Formel E

Daniel Simon - der Mann hinter den Robocars

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Früher entwickelte er Autos für VW, jetzt macht er mit deutscher Ingenieurskunst in Hollywood Karriere. Mit nur 45 Jahren zählt Daniel Simon zu den größten Fahrzeugdesignern seiner Zeit. Das Portfolio des gebürtigen Stralsunders kann sich sehen lassen, schließlich entwarf er neben unzähligen Concept Cars unter anderem den Bugatti Veyron mit, designte Lackierungen für Formel-1- und WEC-Teams und zeichnete Fahrzeuge für die Kinofilme Tron: Legacy, Captain America und Oblivion.

2016 folgte ein weiteres Kapitel in Simons Künstlerlaufbahn: Er sollte die Fahrzeuge für die Formel-E-Supportserie Roborace entwerfen. Seine Entwürfe für die Fahrzeuge, die "Robocars", wurden bereits Ende März vorgestellt. Wir wollen wissen: Wer ist dieser Daniel Simon eigentlich?

Über Pforzheim nach Hollywood

Der Weg die Karriereleiter hoch ist als Künstler manchmal schwer. Simon hatte Glück: Nachdem er in der Schule viele Unterrichtsstunden mit Zeichnungen und Kritzeleien von Autos verbrachte, startete er mit 19 Jahren in ein Studium im Fach "Transportation Design" an der Fachhochschule in Pforzheim, der Eliteschmiede für Autodesigner schlechthin.

Nach seinem Abschluss rekrutierte ihn Volkswagen. Dort entwarf er Concept Cars, also Autos, die bei wichtigen Messen ausgestellt werden, um die mögliche Zukunft aufzuzeigen und Reaktionen der Öffentlichkeit einzufangen. Über VW gelangte Simon schließlich zu Bugatti, wo er an einer 1.200-PS-Sonderversion des Bugatti Veyron mitarbeitete.

2005, vier Jahre nach seinem Bachelorabschluss, zog der gerade 30-jährige Simon von Barcelona nach Brasilien. Dort erschuf er, während er zwei Jahre lang von seinem Ersparten lebte, seinen eigenen fiktiven Raumschiff- und Autokonzern "Cosmic Motors", für welchen er Fahrzeuge am Computer entwarf und in einem Buch abdruckte.

Joseph Kosinski, der Regisseur von Tron: Legacy, bekam sein Buch zufälligerweise in einem Buchladen in Los Angeles in die Hände. Der US-Amerikaner war von Simons Konzepten begeistert und lud ihn daraufhin in sein Designerteam ein. Als Chefdesigner von Tron: Legacy landete Simon schließlich den Durchbruch in seiner Karriere, indem er die lichtdurchfluteten Motorräder und Autos für den Film zeichnete.

Nur die wenigsten Ideen werden in einen Prototypen umgesetzt

Nachdem Simon unter anderem Designs für Kunstflieger, Motorräder, LMP2-Renner und die "SpaceX"-Raumfahrtmissionen entwarf, fanden seine Ideen auch ihren Weg in die Formel 1. In der Saison 2011 stellte ihn das HRT-Team als Designer für die Lackierung ein. Simon sollte dafür sorgen, dass das Auto mehr Aufmerksamkeit der Presse und damit mehr Sponsoren bekommen würde.

"Das mit der Aufmerksamkeit hat gut geklappt", sagt Simon heutzutage mit einem Schmunzeln gegenüber 'Form Trends', "aber letzten Endes mussten sie dann doch aussteigen." Wer sich Bilder des HRT-Renners aus jener Saison anschaut, wird schnell merken, dass auch Simons fiktiver "Cosmic Motors"-Konzern mehrmals auf dem Auto zu sehen ist.

Dabei schaffen generell die wenigsten von Simons Autokonzepten den Sprung zum Prototypen. "Jeder Künstler sucht eine Bühne, ich habe meine auf der Kinoleinwand gefunden", so Simon gegenüber der 'SZ'. "Über 20 meiner Fahrzeugdesigns sind weltweit in Filmen zu sehen, auch wenn diese nur einmal gebaut wurden oder nur im Computer existieren. Im Kopf von Millionen existieren sie jedoch. Für mich ist das kreativ befriedigender, als jahrelang einem einzigen Automobil hinterher zu zeichnen."

Träume auf dem Bildschirm entstehen lassen

Vielmehr sieht Simon seine Arbeit als Inspiration für andere. "Ich entwerfe professionelle Fantasien und nehme das sehr ernst. Andere zum Träumen zu bringen, finde ich extrem erstrebenswert", sagt er. Mittlerweile ist auch Simon nach Kalifornien ausgewandert und rendert auf seinem Hochleistungsrechner in Los Angeles auf einem 30-Zoll-Bildschirm seine Fahrzeugmodelle.

Auch die futuristischen Roborace-Autos entstanden in seinem Arbeitszimmer. Die Freude am Motorsport trägt er seit Jahren in sich: "Motorsport ist einfach nur geil. In den Teams arbeiten so viele Leute, die ganz vorne sein wollen und die denken, dass der Zweitplatzierte schon der erste Verlierer ist. Das sorgt für viel Drama und viele Geschichten."

"Ich liebe es, Bücher über Motorsport zu sammeln und die Storys zu hinterfragen, aber irgendwann realisiert man, dass man fast alle Bücher hat", so Simon im Winter 2014 zu 'Form Trends'. "Und so entstand die Idee, selbst Rennwagen für die Zukunft zu entwerfen."

Mit den Robocars, bei denen klare Ähnlichkeiten mit den Light-Runner-Autos aus Tron: Legacy erkennbar sind, werden Simons futuristische Ideen von Rennfahrzeugen erstmals in Serie produziert. Die Träume, die er sonst in die Köpfe der Kinobesucher zaubert, werden endlich zur Realität auf der Strecke.

Und das schon innerhalb des nächsten Jahres. Ein Termin für das erste Roborace-Event der steht zwar immer noch nicht fest, die Organisatoren peilen jedoch weiterhin einen Termin während der dritten Formel-E-Saison an. Die Rennen sollen im Rahmen der Elektroserie mit autonomen Fahrzeugen ohne Fahrer ausgetragen werden und eine Demonstration der Technologien der Zukunft sein. Da muss das Design natürlich ebenso überzeugen.

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