Formel E

BMW-Vorstand bezweifelt "Königsklassen"-Potenzial der Formel E: "Sehe das etwas anders"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

BMW i ist ein Formel-E-Partner der allerersten Stunde - bereits seit der Debütsaison 2014/15 stellen die Münchner unter anderem das Safety-Car. Seit Ende 2018 ist BMW zudem als Antriebshersteller für das Andretti-Team an Bord. Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich ist dennoch nicht davon überzeugt, dass die Elektrorennserie die Formel 1 als "Königsklasse des Motorsports" ablösen kann.

Der 59-jährige Diplom-Ingenieur, der seit seinem absolvierten Maschinenbau-Studium 1987 in verschiedenen Positionen für BMW tätig ist, äußert sich dazu in einem Interview mit der 'Süddeutschen Zeitung' eindeutig: "Das habe ich öfters gehört. Ich sehe das etwas anders."

"Die Formel E ist uns wichtig und ein interessantes Format, das wir von Anfang an unterstützt haben", so Fröhlich weiter. Er schränkt jedoch ein, die Rennserie sei "kein klassischer Rennsport, sondern an die urbane, nicht per se motorsportaffine Bevölkerung gerichtet."

Die Weiterentwicklung der Elektrorennserie zur führenden Motorsportplattform schließt Fröhlich deshalb aus. Auch weil die steigende Professionalisierung und die technische Weiterentwicklung immer höhere Kosten mit sich bringen. "Da habe ich doch Zweifel. Jetzt gehen alle Hersteller in den Formel-E-Hype rein, alle wollen gewinnen. Der Weltverband FIA will die technischen Aufwände höher ziehen, es wird teurer."

Auf der anderen Seite steht für ihn das Konzept der Formel E, das längst nicht überall positiv aufgenommen wird. Vielerorts sind die Menschen nicht bereit, die Belästigungen und Einschränkungen in ihren Städten wegen der Durchführung eines Autorennens hinzunehmen. Beispiele hierfür finden sich viele: In Montreal war das Formel-E-Rennen eines der größten Themen im Bürgermeisterwahlkampf, in Bern gab es Proteste gegen das Rennen. Der Vertrag für den Londoner Battersea Park wurde nach Anwohnerprotesten vorzeitig beendet, und auch in Berlin war die Politik nach 2016 nicht bereit, ein zweites Rennen auf der Karl-Marx-Allee zu erlauben.

Abkehr von Stadtkursen würde Formel-E-Spirit töten

Ein Rückzug aus den Stadtzentren wäre jedoch nicht im Sinne der Formel E und könnte nur in wenigen Metropolen so gut vollzogen werden wie in Berlin. Hier ist mit dem stillgelegten Flughafen Tempelhof eine nahezu perfekte Ersatzlocation mitten in der Stadt vorhanden. In anderen Städten gestaltet sich das schwieriger, sodass - auch vor dem Hintergrund von COVID-19 - immer öfter permanente Rennstrecken als Alternativen ins Spiel kommen. Das wäre für Fröhlich der Anfang vom Ende der Formel E: "Dann ist das Format vom Spirit her tot."

Der BMW-Vorstand sieht jedoch auch den Motorsport vor schweren Zeiten stehen. So unter anderem durch die Ankündigung von Audi, zum Jahresende aus der DTM auszusteigen, was kürzlich auch Daniel Abt dazu bewegte, den Niedergang des Sports aufgrund fehlender Relevanz zu erklären. Fröhlich prophezeit: "Ich glaube, dass es eine Bereinigung geben wird durch die Krise der Automobilindustrie im Allgemeinen. Ohne die Industrie gibt es keinen Motorsport."

Mit den Themen Elektromobilität und Emmissionsvermeidung könnten sich Fröhlich und seine Marke allerdings auch im Motorsport identifizieren: "Wir müssen das Thema Nachhaltigkeit adressieren, sonst hat Motorsport keinen Bestand mehr", so seine klare Ansage. Aber auch die E-Sports-Serie "Race at Home Challenge", die von der Formel E aktuell als Ersatz für die abgesagten Rennen durchgeführt wird, sieht Fröhlich durchaus als Chance für den Motorsport: "Wir brauchen globale Formate und eine konsequente Integration von realem und virtuellem Motorsport, dem Simracing."

Foto: Shivraj Gohil / Spacesuit Media

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