Formel E

Dragon, Venturi oder Andretti: Der Kampf um die "goldene Ananas"

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Während sich Journalisten aus allen Ländern auf das Duell an der Spitze des Formel-E-Feldes fokussieren, gibt es kurz vor dem Saisonfinale in Montreal auch ein anderes überaus spannendes Elektro-Duell, das am kommenden Wochenende in Kanada entschieden wird. Anders als Renault e.dams, die als Team-Champions zum dritten Mal in Folge beinahe feststehen, wird es im Mittelfeld noch einmal richtig eng. Gleich drei Teams gehen mit nahezu gleicher Punktzahl in das finale Rennwochenende - die Meisterschaft zwischen den Plätzen sechs und zehn ist komplett offen. Es geht um Ruhm, Ehre, Prestige - und jede Menge Preisgeld.

Die Formel-E-Saison 2016/17 schrieb zahllose Geschichten. Da gibt es natürlich das Buemi-di-Grassi-Duell an der Spitze des Fahrerfeldes. Es gibt die Pechsträhne von Daniel Abt. Das Sensationsteam Mahindra oder das ungenutzte Potenzial von Techeetah und Jean-Eric Vergne.

Und dann ist da dieser eine Kampf im Mittelfeld, den bis zuletzt niemand wirklich wahrgenommen hat. Vielleicht, weil es in der Formel E kein wirkliches Schlusslicht gibt. Theoretisch könnte fast jedes Team aus dem Stand aufs Podium fahren, aber irgendwer muss nun einmal Letzter werden. Aktuell ist es das Jaguar-Team, das mit 21 Punkten die "rote Laterne" der Formel E tragen muss.

Doch nur neun Punkte vor den Briten spielt sich ein Dreikampf ab, den es so noch nie in der Formel E gab: Sowohl Dragon als auch Andretti liegen mit 30 Punkten in der Meisterschaft gleichauf, Venturi (28) lauert nur zwei Punkte dahinter. 31 Zähler vor den Monegassen droht NextEV nach der ersten Doppel-Null der Saison in New York abzurutschen. Kurzum: Im Kampf um das Mittelfeld ist die Messe noch lange nicht gelesen.

Das Momentum liegt bei Dragon

Das Momentum vor dem Montreal ePrix liegt womöglich bei Dragon Racing. Zuletzt sammelte das frankophone Fahrerduo Duval/d'Ambrosio elf Punkte in den USA - und wäre es nicht zum Crash im Sonntagsrennen gekommen, wäre die Ausbeute noch deutlich besser gewesen. Nach der (schon beinahe traditionellen) Schwächephase in der Europa-Saison setzt das Team von Jay Penske jetzt zum Endspurt an.

Aber auch Andretti und Venturi solltest du nicht unterschätzen. Nach einem sehr guten Saisonstart in Hongkong profitierte Andretti nur noch beim Chaos-Rennen in Paris und staubte Punkte ab. Dass Robin Frijns in New York gleich zweimal in die Top 10 fuhr und insgesamt vier Zähler auf das Teamkonto einzahlte, ist wichtig für die Motivation im Team.

Und auch die Monegassen vom Venturi-Team hatten zuletzt zumindest teilweise Grund zur Freude: Der New-York-Sonntag war das zweitbeste Teamresultat der Saison nach dem Heimrennen in Monaco, als Maro Engel als Fünfter zehn Punkte einstrich. Tom Dillmann als konstante Punktemaschine scheint dem Team gutzutun. Aber reicht das wirklich im Kampf gegen Dragon und Andretti? Wir werden es sehen.

Montreal-Ergebnis wichtig für Entwicklung ab Saison 5

Auf dem Spiel steht nicht nur eine finale Wertungstabelle und Prestige im Fahrerlager - in Montreal geht es um bares Geld. Jeder Meisterschaftspunkt wurde in der letzten Formel-E-Saison mit über 3.700 Euro prämiert. Der Wert für 2016/17, den wir leider nicht genau kennen, dürfte entweder gleich geblieben oder sogar noch gestiegen sein.

Jeder Cent, den ein Team in der aktuellen Saison sammelt, fließt damit direkt in die Entwicklung des Antriebs für die fünfte Formel-E-Saison. Schließlich sind die Next-Gen-Elektroantriebe bis zum Saisonfinale 2017/18 bereits homologiert und durch die Crashtests gegangen. Es steht viel auf dem Spie - von wegen goldene Ananas!

Für das Kanada-Rennen gilt also: volle Attacke. Das gesamte Formel-E-Feld ist motiviert, die Saison mit einem guten Ergebnis ausklingen zu lassen. Punkte gibt es allerdings nur für die ersten zehn Plätze - wird es einer der Dragon-, Venturi- oder Andretti-Piloten schaffen? Wir bleiben gespannt.

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