Formel E

Agag: "Formel E in 20 bis 40 Jahren der weltweit führende Motorsport"

Timo Pape

Timo Pape

Die Formel E wächst seit ihrem ersten Rennen 2014 stetig. Immer mehr rückt sie ins Bewusstsein von Rennfahrern, Herstellern und Sponsoren. Ihr größter Vorteil ist ihre Relevanz für die Automobilbranche, die sich ebenfalls im Wandel befindet: weg vom Verbrennungsmotor, hin zum Elektroantrieb. Von Anfang an muss sich Formel-E-Boss Alejandro Agag der Frage stellen, ob seine Elektromeisterschaft die Formel 1 irgendwann überholen könne. Nun macht der Spanier die Formel E erstmals zur perspektivischen Nummer eins.

Auf die Frage, ob er mit der Formel E in Konkurrenz zur "Königsklasse" stehe, antwortet Agag gegenüber 'Nikkei': "Nein. Ich denke, wir sind vollkommen anders und ergänzen den Motorsport. Gleichzeitig glaube ich, dass die Formel E in 20 bis 40 Jahren die Hauptdisziplin im weltweiten Motorsport sein wird, denn die gesamte Automobilbranche wird elektrisch sein", so der 46-Jährige.

Anschließend bemüht Agag einen treffenden Vergleich, den die Geschichte nahelegt: "Rennen mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren werden zu einem traditionellen Sport wie etwa Pferderennen. Wir reiten heute nicht mehr ins Büro, trotzdem existieren Pferderennen noch."

Mit Blick auf sein Verhältnis zur Formel 1 schlägt Agag die Brücke zur Ausgangsfrage: "Künftig werden wir nicht mehr mit Verbrennungsmotoren ins Büro fahren, trotzdem wird die Formel 1 weiter existieren. Die Formel E wird allerdings der führende Motorsport sein, weil auf den Straßen die gleichen Autos (wie auf der Rennstrecke) fahren werden."

Kommentar von Timo Pape

Ob es wirklich mehr als 20 Jahre dauern wird, bis die Formel E eine Vormachtstellung im Motorsport einnehmen wird, bleibt abzuwarten. Ich denke eher, dass es schneller gehen wird. Dass Hersteller wie Mercedes noch 2040 mit Hybrid- oder gar wieder mit Verbrennungsmotoren in der Formel 1 antreten, ist beinahe unvorstellbar. Selbst Sportwagen-Marken wie Ferrari werden sich irgendwann fragen müssen, bis zu welchem Punkt die "Königsklasse" noch Sinn ergibt.

Betrachtet man die Fortschritte der Formel E in gerade einmal 2,5 Jahren, so könnte sie der Formel 1 in Sachen Relevanz und Niveau - sowohl das der Fahrer als auch der Ingenieure - schon in den nächsten fünf Jahren den Rang ablaufen.

Was die generelle Wahrnehmung angeht, sehe ich hingegen eher schwarz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Rennserie jemals wieder so viele Fans an die Bildschirme locken wird, wie es nach wie vor die Formel 1 tut. Ihr Stammpublikum wird ihr treu bleiben - auch oder gerade als traditioneller Exot. Allerdings werden kaum neue Fans nachrücken. Ähnlich wird es bei der Formel E sein. Neue Motorsportfans zu gewinnen, dürfte sich äußerst schwierig gestalten.

Davon abgesehen spricht Agag von der "weltweit" führenden Rennsport-Kategorie. Während die Chancen in Europa noch gut stehen, dürfte es in Regionen wie den USA schwieriger werden, die Menschen von der Formel E zu begeistern. Das vermochte bekanntlich nicht mal die Formel 1. Eine führende Rolle kann die Formel E meiner Meinung durchaus einnehmen, und das in vielerlei Hinsicht. Den aktuellen Stellenwert der Formel 1 wird sie aber nicht einnehmen können.

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