Formel E

Cupra-Kiro-Teamchef O'Hagan über Formel-E-Saisonverlauf: "Vielversprechend, aber frustrierend"

Thomas Grüssmer

Thomas Grüssmer

Russell-O'Hagan-Cupra-Kiro

Schon zehn Rennen liegen in der aktuellen Formel-E-Saison hinter uns. Zur Saisonmitte zog der Teamchef von Cupra Kiro, Russell O'Hagan, in einem Interview Bilanz. Darüber hinaus sprach er über Monaco, das bisher beste Rennwochenende des Teams. Auch auf die Performance seiner Piloten Dan Ticktum und Pepe Marti ging er detailliert ein.

Cupra Kiro liegt in der Teamwertung zum jetzigen Zeitpunkt lediglich auf dem achten von zehn Plätzen. Trotz einiger Highlights mit starken Momenten, vor allem auf der Seite von Ticktum, wird man das Gefühl nicht los, dass es dem Team auch weiterhin an Konstanz mangelt. Teamchef O'Hagan sieht das ähnlich: "Es war eine vielversprechende, aber auch eine etwas frustrierende erste Hälfte der Saison."

"Unsere Ziele für dieses Jahr waren es, konstanter zu werden und uns als regelmäßige Anwärter für das Podium zu etablieren", fuhr O'Hagan fort. "Bisher erreichten wir zwei Pole-Positions und einmal das Podium. Wir gingen nur dreimal punktlos aus den Rennen. Dennoch ist es fair zu sagen, dass die 68 gesammelten Punkte nicht das volle Maß unserer eigentlichen Fähigkeiten reflektieren. Für die zweite Saisonhälfte müssen wir noch mehr Wege für den Ausgang zu unseren Gunsten finden und noch regelmäßiger abzuliefern."

"Hätten in Monaco besser abliefern können"

Beide Poles und auch das einzige Podium erzielte man vor wenigen Wochen in Monaco. Das Team zeigte im Fürstentum eines seiner stärksten Wochenenden. Dennoch kommt auch hier wieder der Gedanke, dass mehr drin gewesen wäre. "Sicherlich war Monaco eines unserer komplettesten Wochenenden der Saison", so der Teamchef über das letzte Rennwochenende. "Wir waren sehr konkurrenzfähig, hätten aber besser abliefern können. Es ist daher bittersüß. Im Qualifying war Dan das ganze Wochenende lang außergewöhnlich, vor allem am Sonntag. Die Rennen verliefen unglücklicherweise etwas herausfordernder."

O'Hagan ging näher darauf ein, was in Monaco für Ticktum schief lief: "Im ersten Rennen legten wir uns darauf fest, das Rennen mit Dan anzuführen. Wir wussten, dass die Wahrscheinlichkeit, das Rennen in den Top 5 zu beenden, sich dadurch erhöhen würde. Gleichzeitig war uns klar, dass der Sieg so fast unmöglich sei. Durch das entstandene Energiedefizit fiel es Dan schwer, sich im Verlauf des Rennens auf den vorderen Plätzen zu halten. Die spätere Kollision mit Antonio Felix da Costa und die darauffolgende Strafe beendeten seine Hoffnungen auf ein starkes Resultat."

"Rennen 2 war für Dan ähnlich schwierig", fuhr er fort. "Nur zeigte sich das dieses Mal anders. Wir entschieden uns dazu, uns zunächst zurückfallen zu lassen. Uns fehlte dann aber die Pace, die Autos in dem chaotischen Rennen erneut zu überholen. Nach einem Kontakt mit Jake Dennis war die Gelegenheit für Punkte dahin. Es gibt natürlich viele Faktoren, die dafür sorgen können, aber eine Doppel-Pole gar nicht in Punkte zu verwandeln, ist schlicht und ergreifend inakzeptabel. Für die Zukunft müssen wir uns unsere Art und Weise ansehen, wie wir die Rennen angehen."

"Pepes erstes Podium war eine Frage der Zeit"

Formel-E-Rookie Pepe Marti konnte in Monaco sein erstes Podium einfahren. Schon zuvor zeigte der Spanier immer mehr, dass er in der Elektro-Rennserie ankommt. In der Fahrerwertung belegt er momentan Rang 11 und liegt somit sogar vor seinem etablierten Teamkollegen. Zu ihm äußerte O'Hagan sich wie folgt: "Pepes Podium in Monaco war sowohl für ihn als auch für das Team sehr wichtig. Im Gegensatz zu Felipe Drugovich und Joel Eriksson kam Pepe ohne Formel-E-Rennerfahrung in die Saison. Das erste Mal fuhr er das Auto in Valencia beim Vorsaison-Test. Alle Aspekte der Meisterschaft waren für ihn also völlig neu. Dementsprechend hielten wir unsere Erwartungen realistisch und Moderat halten. Die Formel E hat eine steile Lernkurve und ist für Rookies notorisch schwierig."

Er findet für seinen Schützling lobende Worte: "Am meisten beeindruckte uns, wie schnell Pepe sich anpassen konnte. Seit Saisonstart fährt er konstant um Punkte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er das Podium erreicht. Es kam zwar nach einer Strafe für Dan, dennoch fuhr er auf der Straße von Platz 15 bis auf Platz 4 vor. Gerade in Monaco verdient so etwas Anerkennung. Ich bin stolz auf das Team dahingehend, wohin sie ihn schon jetzt bringen konnten. Es macht Freude, sich das anzusehen."

"Wir verstehen Dans Frustration"

Ticktum belegt mit gerade einmal 28 Punkten Rang 14 in der Fahrerwertung. Auch über seine generelle Performance sprach O'Hagan: "Dan performte in dieser Saison wieder auf einem sehr hohen Level. Er verdient mehr als das, was seine Punkte zeigen. Blickt man auf die ersten Rennen der Saison, gab es einige Situationen, in denen Umstände außerhalb seiner Kontrolle ihn an besseren Resultaten hinderten. Anhand seiner Pace könnte er das doppelte, oder sogar dreifache an Punkten haben, als das, was er gerade hat. Für einen Fahrer wie Dan kann sich die Frustration somit schnell aufbauen."

"Seit Monaco haben wir uns die Zeit genommen, um die bisherige Saison mit Dan Revue passieren zu lassen", fuhr er fort. "Wir haben zwei wesentliche Erkenntnisse. Eine davon ist, dass wir verstehen müssen, wie wir alles ganzheitlich mit Dan angehen. Wir sind in allen Sessions auf eine Runde unglaublich schnell. In den Rennen können wir aber nicht unser komplettes Potenzial zeigen. Mit der Art, wie wir in der Formel E Rennen fahren, gibt es einfach keinen Raum für Fehler."

2. formelle Verwarnung der Saison für Ticktum

"Der zweite Punkt ist, dass Dan seine Frustration und Energie konstruktiv nutzt. Wir verstehen das. Als Team erwarten wir aber, dass Jeder eine gewisse Art von Professionalität, Respekt und Teamwork an den Tag legt. Das ist das Fundament dafür, dass wir als Organisation bestmöglich arbeiten und performen. Seit Monaco haben wir uns mit Dan offen über mehrere Themen ausgetauscht und senden eine eine zweite formelle Verwarnung in dieser Saison. Wir arbeiten gemeinsam daran, einen besseren Ansatz dafür zu finden, was wir von ihm benötigen. Gleichzeitige müssen wir als Team unsere Verantwortung anerkennen, Dan die Plattform und den Support zu geben, damit er das Beste aus sich herausholen kann. Er ist ein höchsttalentierter Fahrer und ein wichtiger Teil des Teams", so O'Hagan weiter.

Nachdem die Formel E in den vergangenen Monaten mehrere Rennen in Europa ausgetragen hat, geht es nun für die Elektrorennserie nach Asien. Den Auftakt macht der Sanya E-Prix, der in einer Woche stattfindet.

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