Bridgestone: Gen4-Typhoon-Reifen soll Formel-E-Rennen bei Starkregen ermöglichen
Tobias Wirtz
Bridgestone / e-Formula.news
Der neue Typhoon-Reifen von Bridgestone soll der Formel E künftig mehr Racing bei starkem Regen ermöglichen. Im Gespräch mit e-Formel.de erklärt Technikchef Emilio Tiberio, dass Rennen unter solchen Bedingungen bislang teilweise gar nicht oder nur unter suboptimalen Voraussetzungen stattfinden konnten. Wo genau der optimale Wechselpunkt zwischen Allwetter- und Starkregenreifen liegt, ist allerdings noch offen: Mit dem neuen Konzept müssen alle Beteiligten zunächst Erfahrungen sammeln.
Mit dem Wechsel auf Gen4 führt die Formel E neben dem bekannten Allwetterreifen erstmals eine eigene Reifenspezifikation für Starkregen ein. Bridgestone bezeichnet den neuen Reifen als Potenza Gen4 for Typhoon Tyre. Während der Allwetterreifen weiterhin ein breites Spektrum von trockener bis nasser Strecke abdecken soll, ist der Typhoon-Reifen speziell für große Wassermengen und deutlich schwierigere Bedingungen vorgesehen.
Wie problematisch Starkregen für den Formel-E-Betrieb sein kann, hat sich in den vergangenen beiden Saisons mehrfach gezeigt: So fielen 2025 beispielsweise in Berlin und Tokio Sessions aus, auch 2026 konnte das 3. Freie Training in Tokio wegen starken Regens nicht stattfinden. Für solche Bedingungen stand in der Gen3-Ära lediglich der Allwetterreifen von Hankook zur Verfügung, der für den Gen3 Evo in den Saisons 11 und 12 sogar noch einmal für trockene Bedingungen optimiert wurde.
Im Gespräch mit e-Formel.de erklärt Emilio Tiberio, CTO von Bridgestone West, nun genauer, warum der zusätzliche Reifen aus Sicht des Herstellers notwendig wurde.
"Wir haben gesehen, dass Rennen bei starkem Regen bislang teilweise gar nicht oder nur unter suboptimalen Bedingungen stattfinden konnten", beschreibt Tiberio. "In erster Linie wollen wir die Sicherheit in der Formel E verbessern. Gleichzeitig möchten wir aber auch dafür sorgen, dass bei solchen Bedingungen wieder mehr Racing möglich ist."
Optimaler Wechselpunkt zwischen den Reifen noch offen
Unklar ist beispielsweise, wo unter realen Rennbedingungen der optimale Wechselpunkt zwischen beiden Reifen liegt. Wenn die Strecke als nass deklariert ist, können die Teams zwischen Allwetter- und Regenreifen wählen, konkrete Erfahrungen im Wettbewerb fehlen bislang jedoch. "Wir haben den Teams erste Richtlinien an die Hand gegeben", erklärt er. "Aber das ist für sie genauso neu wie für uns alle. Deshalb werden wir im Laufe der Saison noch viel dazulernen."
Technisch unterscheiden sich beide Reifen zudem deutlich voneinander. Ein wesentlicher Unterschied liegt laut Tiberio im Temperaturfenster, in dem die Reifen funktionieren müssen. "Der Regenreifen muss bei deutlich niedrigeren Temperaturen funktionieren, weil der Regen die Reifen stark abkühlt. Deshalb unterscheidet sich auch die Aufstandsfläche vom Allwetterreifen." Tiberio beschreibt beide Mischungen als Hochleistungs-Rennreifen, betont jedoch, dass sie für deutlich unterschiedliche Temperatur- und Streckenbedingungen ausgelegt sind.
Beim Typhoon-Reifen setzt Bridgestone unter anderem auf Silica aus Reishülsen und ein Profil, das große Wassermengen ableiten soll. Der Reifen soll dadurch auch bei starkem Regen Traktion und ein stabiles Fahrverhalten ermöglichen. Wie hoch die Performance dabei ausfallen könnte, hatte zuletzt auch James Rossiter beschrieben.
Mehr Sicherheit & mehr Racing bei Starkregen
Wie groß das tatsächliche Einsatzfenster des Typhoon-Reifens ist und wo der optimale Wechselpunkt zum Allwetterreifen liegt, wird sich erst unter Rennbedingungen zeigen. Bridgestones Ziel ist jedoch klar: Die zusätzliche Spezifikation soll nicht nur die Sicherheit bei Starkregen erhöhen, sondern der Formel E auch unter schwierigeren Bedingungen mehr Racing ermöglichen.
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