Formel E

Bericht: Schweizer Veranstalter buhlt erneut um Formel-E-Rennen - neuer Rechtsstreit in Bern entflammt

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Dreieinhalb Jahre liegt das letzte Formel-E-Rennen in der Schweiz inzwischen zurück. Für die Rennveranstaltung änderte der Bundesrat Gesetze, weichte das Motorsportverbot speziell für Events mit Elektroantrieben auf. Trotzdem wurde der E-Prix in Bern für die Formel E und die Schweizer Bundesstadt zu einem Debakel, das bis heute nachwirkt. Nun will der Veranstalter einen erneuten Versuch unternehmen, die Elektroserie in die Alpen zu holen.

Die Posse um den Swiss E-Prix bekommt ein neues Kapitel. Krachend war die letzte Ausgabe eines Formel-E-Rennens in der Schweiz am Widerstand von Anwohner:innen gescheitert. Zwei Tage vor dem Event demonstrierten rund 1.000 Menschen auf Fahrrädern gegen die Elektro-Meisterschaft und rissen unter anderem Werbebanner von den Betonwänden. Später kamen wiederholt Berichte über Rechnungen und Versprechen auf, die der lokale Veranstalter nicht bezahlte oder einhielt.

Nun will der Promoter des Events einen weiteren Versuch unternehmen, die Elektroserie in die Schweiz zu locken - wenn auch mit einem neuen Namen. Die für das Rennen in Bern verantwortliche Swiss E-Prix Operations AG ging im Januar 2021 insolvent. Wenige Tage später gründete die Geschäftsführung der AG eine neue Firma, die Swiss E-Prix GmbH. Diese übernahm kurz darauf die Veranstaltungslizenz für die Formel E. Die Lizenz ist immer noch vier Jahre gültig.

Das bedeutet: Bis 2027 kann die Swiss E-Prix GmbH ein Rennen der Elektroserie in der Schweiz austragen. Und genau das versucht sie nun wieder, wie ein Sprecher des Unternehmens in der Tageszeitung 'Bund' berichtet: "Wir wollen die Formel E wieder in die Schweiz bringen und stehen mit möglichen Austragungsorten in Kontakt."

Offene Rechnungen: Haftet Bern für den Formel-E-Veranstalter?

Parallel zu den erneuten E-Prix-Bestrebungen in der Schweiz gesellten sich jüngst Berichte, laut denen eine am Bern E-Prix beteiligte Baufirma die Stadt verklagt hat. Da die Swiss E-Prix Operations AG offene Rechnungen nicht bezahlte, ehe sie Insolvenz anmeldete, soll nun die Bundesstadt für den Schaden haften. Weitere Gläubiger verfolgen den Prozess mit großem Interesse, schließlich sind bei verschiedenen Partnern laut 'Bund' noch Rechnungen in Höhe von mehr als einer Million Euro offen. Rechtlich wäre die Anwendung des sogenannten Pfandrechts auf Straßenarbeiten in der Schweiz ein Novum: "Ich bin mir bewusst, dass wir mit einem Prozess Rechtsgeschichte schreiben", so ein Jurist der Baufirma.

Auch aufgrund des Rechtsstreits ist fraglich, wie realistisch die Aussichten auf einen erneuten Swiss E-Prix sind. Das negative Echo zum Formel-E-Rennen in Bern blieb auch in anderen Städten der Schweiz nicht unbemerkt. Pläne für einen Ersatzlauf in St. Moritz scheiterten schon 2019. Derzeit ist es schwer vorstellbar, dass sich angesichts der großen Menge "verbrannter Erde" noch eine andere Stadt im Alpenstaat um einen E-Prix bemühen wird. Wir halten das Thema dennoch selbstverständlich für euch im Blick.

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1 Kommentare

Tom ·

Ich hatte die Möglichkeit 2019 in Bern zu seinen. Auch wenn offensichtlich organisatorisch nicht alles glatt lief (Ich hatte mit "begeisterten" Anwohnern gesprochen welche die Boxengasse vor ihre Haustür gebaut bekamen) war das Rennen aus Zuschauerperspektive eines der beeindruckensten Formel E Veranstaltungen.

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