW-Kundenteam Andretti hingegen wird mit Porsche-Antrieben an den Start gehen.

Das erste Rennen für ABT-Mahindra wird am 14. Januar in Mexiko-Stadt stattfinden. Das Heimrennen in Berlin ist im kommenden Jahr wieder als "Double-Header" am 22. und 23. April angesetzt.

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