Formel E

Dodds über Formel-E-Expansionskurs in China: "Glaube, wir werden wieder einen chinesischen Hersteller sehen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

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Seit dem Ende der Partnerschaft zwischen dem heutigen Cupra-Kiro-Team und dem chinesischen Automobilhersteller Nio ist kein Hersteller aus dem Reich der Mitte mehr in der Formel E vertreten. Zwar wirbt die Rennserie seit Jahren intensiv um Marken aus China und trägt in dieser Saison erstmals zwei E-Prix im Land aus – ein kurzfristiger Einstieg gilt aber weiterhin als unwahrscheinlich.

Aktuell sind sechs Hersteller in der Formel E aktiv und entwickeln auch in den ersten beiden Saisons der Gen4-Ära eigene Antriebe. Vier davon kommen aus Europa: Porsche (Deutschland), Stellantis (Niederlande) mit seinen beiden französischen Marken DS und Citroen, Lola und Jaguar (beide Großbritannien). Dazu kommen Mahindra (Indien) und Nissan (Japan). Über die Partnerschaft von Lola ist mit Yamaha zudem ein weiterer japanischer Hersteller eingebunden.

China ist der weltweit größte Wachstumsmarkt für Elektromobilität – dem trägt die Formel E 2026 mit Rennen in Shanghai und Sanya Rechnung. Obwohl BYD, Geely oder SAIC längst international mit E-Autos unterwegs sind, wartet die Rennserie bislang vergeblich auf einen Einstieg eines dieser Konzerne.

Ein Grund: Viele chinesische Marken sind noch jung und haben Motorsport historisch kaum als Marketinginstrument genutzt. Anders als klassische Hersteller mit Verbrenner-Vergangenheit fehlt oft die gewachsene Rennsportkultur. Im riesigen Heimatmarkt war zusätzliche Aufmerksamkeit lange schlicht nicht nötig.

Dodds: "Das Timing muss stimmen"

"Der chinesische Markt ist weltweit der am schnellsten wachsende Markt für Elektrofahrzeuge, und es ist logisch, dass chinesische Hersteller in die Formel E einsteigen wollen", sagt Formel-E-CEO Jeff Dodds bei SoyMotor. "Aber das Timing muss stimmen, und das ist eine Kombination aus mehreren Faktoren."

Dodds verweist vor allem auf die Prioritäten der Hersteller: "Sie sind sehr stark auf den heimischen Markt fokussiert. Wenn sie global verkaufen wollen, müssen sie den Fokus auf eine globalere Plattform verlagern. Das ist der wichtigste Punkt. Als Nächstes müssen sie ihr Wissen über den Motorsport erweitern, denn sie haben keine lange Tradition in der Formel 1 oder der Formel E und müssen daher mehr darüber lernen, wie Motorsport ihnen helfen kann."

Dass es früher oder später dennoch passiert, hält Dodds für wahrscheinlich: Mindestens eine chinesische Elektromarke werde den Schritt gehen, um international bekannter zu werden "Ich glaube, dass wir einen chinesischen Hersteller in der Weltmeisterschaft sehen werden, aber sicherlich nicht zu Beginn der Gen4-Ära."

Praktisch spricht auch der Zeitplan dagegen: Die derzeit eingeschriebenen Hersteller haben mit der Entwicklung ihrer Gen4-Antriebe längst begonnen. Der logische Zeitpunkt zum Einstieg für einen neuen Hersteller wäre daher Ende 2028: Dann startet die 15. Formel-E-Saison und damit die zweite Phase der Gen4-Ära, in der alle Hersteller neue Antriebe entwickeln dürfen.

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