Formel E

Bericht: Energiemenge für Formel-E-Rennen in London wegen geringen Vollstromanteils reduziert

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Gen2-Formula-E-Car-London

Vor dem London E-Prix könnte es eine entscheidende Änderung am Regelwerk der Formel E geben. Nachdem den Teams erste Simulationsdaten zur Strecke zur Verfügung gestellt wurden, forderten Fahrer und Verantwortliche bei Gesprächen in New York City, die für die Rennen zur Verfügung stehende Energiemenge zu reduzieren. Einem Bericht der Kollegen von 'The Race' zufolge haben FIA und Formel E nun darauf reagiert.

Bei einer gängigen Formel-E-Strecke muss ein Pilot im Rennen durchschnittlich etwa 30 Prozent der Energie zurückgewinnen, wenn er nach einer Renndistanz von 45 Minuten zuzüglich einer Runde das Ziel erreichen will. Bedingt durch den niedrigen Vollstromanteil auf der neuen Strecke in London rechnen die Teams jedoch damit, dass der Wert auf dem Indoor/Outdoor-Kurs nur bei rund zehn Prozent liegen wird.

Die Fahrer fürchten daher, dass die Rennen nahezu durchgängig mit Vollstrom bestritten werden könnten. Dies verringere die taktischen Möglichkeiten sowie die Chancen auf Überholmanöver enorm.

"Das ist etwas, dessen sich die Formel E bewusst sein muss: Eine schnelle Runde und eine Energiesparrunde sind (in London) im Grunde fast identisch", beschreibt Mercedes-Pilot Stoffel Vandoorne die Problematik bei 'Motorsport.com'. "Diese Autos sind nicht für so etwas gemacht. Sie könnten überhitzen, und auch das Racing wird nicht gut sein, weil es kein Energiesparen gibt."

Vandoorne: "Es wird ziemlich chaotisch, wenn das so bleibt"

Insbesondere Überholmanöver könnten zu einer großen Herausforderung - wenn nicht gar unmöglich - werden. "Wenn die Leute trotzdem versuchen zu überholen, wird es zu Unfällen kommen", schwant dem Mercedes-Piloten Böses. "Es könnte ziemlich chaotisch werden, wenn das so bleibt. Die einfachste Lösung ist, eine Energiereduzierung zu veranlassen, um sicherzustellen, dass jeder Energie sparen muss."

Audi-Teamchef Allan McNish vergleicht das Szenario mit den Rennen in Saison 5, wo es nach einer Safety-Car-Phase noch keine Energiereduktion gab und die Rennen oftmals bei Vollstrom beendet wurden: "Das war kein interessantes Racing, es war mehr wie beim Autoscooter. Daraus sollten wir unsere Lehren ziehen. Wir müssen in dieser Meisterschaft immer am Energielimit operieren."

"Es wäre wie ein Zug, in dem niemand überholen könnte, wenn wir so wenig Energie sparen müssen", bestätigt Jean-Eric Vergne bei 'The Race'. "Es würde wirklich schlecht aussehen, wenn sie nichts tun. Wir werden einfach ineinander krachen, und es wird kein richtiges Rennen sein. Die Formel E und FIA müssen sich das ansehen und auf jeden Fall etwas ändern."

Laut Technischem Reglement der Rennserie steht den Fahrern für ein Rennen maximal 52 kWh nutzbare Energie zur Verfügung. Die Formulierung lässt einen gewissen Spielraum für Ausnahmen bei einzelnen Rennen zu, wenngleich es bislang zu noch keinem vergleichbaren Ausnahmefall kam. Die Entscheidung zur Energiebeschränkung liegt in den Händen der FIA, die für die Reglements technischer sowie sportlicher Natur verantwortlich ist.

Bertrand: "Vielleicht spielen wir etwas mit dem Attack-Mode"

Angeblich haben die Verantwortlichen bereits reagiert und eine Reduzierung der Energiemenge auf 48 kWh in die Wege geleitet. "Wir hatten Rückmeldungen von Teams, die sogar auf 36 kWh gehen wollten", so Frederic Bertrand, FIA-Direktor für die Formel E und innovative Sportprojekte, bei 'The Race'.

"Ich denke aber, dass 48 kWh eine gute Herausforderung sind und angemessenes Racing zulassen", so Bertrand weiter. "Wenn wir das Gefühl haben, dass es einer Anpassung bedarf, spielen wir vielleicht etwas mit dem Attack-Mode. Besonders, wenn wir damit beim Überholen helfen können."

Der Attack-Mode gibt laut Reglement 35 kW Zusatzleistung frei, was im Vergleich zum Standard-Rennmodus einem Zuwachs von 17,5 Prozent entspricht. Obwohl die Regeln der FIA freie Hand lassen, was die Anzahl der Aktivierungen sowie die Dauer der Zusatzleistung angeht, entschied man sich in der Vergangenheit fast jedes Mal für zwei Aktivierungen zu je vier Minuten. Die Bekanntgabe erfolgt immer erst eine Stunde vor dem Rennstart, weil die FIA den Teams keine Gelegenheit geben will, schon vorher eine optimale Strategie auszutüfteln - zumindest in der Theorie.

Dass in einem Großteil der Fälle dieselben Attack-Mode-Regeln genutzt werden, widerspricht jedoch der ursprünglichen Idee des Zusatzboosts. Auch die Fans reagieren in den sozialen Medien zunehmend gelangweilt ob der fehlenden Variabilität des Attack-Modes. Ankündigungen für Abweichungen, wie zuletzt beim Sonntagsrennen in Rom, als der Attack-Mode dreimal aktiviert werden musste, werden hingegen sehr positiv aufgenommen.

Der London E-Prix findet mit einem "Double-Header" in rund anderthalb Wochen am 24. und 25. Juli statt. Die Elektrorennserie kehrt somit nach fünf Jahren und 22 Tagen in die britische Hauptstadt zurück.

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1 Kommentare

Matthias ·

Mein Vorschlag lautet: lasst die karren doch einfach länger fahren. Mehr Racing anstatt weniger Batterie

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