Formel E

Bird schlitzt Wehrlein den Reifen auf & schmälert dessen WM-Chancen: "Damit war der Tag gelaufen"

Timo Pape

Timo Pape

Wehrlein-Porsche-Pitlane-Shanghai

Es war ein gebrauchter Formel-E-Rennsonntag für Pascal Wehrlein. Nachdem der Deutsche schon im Qualifying mit einem bis dahin unerkannten Schaden frühzeitig scheiterte, schlitzte ihm Sam Bird auch noch im Rennen den Reifen auf. Wehrlein fiel ans Ende des Feldes zurück und ging leer aus. Ein schwerer Rückschlag im WM-Kampf, weil Hauptrivale Nick Cassidy erneut viele Punkte holte. Wehrlein ist entsprechend bedient.

Wie Porsche-Teamchef Florian Modlinger kurz vor dem Rennen verriet, hatte Wehrlein bereits im Qualifying mit einem Problem zu kämpfen: Durch eine Kollision mit Oliver Rowland in Kurve 1 am Samstag hatte sein Porsche einige Schäden genommen, die die Balance des Fahrzeugs beeinträchtigt hätten und vor dem Qualifying nicht entdeckt worden seien. So startete Wehrlein nur von Rang 13 - sein schlechtester Startplatz des Jahres.

"Schon im Training und im Qualifying hatte das Auto heute keine gute Balance", sagt Wehrlein. "Auch der Grip hat nicht gestimmt. Nach dem Qualifying haben wir das Problem gefunden und für das Rennen behoben - es war die Folge einer Berührung gestern."

Besser wurde es trotzdem kaum. Im Rennen kam Wehrlein nicht wirklich voran und fuhr über weite Strecken knapp außerhalb der Top 10. Dann wurde er unverschuldet in einen Unfall verwickelt: Sam Bird verschätzte sich in Runde 12 beim Bremsen und berührte den vor ihm fahrenden Porsche leicht mit dem Frontflügel - allerdings ausreichend stark, um den linken Hinterreifen Wehrleins aufzuschlitzen.

Der Deutsche musste daraufhin an die Box kommen, um seinen Reifen wechseln zu lassen. Er fiel folgerichtig ans Ende des Feldes zurück und beendete das Rennen abgeschlagen und chancenlos auf dem 20. Platz. Die Rennleitung sah sich die Szene an, entschied aber auf "Rennunfall" und sprach keine Strafe gegen Bird aus.

"Ich konnte im Rennen einige Positionen nach vorn fahren, bevor mich jemand hinten traf und einen Plattfuß verursachte. Damit war der Tag für mich gelaufen", hadert Wehrlein. Teamchef Modlinger meint: "Leid tut es mir für Pascal, der heute ohne Punkte blieb. Gestern war er noch hervorragender Zweiter, heute fuhr er nach P13 schnell in die Top 10 vor, bis ihm bei einem unverschuldeten Kontakt ein Reifenschaden zugefügt wurde."

Keine Stellungnahme von McLaren

Bird nimmt in der McLaren-Pressemitteilung keinerlei Bezug auf die Kollision: "Es ist zwar toll, wieder im Auto zu sitzen und zu wissen, dass meine Hand auf einer kniffligen und anspruchsvollen Strecke wieder einsatzfähig ist. Aber es tut weh, dass ich aus meiner Garagenhälfte keine Punkte beisteuern konnte." Eine Entschuldigung oder ähnliches ließ McLaren nicht verlauten.

Während Wehrlein leer ausging, holte WM-Spitzenreiter Nick Cassidy als Vierter erneut zweistellig Punkte und baute seinen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Wehrlein auf inzwischen 25 Zähler aus. Eine erste kleine Vorentscheidung im Titelkampf? Noch stehen vier Rennen aus, aber Cassidy war vergangenes Jahr sowohl in Portland als auch in London bärenstark. Wehrlein muss auf einen Ausfall des Jaguar-Piloten hoffen und gleichzeitig siegen, um überhaupt wieder gleichzuziehen.

Bis zum Portland E-Prix sind es noch fünf Wochen, in denen sich Wehrlein auf seine Saison-Schlussoffensive vorbereiten kann. Der "Double-Header" in den USA findet am 29. und 30. Juni statt.

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