Formel E

Di Grassi beschert Mahindra wichtige Punkte in Portland, Teamchef plant Rückkehr in Erfolgsspur ab 2025

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Mit einem starken siebten Platz hat Lucas di Grassi beim Formel-E-Rennen in Portland seine ersten Punkte seit dem Saisonauftakt in Mexiko-Stadt erzielt. Sein Teamkollege Roberto Merhi hingegen schied mit einem technischen Defekt bereits nach wenigen Runden aus. Währenddessen plant Teamchef Frederic Bertrand umfassende Änderungen, um das Team in Zukunft wieder auf die Siegerstraße zu bringen, wo es einst war.

Lucas di Grassi, der sich in den letzten zehn Saisonläufen siebenmal für die letzten beiden Startreihen qualifiziert hatte, ging in Portland von Rang 13 ins Rennen. Aufgrund der ungewöhnlichen Natur des Rennens blieb der Brasilianer stets in Reichweite der vorderen Plätze, zwischenzeitlich lag er sogar auf dem vierten Platz. In der Schlussphase gelang es dem Champion von Saison 3 sogar, den Porsche von Pascal Wehrlein auf Distanz zu halten, der allerdings auch ein Problem mit einem Abreißvisier hatte.

"Wir hatten ein gutes Wochenende in Portland", findet di Grassi. "Es war ein sehr schwieriges, strategisches Rennen, aber wir haben Platz 7 erreicht und sechs Punkte geholt. Ich bin sehr zufrieden mit den Fortschritten des Teams, durch die wir in diesem Rennen konkurrenzfähiger waren."

Für Roberto Merhi war das Rennen hingegen früh beendet. Der Spanier stellte seinen Mahindra nach drei Runden ohne Vortrieb am Streckenrand ab. "Ich bin sehr traurig, denn es war eine super Gelegenheit für mich", beschreibt er. "Wir sind noch dabei, das Problem zu analysieren. Aber ich war mit meiner Pace zufrieden und ziemlich nah an Lucas dran."

Dank der sechs Punkte aus den USA schob sich Mahindra in der Teamwertung an Nio 333 vorbei auf den neunten Platz, obwohl das chinesisch/britische Team in dieser Saison eigentlich den stärkeren Antrieb hat. Mit 21 Punkten Rückstand auf Nissan scheint jedoch für die Inder keinesfalls mehr machbar, womit sie die schlechtesten Ergebnis der Teamgeschichte aus den Jahren 2020 und 2021 wiederholen würden.

Teamchef Bertrand: "Große Überraschung, dass die Stimmung so schlecht war"

Dabei war Mahindra in der zweiten Hälfte der Gen1-Ära einst Siegkandidat: Zwischen Oktober 2016 und Januar 2018 holte das Team in 15 aufeinanderfolgenden Rennen 13 Podiumsplätze und führte nach dem Marrakesch E-Prix 2018 die Teamwertung an. Mahindra-Pilot Felix Rosenqvist lag auch in der Fahrerwertung ganz vorn. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Der letzte Sieg gelang dem Team beim London E-Prix 2021 mit Alex Lynn. Davor war Jerome d'Ambrosio beim Marrakesch E-Prix 2019 zuletzt siegreich.

Um das Team wieder an die Spitze zu führen, hat Teamchef Frederic Bertrand einen 3-Jahres-Plan gestartet. Der ehemalige FIA-Direktor für Formel E, der vor der Saison als Nachfolger von Dilbagh Gill zum Team stieß, sieht sich nach wenigen Monaten großen Herausforderungen ausgesetzt. "In gewisser Weise ist es schwierig, weil jeder ungeduldig ist und gerne ein gutes Ergebnis sehen würde", beschreibt Bertrand bei Motorsport.com. "Aber Motorsport ist schwierig, und die Formel E ganz besonders."

Einen bedeutenden Teil seiner Aufgabe sieht er darin, bei seinen Mitarbeiter:innen wieder eine Siegermentalität zu etablieren. Die Jahre im hinteren Mittelfeld der Formel E haben ihre Spuren beim Team hinterlassen. "Wir müssen eine positive Einstellung entwickeln - den Kampfgeist in das Team zurückbringen", so der Franzose. "Es war eine große Überraschung für mich, dass die Stimmung so schlecht war."

Das sei jedoch nicht alles. "Die zweite Schwäche ist vermutlich die Struktur des Teams selbst", fährt Bertrand fort. "Das Team wurde nur als Team konzipiert, nicht als Hersteller. Es wurde zu wenig Wert darauf gelegt, sich auf die Zukunft vorzubereiten. Eine ständige Weiterentwicklung und ein dauerhaftes Vorantreiben der Ideen sind erforderlich."

Keine Hoffnung für aktuellen Antrieb: "In Saison 11 & 12 wollen wir abliefern"

Im Bereich der technischen Entwicklung arbeitet Mahindra aktuell mit ZF zusammen, während die meisten anderen Hersteller ihre Antriebe selbst entwickeln. Inwieweit diese Zusammenarbeit von den strukturellen Anpassungen, die Bertrand plant, betroffen ist, ist derzeit noch unklar. Sie sollen jedoch bereits ab der kommenden Saison greifen. "Saison 10 ist das Jahr, in dem wir alles, was wir gelernt und verändert haben, zu einem konsistenteren Ansatz und einer besseren Struktur konsolidieren", so Bertrand.

Das klingt nach vorsichtigem Optimismus, nicht aber nach festem Glauben an den aktuellen Antriebsstrang, der auch 2024 noch eingesetzt werden muss. Bertrand schielt daher auf die zweite Hälfte der Gen3-Ära: "Saison 11 und 12 werden die Jahre sein, wo wir abliefern wollen - wahrscheinlich mit einigen technischen Änderungen und Umstrukturierungen, die in Saison 10 stattgefunden haben. Unter dem Strich sollten wir dann das Ergebnis all dieser Arbeit sehen."

Für die Umsetzung seines Plans greift Bertrand auf die finanziellen und technischen Ressourcen der Mahindra-Gruppe zurück. Hier gab es bereits die erste strukturelle Änderung: Das Rennteam gehört nun zum Automobil-Sektor des Konzerns und nicht mehr dem Bereich für Unternehmenskommunikation an.

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