Formel E

Andretti-Pilot Oliver Askew vergleicht Formel E & IndyCar: "Habe jetzt mehr Respekt für die Serie als vorher"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Oliver Askew ist einer von drei Formel-E-Rookies im Starterfeld 2022. Der 25 Jahre alte US-Amerikaner gewann 2019 mit Andretti Autosport den Titel in der US-amerikanischen "Indy Lights" und fuhr anschließend zwei Jahre in der IndyCar-Series. Der Umstieg in den elektrischen Motorsport fiel im dabei am Anfang schwer, wie er zugibt.

Die Gemeinsamkeiten zwischen IndyCars und Formel-E-Boliden sind überschaubar: Zwar setzten beide Serien Monoposti mit Hinterradantrieb ein, hier enden jedoch die Überschneidungen. Während die IndyCars mit einem 2,2-Liter-Turbomotor Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 400 km/h erreichen, schaffen die gerade einmal 250 kW starken Elektrorennwagen der aktuellen Generation auf den engen Formel-E-Kursen selten mehr als 200 km/h.

Der Grund für Askews Umstellungsschwierigkeiten liegt aber, anders als man vermuten könnte, nicht in der Geschwindigkeit. "Wenn man Abtrieb und Slick-Reifen hätte, würde es sich langsam anfühlen. Aber so, wie die Autos gebaut sind, weiß man, dass es kein leicht zu fahrendes Auto ist", beschreibt der US-Amerikaner bei 'The Race'. Am Anfang habe er sehr viel Zeit damit verbracht, "den richtigen Fahrstil herauszufinden, den man braucht, um die Geschwindigkeit aus dem Auto herauszuholen. Ich habe jetzt eine Menge Respekt vor dieser Serie - mehr als vorher."

Insbesondere die Bremsen der Formel-E-Boliden unterscheiden sich sehr von dem, was Askew bislang gewohnt war. "Das Auto ist so weich, dass es keine anfängliche Druckspitze braucht, um das Maximum aus den Kurven herauszuholen und es zu verlangsamen. Das ist wahrscheinlich die größte Umstellung", so der Andretti-Pilot weiter.

"Habe das Gefühl, wie ein Roboter zu fahren"

"Von außen betrachtet hoffe ich, dass dieser Fahrstil zu mir passt. Ich muss nur noch herausfinden, wie dieses Auto am besten unterfahren wird", beschreibt Askew die Tatsache, dass es in einem E-Prix viel mehr auf effizientes Fahren als auf spektakuläre Fahrmanöver ankommt. "Wenn ich meine beste Leistung bringe, fahre ich unterbewusst und wie in einer Wellnesszone. Ich habe also ein bisschen damit zu kämpfen, weil ich das Gefühl habe, wie ein Roboter zu fahren, wenn ich versuche, mich wirklich auf diese Dinge zu konzentrieren."

"In Valencia wurde ich ein paar Mal aufgefordert, sofort Änderungen am Lenkrad vorzunehmen. Da bin ich gerade im Infield durch ein paar enge Kurven gefahren und habe vielleicht ein oder zwei Zehntel verloren, weil ich mich zu sehr auf das Lenkrad konzentriert habe. Dann kommen noch die Pieptöne hinzu", beschreibt der US-Amerikaner. Mit Hilfe von akustischen Signalen teilt die Software dem Fahrer mit, an welchen Stellen er den Fuß vom Strompedal nehmen oder rekuperieren muss, um die vorgegebenen Energieziele zu erreichen.

Askew sieht sich aber im Lernprozess insgesamt auf einem guten Weg. "Es wird viel besser werden, wenn ich anfange, das Auto natürlicher zu fahren und damit rechne, dass bestimmte Anweisungen kommen." Nach seiner ersten halben Formel-E-Saison liegt der Neuling auf dem 19. Platz der Fahrer-WM. Punkte sprangen für ihn bisher allein beim Saisonstart heraus. Noch scheint Askew noch etwas Luft nach oben zu haben in der Elektroserie.

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