Formel E

Audi will eigene Formel-E-Batterie & Aerodynamik entwickeln

Timo Pape

Timo Pape

Im September kündigte der deutsche Automobilhersteller Audi an, sich ab sofort der Formel E zu verschreiben. Zunächst als Technologiepartner des Kemptener Teams ABT Schaeffler Audi Sport, ab Saison vier dann mit eigenem Werksteam. Den Antriebsstrang, der ab dem kommenden Spätherbst zum Einsatz kommen soll, entwickeln die Ingolstädter in Zusammenarbeit mit Schaeffler. Auch wenn Audi bislang nur unterstützend in der Formel E agiert - zu tun gibt es in Saison drei schon genug.

"Wir steigen jetzt deutlich tiefer in die Funktionsentwicklung und -applikation ein. Gleichzeitig  unterstützen wir ABT zum Beispiel bei der Rennvorbereitung", erklärt Thomas Laudenbach im Audi-Technologie-Magazin 'Dialoge'. Laudenbach arbeitet seit vielen Jahren als Entwicklungschef für Elektrik-, Elektronik- und Energiesysteme bei Audi Sport und betreute schon das Prototypenprogramm in der WEC. "Wir werden ein eigenes Steuergerät und eine komplett eigene Software verwenden. Zusammen mit unseren Partnern legen wir den Fokus in den kommenden Monaten auf die Entwicklung der Bauteile für Saison vier", verrät Laudenbach.

In seinen Augen ist die Formel E "für den Technologie-Link zur Automobilbranche prädestiniert". Laudenbach erklärt weiter: "Natürlich verwenden Rennwagen und Straßenautos keine identischen Bauteile. Aber die grundsätzlichen Lösungsansätze in Effizienz- oder Gestaltungsfragen tauschen wir intensiv mit den Kollegen der Serien-Antriebsentwicklung aus." Die Formel E erlaube Audi, intensiv an einem Thema zu arbeiten, das relevant für den Straßenverkehr ist. Und hier kommt eine weitere wichtige Komponente von Elektroautos ins Spiel, die bislang noch nicht öffentlich thematisiert worden ist.

"Die Batterie ist ein Kernbauteil eines BEV (Battery Electric Vehicle), deshalb werden die Hersteller auch hier ihre Kompetenz beweisen wollen", sagt Laudenbach. "Unser Ansatz bei Audi ist, alles zusammen mit unseren Partnern zu entwickeln, was vom Reglement her freigegeben ist. Wir haben schon die Batterie des Audi R18 e-tron quattro für die WEC selbst entwickelt, das wollen wir irgendwann auch in der Formel E."

Noch ist die Formel-E-Batterieentwicklung kein konkretes Thema bei Audi, schließlich wurde gerade erst McLaren Applied Technologies von der FIA als künftiger Akku-Einheitslieferant ab Saison fünf beauftragt. Bis mindestens 2021 darf folglich kein Hersteller seine eigene Batterie einsetzen. Wie es im achten Jahr der Formel E weitergeht, ist noch nicht endgültig beschlossen. Möglicherweise übergibt die Formel E die Batterieentwicklung dann an die Hersteller - was ursprünglich schon viel früher geplant war. Vielleicht bleibt der Akku sogar bis Saison zehn Einheitsware.

Eigene Batterie ist "beschlossene Sache und erklärtes Ziel"

"In dem Moment, wo die Entwicklung freigegeben wird, wollen wir natürlich auch im Bereich der Batterie unseren Vorsprung durch Technik unter Beweis stellen. Das ist beschlossene Sache und erklärtes Ziel", sagt Laudenbach im Gespräch mit 'e-Formel.de'-Gründer Timo Pape. Die "äußerst komplexe" Batterie zähle für Audi zu den Kernkompetenzen, die man selbst in die Hand nehmen müsse. "Wir freuen uns auf die Entwicklung, weil wir denken und hoffen, dass wir uns darüber einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten können - auch wenn das natürlich alle Hersteller von sich glauben."

"Audi fährt ja nicht nur in der Formel E mit, um dabei zu sein, sondern um zu gewinnen und zu zeigen, dass wir es besser können als der Wettbewerb", sagt Laudenbach selbstbewusst. Dazu brauche die Marke mit den vier Ringen allerdings auch die entsprechenden Entwicklungsfreiheiten, um sich vom Rest des Teilnehmerfeldes abheben zu können.

Audis Interesse an einem eigenen Akku fußt unter anderem auf dem langjährigen Werksengagement in der Langstreckenmeisterschaft WEC, wo Audi bis zuletzt mit einem Hybridantrieb fuhr. "Wir haben durch den Audi R18 viel Erfahrung mit der Batterieentwicklung gesammelt", sagt Laudenbach. "In der Formel E brauchen wir allerdings deutlich mehr Energie als in der LMP1-Klasse. Die Zelltechnologie dahinter wird also viel näher an der Serienentwicklung dran sein, als es noch in der WEC der Fall war."

"Ähnlich wie dort kaufen wir einzelne Zellen zu", erklärt der Entwicklungschef für Elektrik-, Elektronik- und Energiesysteme. "Hierzu suchen wir uns einen strategischen Partner, der uns gegebenenfalls auch auf Zellebene eine auf diesen Anwendungszweck zugeschnittene Lösung liefert." Die gesamte Modulentwicklung und Elektronik sowie das Batteriemanagementsystem entwickle Audi selbst. "Sogar die Montage passiert bei Audi im Batterie-Technikum in Gaimersheim (bei Ingolstadt)", sagt Laudenbach. "Wir favorisieren bei der Batterie eine hohe Entwicklungstiefe im eigenen Haus."

Auch Aerodynamik-Entwicklung reizt Audi

Nicht nur die Batterieentwicklung stammt in der Elektromeisterschaft bislang aus einer einzigen Hand. Auch in Sachen Aerodynamik ist die Formel E seit Anfang an eine Einheitsserie. Alle Teams erhalten ein identisches Auto von Spark, an dem sie nur minimal aerodynamisch justieren können. Dadurch will die Formel E die finanziellen Aufwendungen der Teams im Rahmen halten, weil eine Aerodynamik-Entwicklung sehr teuer ist und gleichzeitig keinen echten Nutzen für den Straßenverkehr bringt. Deshalb war die ursprüngliche Idee, die Chassis-Entwicklung erst nach einigen Jahren an die Hersteller zu übergeben.

Wie es aktuell aussieht, dürfte es frühestens zur achten Saison (2021) soweit sein - wenn überhaupt. Zwar steht die offizielle Bestätigung seitens der FIA nach wie vor aus, doch schon im August wurde bekannt, dass die aktuelle Kombination aus Spark und Dallara höchstwahrscheinlich auch in den Saisons fünf, sechs und sieben exklusiv an alle Teams liefern wird - wenn auch ein völlig neues Chassis. Wann genau und ob die Hersteller eines Tages ihr eigenes Aerodynamikkonzept entwerfen dürfen, ist noch nicht bekannt.

Sollte die Formel E allerdings grünes Licht geben, wäre Audi bereit: "Auch in Sachen Aerodynamik würden wir, wenn es das Reglement zulässt, sicherlich in die Eigenentwicklung gehen", sagt Laudenbach. "Hier können wir Know-how, das wir über viele Jahre in anderen Rennserien erarbeitet haben, gewinnbringend einsetzen." Zu guter Letzt zweifelt jedoch auch der Audi-Ingenieur an der Sinnhaftigkeit einer Aerodynamikentwicklung: "Ob das aus Sicht der Rennserie der richtige Weg sein wird, bleibt allerdings abzuwarten."

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