Formel E

Formel-E-Test für Schnelllade-Boxenstopps in Gen3-Ära für Anfang Juni geplant

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Nach acht von 16 Rennen ist die erste Hälfte der Formel-E-Weltmeisterschaft 2022 mit dem Berlin E-Prix zu Ende gegangen. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen auf die kommende Saison und die Einführung des Gen3-Boliden jedoch bereits auf Hochtouren. So soll laut 'The Race' in der kommenden Woche der erste Test für die geplanten Schnellade-Boxenstopps durchgeführt werden.

Den für die Gen3-Ära eingeschriebenen Herstellern soll dabei die Möglichkeit gegeben werden, die neue Technologie auszuprobieren. Während für die kontinentaleuropäischen Hersteller DS, Nissan (beide mit Sitz in Frankreich) und Porsche ein Test auf einer noch nicht genannten Rennstrecke in Europa stattfindet, dürften parallel die in Großbritannien beheimateten Hersteller Jaguar, Mahindra und Nio 333 einen Test in England durchführen.

Bei diesem Test soll die Schnellladung mit den von ABB entwickelten Ladegeräten erstmals in der Praxis erprobt werden. Auch eine Beteiligung von Williams Advanced Engineering (WAE), dem Batteriehersteller für die Gen3-Ära, der im Frühjahr von Unternehmen Fortescue übernommen wurde, liegt nahe. "Wir haben über das Aufladen noch nicht wirklich gesprochen, weil wir noch nicht ganz wissen, wie wir es machen", sagte Formel-E-CEO Jamie Reigle in Berlin gegenüber 'e-Formel.de'. "Aber das Auto kann eine Aufladung mit 600 Kilowatt vertragen. 600 Kilowatt, das ist im Grunde so, als würde man einen Blitz in der Hand halten."

"Die Batterie erlaubt uns, innerhalb von nur 30 Sekunden rund zehn Prozent der Batteriekapazität nachzuladen", erklärt Alessandra Ciliberti, Technische Projektleiterin des Gen3-Autos, am Mikrofon von 'e-Formel.de'. Angesprochen auf die Möglichkeit von Schnelllade-Boxenstopps bestätigt die Italienerin: "Wir arbeiten gerade noch daran, weil wir das neue Auto zunächst fertigstellen wollten, um alle Teile an die Hersteller liefern zu können. Jetzt steht die Schnellladung oben auf unserer Agenda. Als nächstes geht es darum, wie wir das schnell und auf eine sichere Art und Weise machen können."

"Müssen prüfen, ob es vom sportlichen Standpunkt aus relevant ist"

Noch ist also nicht klar, in welcher Form das Thema Schnellladen in das Sportliche Reglement der kommenden Saison einfließen wird und ob es tatsächlich wieder Boxenstopps geben wird. In der Gen1-Ära waren diese noch unverzichtbar, da die Fahrer zur Rennhalbzeit ihr Fahrzeug wechseln mussten - der Akku war für ein Rennen über 40 Minuten schlichtweg noch nicht groß genug. Mit der Einführung der aktuellen Gen2-Boliden fielen der Fahrzeugwechsel und auch die Boxenstopps im Rennen weg.

Die mögliche Einführung der neuen Technologie ist unter den Herstellern nicht vollkommen unumstritten. Die Relevanz und auch die Kosten des Schnellladens stehen daher aktuell noch auf dem Prüfstand. "Wir müssen darüber sprechen, denn es gibt Vor- und Nachteile für diese Art der Präsentation", sagt Jean-Marc Finot, CEO von Stellantis Motorsport, bei 'The Race'. "Es ist zwar interessant, das Schnellladen zu zeigen, denn bei einem radikalen Auto ist das Schnellladen der Schlüssel zu Unabhängigkeit und Reichweite. Aber wir müssen prüfen, ob es vom sportlichen Standpunkt aus relevant ist."

Die Entscheidung über das Sportliche Reglement der Formel-E-Weltmeisterschaft trifft der Weltmotorsportrat (WMSC) des Automobilverbandes FIA. Dies könnte bereits bei der nächsten Zusammenkunft am 30. Juni geschehen. Jedoch sind auch spätere Anpassungen des Regelwerkes nicht ausgeschlossen, sodass die endgültige Entscheidung womöglich erst im September fallen könnte.

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