Formel E

Alex Albon über verpasste Karriere in der Elektroserie: "Formel E war meine Überzeugung"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Nach vielversprechenden Testfahrten sollte Nachwuchsfahrer Alex Albon 2018 den Schritt von der Formel 2 in die Formel E machen. Der Brite mit thailändischen Wurzeln wurde von Nissan e.dams im September 2018 als Nachfolger von Nico Prost vorgestellt. Die Formel E war für Albon jedoch nur "Plan B": Er verließ die Rennserie noch vor dem ersten Rennen zugunsten eines Formel-1-Cockpits. Nun schildert der heutige Williams-Pilot die "Silly Season" rund um sein Formel-1-Debüt.

"Die Formel E ist karrieremäßig das Nächstbeste, was man außerhalb der Formel 1 machen kann", beschreibt Alex Albon im High Performance Podcast. Die Elektroserie war damals im Höhenflug: Das neue Gen2-Auto verhieß einen deutlichen Performance-Schub, dazu hatten mit BMW, Mercedes, Nissan und Porsche gleich vier neue Hersteller ihren Einstieg angekündigt. "Man bot mir ein Cockpit in der Formel E an, und ich dachte mir: 'Hey, das ist großartig'."

"Bevor ich den Vertrag (mit Nissan e.dams) unterschrieben habe, rief ich Dr. Helmut Marko an, den Chef des Juniorprogramms von Red Bull, und fragte ihn: 'Nur um sicherzugehen: Gibt es einen Platz in der Formel 1, bevor ich diesen Formel-E-Vertrag unterschreibe?' Und er antwortete: 'Nein. Unsere Plätze sind voll, keine Chance'", so Albon weiter. Aber nicht nur bei Red Bull, sondern auch bei anderen Formel-1-Teams hörte er sich um, ob es eine Möglichkeit gebe, ein Cockpit in der Formel 1 zu erhalten.

"Ich glaube, ich war damals enttäuscht", erklärt Albon. "Ich dachte: 'Okay, dann eben Formel E', und das war auch meine Überzeugung". Aufgrund des damals gegenläufigen Formel-E-Kalenders, bei dem die Saison Ende des Jahres begann, war das Saisonende der Formel-1- und auch der Formel-2-Saison noch weit entfernt, als Albon im September 2018 als Nissan-Pilot für die Formel E bekannt gegeben wurde. Aber noch vor dem Formel-E-Saisonstart im Dezember sollte alles anders kommen.

"Ich habe den Formel-E-Vetrag vielleicht drei oder vier Monate vor dem letzten Saisonrennen der Formel 2 unterschrieben", erinnert sich Albon. "Dann kam das letzte Rennen des Jahres, und Helmut Marko holte mich wieder zurück. Sein Assistent kam zu mir und fragte mich, ob ich in sein Büro an der Strecke kommen könne."

Helmut Marko: "Kommst du aus dem Vertrag wieder raus?"

"Wir unterhielten uns über Simulator-Arbeit. Ich arbeitete damals für Mercedes im Simulator, und er wollte wissen, wie viel ich dort verdiene", erinnert sich Albon. "Ich habe ihm eine große Zahl genannt. Seine Reaktion war: 'Okay, kann ich das einmal sehen?', und ich dachte: 'Prima, er hat meinen Bedingungen für einen Simulatorvertrag zugestimmt'. Als ich zur Tür hinausging, fragte er: 'Übrigens, was ist mit deinem Formel-E-Vertrag? Kommst du da wieder raus?'"

Entgegen aller Annahmen war bei Toro Rosso, dem Junior-Team von Red Bull, ein Cockpit freigeworden: Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo hatte für 2019 einen Vertrag mit Renault unterschrieben. Als neuen Teamkollegen von Max Verstappen beförderte Red Bull Pierre Gasly zu Red Bull, dessen Platz bei Toro Rosso damit unbesetzt war. Eine sich überraschend bietende Gelegenheit für Albon, der für diesen Fall jedoch gerüstet war.

"Das Einzige, was ich in meinem Formel-E-Vertrag sichergestellt hatte, war eine Klausel, die besagt, dass ich im Falle eines Formel-1-Angebots gehen kann", erklärt Albon. "Marko sagte: 'Okay, ich melde mich bei dir'. Und dann war alles innerhalb von 24 Stunden so gut wie erledigt. Er rief mich an und sagte: 'Okay, es kann losgehen. Wir werden in etwa einer Stunde die Presseerklärung rausgeben', und ich war ein Formel-1-Fahrer."

Ganz so kann es sich jedoch nicht zugetragen haben: Albon stieg bereits sechs Wochen vor dem Formel-2-Saisonfinale bei den Vorsaison-Testfahrten in Valencia nicht ins Formel-E-Auto, obwohl er nach Spanien angereist war. Bereits damals berichteten wir über Albons Abreise, die in Zusammenhang mit Vertragsverhandlungen mit Toro Rosso stand. Der Zeitpunkt der Bekanntgabe hingegen passt.

Der japanische Hersteller Nissan - offenbar überrascht über diesen Schritt von Albon - ließ am nächsten Tag Oliver Rowland nach Spanien einfliegen, der Albon sowohl beim letzten Testtag in Valencia als auch in der Formel-E-Saison 2018/19 ersetzte. Rowland fährt - mit einer zweijährigen Unterbrechung - heute immer noch für das Team und erzielte beim letzten Rennen in Diriyah die Pole-Position. Im Rennen holte er den dritten Platz.

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1 Kommentare

Luca ·

Ich find es schade, das er nicht in die Formel E gewechselt ist. Wen man sich seine Aktuelle Lage bei Williams anschauen kann er dort nicht wirklich was reissen. Seine Chance bei Red Bull hat er gehabt und er kann aktuell nur hoffen das er der Hamilton Ersatz bei Mercedes wir. Ob er besser bei Williams oder bei der Formel E aufgehoben ist ist eine schwierige Frage, aber wen er weiter nur bei Williams bleibt ist eine Wechsel in die Formel E wahrscheinlich sinnvoller.

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