Formel E

Dennis wettert nach Formel-E-Abschuss durch Ticktum in Sao Paulo: "Er ist in seiner eigenen kleinen Welt"

Timo Pape

Timo Pape

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Vor dem Rennwochenende der Formel E in Brasilien galt Jake Dennis aufgrund seines effizienten Kunden-Porsche von Andretti als einer der Siegfavoriten. Sein Rennen in Sao Paulo endete jedoch vorzeitig und abrupt nach einer ungestümen Aktion seines Landsmanns Dan Ticktum. Die Schuldfrage war nach dem E-Prix schnell geklärt, doch Dennis zeigte sich äußerst frustriert über den Nio-333-Fahrer, der seinen Verbremser auf den Streckenbelag schiebt.

Zwischen der ersten und zweiten Safety-Car-Phase waren Dennis und Ticktum im Mittelfeld unterwegs und rasten - nicht unmittelbar hintereinander - auf Kurve 1 zu. Dennis lenkte bereits ein, als ihm Ticktum mit deutlichem Geschwindigkeitsüberschuss seitlich ins Heck rauschte. Der Andretti nahm dabei Schaden am rechten Hinterrad. Dennis musste sein Auto wenige Kurven später abstellen und die nächste Nullnummer hinnehmen - ein weiterer Rückschlag im WM-Kampf für ihn.

"Ich habe die Onboard-Aufnahmen gesehen und habe keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat", holt Dennis im TV-Weltsignal gegen Ticktum aus. "Ich bin echt genervt von Dan. Er ist in seiner eigenen kleinen Welt. Er hat einfach vergessen zu bremsen und ist in mich reingekracht. Man bereitet sich so lange vor, und dann vergisst so ein Typ einfach zu bremsen. Ich bin ehrlich gesagt wirklich genervt. So ist es nun. Ich bin emotional und von der Gesamtsituation genervt."

Ticktum: "Habe gebremst, aber es ist einfach nichts passiert"

Ticktum - oberkörperfrei im Weltsignal - kann über die Situation nur lachen und erklärt anschließend, warum: "Ich kam einfach nicht zum Stehen. Dieser graue Belag auf der Start- und Zielgeraden - wenn etwas Gummi drauf ist, ist es okay. Aber sobald du neben der Ideallinie bist, in Kombination mit dem Dreck neben der Ideallinie... Ich habe sogar früher gebremst als das Auto, das ich zu überholen versucht habe, aber ich wurde einfach nicht langsamer!"

"Ich war nah an der Mauer und dachte mir: Ich bremse mal besser etwas früher. Also habe ich gebremst, aber es ist einfach nichts passiert. Dann trittst du noch stärker auf die Bremse, und das macht es manchmal noch schlimmer, abhängig von den Systemen und so. Das Auto hat einfach nicht verlangsamt. So etwas habe ich in meiner gesamten Rennfahrerkarriere noch nicht erlebt. Ich weiß nicht, ob ich Kurve 3 überhaupt bekommen hätte", scherzt er.

Auf Nachfrage, ob er sich bei Dennis entschuldigen wolle, entgegnet Ticktum: "Ja, natürlich, falls ich ihn sehe. Dann werde ich mich entschuldigen. Denn das wollte ich natürlich überhaupt nicht. Es war einfach unglücklich und ein chaotisches Rennen." Weitere Argumente für den Unfall sucht er im Streckendesign: "Diese Kurven provozieren solche Situationen schon auch. In den Kurven 4, 5 und 6 haben sich ständig alle berührt, Frontflügel verloren und so weiter. Für die Fans war das sicher unterhaltsam, aber als Fahrer ist es ziemlich schwierig zu managen."

"Können immer noch die Meisterschaft gewinnen"

Während Ticktum das Rennen als 14. abschließen konnte, endete Dennis' Arbeitstag mit einem traurigen Gang zurück Richtung Boxengasse. Nach seinem großartigen Saisonstart mit den Plätzen 1, 2 und 2 folgten für ihn drei punktlose E-Prix. Nichtsdestotrotz belegt der Andretti-Fahrer in der Formel-E-Gesamtwertung weiterhin den zweiten WM-Platz und hat in Brasilien "nur" sechs Punkte auf Spitzenreiter Pascal Wehrlein verloren.

"Wir können immer noch die Meisterschaft gewinnen, aber jetzt gerade ist es natürlich nur frustrierend", sagt Dennis. "Es ist, als hätte ich eine Zielscheibe auf dem Rücken. Das war der zweite Lauf, bei dem ich eigentlich mein eigenes Rennen fahre, und dann vergisst jemand hinter mir zu bremsen und kracht in mich rein. Es ist in Hyderabad mit Rast passiert, hier mit Ticktum. Dagegen kann ich nichts machen."

"Aber es war erst das sechste Rennen, die Saison ist noch lang. Trotzdem haben wir jetzt 40 Punkte oder so weggeworfen - das ist nicht gut genug", hadert Dennis. Die nächste Chance auf Punkte bietet sich dem Briten in vier Wochen beim "Double-Header" in Berlin. Ob sich Dan Ticktum bis dahin bei ihm entschuldigt haben wird?

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