Formel E

Lucas di Grassi über Gen4-Fahrzeuge der Formel E: "Noch viel Raum für zukünftige Verbesserungen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Mit den Ausschreibungen für die Einheitshersteller der vierten Generation der Formel-E-Fahrzeuge hat der Automobil-Weltverband FIA vor etwas mehr als einem halben Jahr erste Daten über die Boliden bekannt gegeben, die ab dem Jahr 2027 in der Elektroserie eingesetzt werden sollen. ABT-Cupra-Pilot Lucas di Grassi gehen die Pläne jedoch noch nicht weit genug. Der Champion von Saison 3 würde die Performance der Fahrzeuge gern weiter verbessern.

Bis zu 600 kW Leistung, Allradantrieb, zwei verschiedene Reifenmischungen eines neuen Herstellers, dazu unterschiedliche Bodykits mit hohem und niedrigem Abtrieb: Die Formel E wird in ihrer 13. Saison große technische Veränderungen erfahren. Mit den Gen4-Boliden sollen die Rennen erstmals auch deutlich länger werden.

"Es gibt noch viel Raum für zukünftige Verbesserungen", schreibt Lucas di Grassi in einer Kolumne bei Autosport. "Zum Beispiel eine bewegliche Aerodynamik, eine leichtere, nur für die Qualifying vorgesehene Batterie und unabhängige Motoren für Torque-Vectoring und Allradlenkung. Diese Funktionen wird es im Gen4-Auto nicht geben, aber das ist etwas, das man für die Zukunft in Betracht ziehen sollte."

Di Grassi stört sich unter anderem daran, dass die Formel-E-Boliden der vierten Generation schwerer werden sollen. Auch hätte er lieber reine Trockenreifen gesehen, als weiterhin mit Allwetterreifen zu fahren, die um reinrassige Regenreifen ergänzt werden sollen.

"Was die Aerodynamik betrifft, so glaube ich, dass die beiden Bodykits eine Verbesserung darstellen werden - aber nicht genug", führt er weiter aus. "Es wäre unglaublich, vollständig anpassbare und softwaregesteuerte Aerodynamikteile zu haben. Man könnte zum Beispiel in den Kurven einen hohen Abtrieb und auf den Geraden einen geringen Luftwiderstand haben (und alles dazwischen). Aber es ist zwingend notwendig, dass alle Teams den gleichen Zugang zu den gleichen Teilen haben, um wettbewerbsfähig zu sein."

Derzeit sehen die Pläne von Formel E und FIA vor, dass es unterschiedliche Rennen mit den beiden Aerodynamikpaketen geben wird: Energiespar-Rennen über eine größere Renndistanz mit niedrigem Abtrieb und Vollstrom-Rennen über eine kürzere Distanz mit hohem Abtrieb.

"Radabdeckungen müssen wieder eingeführt werden"

"Eine weitere einfache Änderung, die ich unterstützen würde, ist die Wiedereinführung von Radabdeckungen, wie wir sie beim Gen2 hatten", beschreibt der Brasilianer. "Diese haben nur Vorteile - sie reduzieren den Luftwiderstand und erhöhen den Schutz vor Berührungen, während sie bei nassen Rennen die Gischt reduzieren und so die Sicherheit erhöhen. Ich verstehe nicht, warum sie für die Gen3 abgeschafft wurden, da wir bei Boxenstopps keine Reifen wechseln, also ist das kein Problem. Beim Gen4 müssen sie wieder eingeführt werden."

Dies würde di Grassi zudem gern dafür nutzen, den Herstellern mehr Optionen zu geben, ihrem Fahrzeug ein markenspezifisches Design zu verpassen, ohne jedoch die Performance zu beeinflussen. "Die Fähigkeit eines Herstellers, seine visuelle Identität auf das Auto zu bringen, ist von grundlegender Bedeutung", schreibt er. "Ich denke, die Formel E sollte den Herstellern erlauben, die Autos mit Teilen wie Scheinwerfern und Rücklichtern anders aussehen zu lassen, die keine aerodynamischen Vorteile bringen."

Um die Performance der neuen Autos unter Beweis zu stellen, würde di Grassi zudem gern den direkten Vergleich mit anderen Kategorien haben. Und das beim wohl traditionsreichsten Straßenrennen der Welt, dem Macau Grand Prix. "Was die Leistung anbelangt, so würde ich zu den Anforderungen für die Gen4 zählen, dass sie auf dem gesamten Macau Guia Circuit fahren kann und im Qualifying mindestens auf einer Runde schneller ist als Formel-3- und GT3-Fahrzeuge", schwebt ihm vor.

"Das wäre für mich ein toller Indikator dafür, dass wir in die richtige Richtung gegangen sind. Der Kern der Formel E sind Stadtkurse, und der beste Stadtkurs der Welt ist Macau. Wo könnte man also besser versuchen, das schnellste Auto zu haben?"

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