Formel E

Aguri-Chef Preston: "Die Formel E ist wie römisches Wagenrennen"

Timo Pape

Timo Pape

Die generellen Tendenzen von Formel E und Formel 1 scheinen offensichtlich: Mit der Elektroserie geht es stetig bergauf, während die Königsklasse des Motorsports seit Jahren mit schwindenden Zuschauerzahlen zu kämpfen hat. Die Gründe für den Abschwung der Formel 1 liegen eigentlich auf der Hand: Spannende Rennen sind eine Rarität, weil zumeist ein Team vorneweg fährt. Das hängt auch mit dem gewaltigen Kostengefälle zusammen. Außerdem nehmen Bernie Ecclestone und Co. wenig Rücksicht auf die Fans. Und eine Erschließung neuer Zielgruppen existiert quasi kaum. 

Mark Preston kennt beide Formel-Klassen wie seine Westentasche. Der heutige Teamchef von Aguri arbeitete zwölf Jahre lang in der Formel 1, wo er zunächst bei Arrows (1996 bis 2002) und McLaren wirkte, bevor er gemeinsam mit Aguri Suzuki den Rennstall Super Aguri gründete und fortan als Teamchef auftrat. Die Formel E begleitet Preston von Anfang an. Somit kann er einen fundierten Vergleich mit der Königsklasse anstellen. Seine Meinung: "Die Formel 1 kann einiges von der Formel E lernen." 

Ein wichtiger Faktor ist das Kostenmanagement: "Die Formel E wurde mit weniger Teampersonal, Kostendeckelung und Kontrollinstanzen konzipiert, um ein ausgeglichenes Starterfeld und somit Unterhaltung für die Fans zu schaffen", erklärt Preston bei 'Motorsport Monday' und erinnert sich an den Juni 2015: "Das wurde beim Finale der ersten Saison deutlich, als vor dem letzten Lauf in London noch drei Fahrer Meister werden konnten." 

Neben den Kosten und einem ausgeglichenen Wettbewerb komme es auch auf das Einbeziehen der Zuschauer an: "In der Formel E stehen die Fans im Mittelpunkt des Spektakels. Sie haben einen besseren Zugang zu Teams und Fahrern dank Initiativen wie Autogrammsessions und dem gekonnten Einsatz von Social Media", sagt Preston. "Wir versuchen eben, nicht nur traditionelle Motorsportfans anzuziehen, sondern auch Leute, die generell Interesse am Sport haben oder vielleicht auch noch nie zuvor ein Rennen verfolgt haben." 

Hinzu kommt die wachsende Relevanz der Elektromobilität für die Gesellschaft: "Die Tatsache, dass die Technik der Formel E entwickelt wurde, um sie künftig auch in Straßenautos zum Einsatz zu bringen, überzeugt gleichermaßen alte und neue Fans. Umweltbewusste Sportliebhaber können ein Rennen ohne schlechtes Gewissen verfolgen, das sie vielleicht beim Verbrennen fossiler Kraftstoffe bekommen hätten", so Preston. 

Als Kritikpunkt beider Rennserien räumt der Aguri-Teamchef die fehlende Lautstärke der Motoren ein: "Sowohl die Formel 1 als auch die Formel E haben Kritik einstecken müssen, weil sie ziemlich leise sind. Denn die Power des Motorsports war immer mit kreischenden Motoren verknüpft." Allerdings schaffe es die Formel E, über diesen Punkt hinwegsehen zu lassen. 

"Die Formel E ist wie römisches Wagenrennen. Das war natürlich auch leise, aber ein berühmtes Spektakel, über das man noch heute spricht. Die Formel 1 kann hier noch einiges von anderen Rennserien lernen, und manchmal braucht es vielleicht nicht mal die ganz radikalen Einschnitte", sagt Preston. Die Frage sei nur: "Wie viele Leute müssen noch den Fernseher ausschalten, bevor die Führungsriege der Königsklasse endlich bedeutende Änderungen veranlasst?"

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