Formel E

Acronis-CEO Pulvermüller im Interview: "Partnerschaften mit Teams helfen zu verstehen, wo die Reise hingeht"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Patrick Pulvermüller ist seit dem 1. Juli 2021 CEO bei Acronis. Beim Berlin E-Prix haben wir uns mit dem Kölner im Emotion Club getroffen und unter anderem über die Zusammenarbeit mit den Formel-E-Teams DS Techeetah, Nio 333 und ROKiT Venturi Racing gesprochen. Was Acronis in der Formel E tut und in der Elektrorennserie lernen will, verrät er im Exklusiv-Interview mit 'e-Formel.de'.

Herr Pulvermüller, Sie sind nun seit einigen Wochen CEO bei Acronis. Ein Autorennen ist da wohl nicht das typische Betätigungsfeld. Was machen Sie hier beim Berlin E-Prix?

Cybersecurity, also das Kernthema, worum wir uns bei Acronis kümmern, ist aktuell wichtiger denn je. Gerade heute, wo wir alle von zu Hause aus arbeiten und eine verteilte IT haben. Bei der Formel E bin ich, weil Acronis ein ganz wichtiges Programm hat, das sich "Teams-A-Programm" nennt. Wir unterstützen weltweit mehr als 50 verschiedene Sport-Teams, darunter auch drei Teams in der Formel E.

Was macht für Acronis die Partnerschaft mit den Formel-E-Teams aus?

Für uns gilt: "Data is everything". Bei der Formel E geht es in vielen Bereichen um ganz viele Daten. Die Datenmenge innerhalb des Autos während eines Rennens ist gar nicht so groß, weil die Fahrzeuge auch auf Gewichtsreduktion und Effizienz optimiert sind. Aber auch da werden bei rund 2.000 Sensoren Daten abgegriffen und in einer Größenordnung von ungefähr zwei Gigabyte produziert. Die Datenmengen, die vorher rund um die Strecke produziert werden, sind auch ein ganz großes Thema für uns. Wie bekommt man die Daten schnell von A nach B? Wie stellt man sicher, dass es auch wirklich diese Daten sind, die man haben möchte?

Worum geht es noch?

Das zweite große Thema für uns ist Automotive Cybersecurity. Der Bereich Automotive (Automobilindustrie) umfasst heute für den Cybersecurity-Markt ungefähr zehn Prozent. Wir gehen davon aus, dass es in zehn Jahren mindestens 30 Prozent des gesamten Cybersecurity-Marktes sein werden. Und das ist für uns natürlich auch wichtig. Das heißt, wir helfen hier und arbeiten mit den Automobilherstellern zusammen und überlegen uns gemeinsam, wie man Dinge besser und sicherer machen kann.

In welchen Bereichen kommen Ihre Softwarelösungen bei den Teams zum Einsatz?

Wir haben da ganz, ganz unterschiedliche Anwendungen. Backup, also Datensicherung, ist immer die Basis, womit alles anfängt. Wenn die Daten einmal weg sind, wäre das natürlich ganz schlecht, und man kann keine Historie mehr führen. Wir haben außerdem viel im Bereich Cyberprotection im Einsatz, wo es darum geht, die verschiedenen Teams - und ich rede hier nicht nur über die Formel-E-Teams - vor Angriffen zu schützen. Dass zum Beispiel die Email-Accounts oder die Laptops gesichert sind. Die Formel E reist ja von Platz A nach B nach C, rund um die Welt. In diesem Zusammenhang ist es ganz wichtig, dass die mobile IT, die man dabei hat, immer und überall geschützt ist.

Gibt es einen weiteren Bereich, wo Acronis Software zur Verfügung stellt?

Das dritte große Thema ist tatsächlich der Bereich Machine Learning und AI (Künstliche Intelligenz), wo wir auch exklusiv mit verschiedenen Universitäten zusammenarbeiten. Und damit helfen wir dann umgekehrt auch in der Formel E, Algorithmen zu optimieren. Hier geht es darum sicherzustellen, dass man die richtigen Schlüsse aus den abgegriffenen Daten zieht.

Können Sie hier ein Beispiel nennen, um das einmal zu verdeutlichen?

Es hilft nicht, wenn ein Mensch auf 2.000 Datenpunkte guckt - da können schon zehn Sekunden vorbei sein, wenn man eine Entscheidung treffen muss. Geschwindigkeit ist hier ganz wichtig, und daran arbeiten wir. Und warum machen wir das? Weil das auch hilft, andere Verhaltensmuster zu erkennen, die wiederum unsere Cybersecurity-Lösung sicherer machen. Deswegen investieren wir auch ganz, ganz intensiv in AI und Machine Learning.

Welche technischen Lösungen setzen die Teams denn ein? Sind das diese Lösungen, die auch normale Kunden nutzen können?

Es handelt sich um hundertprozentige Standardlösungen. Wir haben eine Lösung, und alles, was wir lernen und entwickeln, kommt immer in unseren Hauptservice hinein. Es ist also nicht so, dass es andere Services gibt, die exklusiv für diese Industrie sind. Es ist eine Lösung, die wir haben, und diese eine Lösung wird dann allen Kunden angeboten. Das betrifft aber nicht den Bereich Machine Learning und AI, wo wir natürlich sehr spezifische Dinge lernen. Das können wir im Elektroauto zu Hause nicht anwenden. Wir würden das vielleicht wollen, aber das geht nicht (lacht).

Was verspricht sich Acronis von der Partnerschaft mit den Formel-E-Teams?

Das Hauptthema ist tatsächlich einfach die Nähe zu den Daten, und von den Daten zu lernen. Das zweite Thema ist natürlich, auch ein besseres Verständnis für Automotive und die Zukunft im Automotive-Bereich zu bekommen. Ich sehe das als einen Blick in die Zukunft, und den bekommen wir hier. Das hilft natürlich auch dabei, besser vorherzusagen, wo die Reise hingeht. Und da helfen die Partnerschaften mit DS Automobiles, Nio und Venturi natürlich sehr, um besser zu verstehen, was dort auch intern geplant wird, und wo deren Reise hingeht.

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