Formel E

Bericht: Dragon zieht Gen3-Herstellerstatus zurück und wird ab 2023 Formel-E-Kundenteam

Timo Pape

Timo Pape

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Dragon Penske Autosport soll seinen Herstellerstatus für die Gen3-Ära der Formel E zurückgezogen haben. Laut einem Bericht von 'The Race' hat sich das US-Team entschieden, ab der übernächsten Saison (2022/23) als Kundenteam in der Elektroserie anzutreten. Der Kurswechsel hätte auch Konsequenzen für den deutschen Teampartner Bosch, der eigentlich den Gen3-Antrieb für Dragon entwickeln wollte.

Seit der Vizemeisterschaft in der ersten Formel-E-Teamwertung 2014/15 entwickelt Dragon als offiziell eingeschriebener Hersteller seine eigenen Antriebe - und seitdem ging es stetig bergab für den Rennstall von Jay Penske. Nichtsdestotrotz hielt der Teambesitzer bis zuletzt am Herstellerstatus fest und plante auch die Entwicklung eines eigenen Gen3-Antriebs. Dafür ging Dragon im Februar 2021 eine weitreichende Partnerschaft mit dem deutschen Technologiegiganten Bosch ein. Penske sprach damals von einem "bedeutenden Wendepunkt für unser Team".

Aktuell stellt Bosch dem US-Rennstall unter anderem die Fahrzeugsteuerung "MS 50.4P" zur Verfügung, die neben den Motorfunktionen und dem zentralen Energiemanagement auch weitere Fahrzeugfunktionen wie die Bremsenergierückgewinnung und das Display im Fahrercockpit regelt. Der nächste große Schritt war für Saison 9 geplant, denn dann wollte Bosch den gesamten Antriebsstrang herstellen und an Dragon liefern.

Nicht einmal ein Jahr nach Verkündung der Partnerschaft scheint das Team den nächsten "Wendepunkt" erreicht zu haben, wenngleich eine offizielle Reaktion Dragons auf den genannten Bericht (wie für das Team üblich) ausblieb und auch nicht zu erwarten ist. 'e-Formel.de' hat auch bei Bosch nachgefragt, denn schließlich würde die Entscheidung Penskes bedeuten, dass der Konzern aus Gerlingen eben keinen Formel-E-Antrieb mehr entwickeln würde - zumindest nicht für Dragon. Das Unternehmen antwortete jedoch lediglich, dass Bosch "Marktgerüchte" grundsätzlich nicht kommentiere.

"Nur" noch 6 Hersteller in der Formel E - Qual der Wahl für Dragon

Der Rückzug von Dragon würde bedeuten, dass die Formel E in ihrer Gen3-Ära (2023-2026) nur noch sechs Hersteller an Bord hat (statt aktuell neun): Porsche, Jaguar, DS Automobiles, Nissan, Mahindra und Nio 333. Als künftiges Kundenteam müsste sich Dragon bis zum 15. Januar 2022 entscheiden, welche dieser Optionen die attraktivste für das Team ist.

Derzeit dürften Jaguar und DS den stärksten Antrieb haben, doch für die dritte Fahrzeuggeneration - die Formel E veröffentlichte in dieser Woche erste Teaserbilder des Autos - starten alle Hersteller mehr oder weniger wieder bei null.

In jedem Fall dürfte die Entscheidung Penskes das Team in sportlicher Hinsicht endlich wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bringen. Weil Kundenteams in der Formel E die identische Hardware wie ihre Hersteller verwenden, hätte Dragon auf Anhieb wieder die Chance, um Siege zu kämpfen - ganz unabhängig davon, wie gut ein künftiger Bosch-Antriebsstrang geworden wäre.

Kommentar von Timo Pape: "Mal wieder Chaos bei Dragon"

So lässt sich ohne Reaktionen der Beteiligten lediglich spekulieren, wie die Formel-E-Zukunft von Bosch aussehen könnte. Vermutlich hat das Unternehmen längst mit der Gen3-Entwicklung begonnen. Das ist zumindest bei anderen Gen3-Herstellern der Fall. Ob Bosch den Herstellerstatus von Dragon einfach übernehmen könnte, ist fraglich. Ebenso, ob der Konzern überhaupt Interesse daran hätte. Schließlich dürften die Kosten dadurch deutlich steigen, außerdem müsste Bosch erst einmal ein Kundenteam finden.

Ohne Vorerfahrungen mit einem eigenen Antrieb dürfte dies schwer werden, da die anderen Hersteller im Vergleich zu Bosch bereits ihre Kompetenzen auf der Rennstrecke bewiesen haben. Zu guter Letzt noch ein beinahe irrwitziges Gedankenspiel: Dragon wird Kundenteam von Bosch und heißt künftig Bosch Dragon Racing.

Festzuhalten bleibt: Das Dragon-Team tut das, was es sehr häufig tut: Chaos stiften. Nicht ohne Grund hat Porsche in Saison 4 bereits nach einem Rennwochenende in Hongkong wieder die Verbindungen zu Penske gekappt, inklusive Fahrer Neel Jani. Partner des Teams können einem manchmal leid tun. Aber wer weiß: Vielleicht ist die ganze Sache hinter den Kulissen ja schon längst geregelt und nur noch nicht kommuniziert. Wir werden es bald erfahren.

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