Formel E

Drama in Berlin: Norman Nato gewinnt Formel-E-Finale, Nyck de Vries & Mercedes sind Weltmeister

Timo Pape

Timo Pape

Der erste Weltmeister der Formel-E-Geschichte heißt Nyck de Vries. Dem Niederländer reichte beim dramatischen Finale von Tempelhof ein achter Platz, weil viele andere Rivalen ausschieden. Auch die Teammeisterschaft ging an Mercedes-EQ. Den Rennsieg holte sich überraschend Norman Nato im Venturi vor Oliver Rowland und Stoffel Vandoorne.

Das Saisonfinale 2021 hätte dramatischer nicht beginnen können: Der drittplatzierte Mitch Evans - Favorit auf den Meistertitel - kam nicht von der Stelle, als die Ampeln ausgingen. Die ersten Fahrzeuge hinter ihm konnten dem stehenden Jaguar gerade noch ausweichen, Edo Mortara jedoch nicht. Der Venturi-Pilot, der ebenfalls noch gute Chancen auf die Meisterschaft hatte, krachte seinem Kontrahenten mit Wucht ins Heck. Beide Autos nahmen großen Schaden, Evans wurde gedreht.

Beide Piloten konnten glücklicherweise aus eigener Kraft aussteigen, wenngleich Mortara sichtlich angeschlagen in die Box zurückhumpelte. Evans erklärte wenig später im TV-Weltsignal, dass es ein technisches Problem gegeben habe, und wie sehr der Verlust des möglichen Titels schmerze. Nach dem Interview brach er in Tränen aus.

Die Rennleitung hatte bereits kurz nach dem Unfall das Safety-Car auf die Strecke geschickt und das Rennen wenig später mit roten Flaggen unterbrochen. Die Zeit wurde bei 42:59 verbleibenden Minuten. angehalten. Alle Fahrzeuge reihten sich in der Boxengasse hintereinander auf und warteten, bis die Aufräumarbeiten auf der Start- und Zielgeraden beendet waren. Die besten Chancen auf die Meisterschaft hatten nun Jake Dennis, der zu diesem Zeitpunkt Achter war, und Nyck de Vries als Zwölfter.

Das Drama geht weiter: Dennis scheidet beim Neustart aus

Nach einer 25-minütigen Pause ging es schließlich mit einem "fliegenden" Start hinter dem Safety-Car weiter. Pole-Sitter Stoffel Vandoorne führte das Feld beim Neustart weiterhin an. Hinter ihm folgten Oliver Rowland und Alexander Sims.

Dahinter wurde es jedoch noch dramatischer: Kurz nach der Rennfreigabe erlitt vermeintlich die Hinterachse des BMW von Jake Dennis einen Schaden! In der Anbremszone von Kurve 1 verlor er sein Auto und schlug seitlich an der Mauer an. In der Auslaufzone blieb er letztlich stehen - der nächste Titelkandidat war raus!

Während die Rennleitung Full-Course-Yellow ausrief, haderte Dennis mit der vergebenen Titelchance am Ende einer beeindruckend starken Rookie-Saison. Nutznießer war de Vries, der nun der letzte verbliebene Meisterschaftsanwärter in einer halbwegs guten Position war. In Führung lag beim zweiten Neustart weiterhin Vandoorne, der plötzlich auf Kurs Vizemeisterschaft war.

Auch Felix da Costa aus dem Spiel

Nach zwölf Minuten aktivierte Norman Nato als Erster seinen ersten von zwei verpflichtenden Attack-Modes (à vier Minuten). Anschließend fuhren auch weitere Piloten der Spitzengruppe durch die Attack-Zone - bis auf Vandoorne. Folgerichtig musste der Belgier wenig später seine Führung an Nato abgeben, und auch Sims ging an ihm vorbei. Vandoorne fiel bis auf Rang 4 zurück, bevor auch er seinen ersten Boost holte. So führte Nato das Rennen gegen Halbzeit an. Dahinter kämpfte Rowland gegen Sims, der sich letztlich im Attack-Mode durchsetzte.

In den Top 10 spielten sich einige sehenswerte Zweikämpfe ab. Unter anderem schnappte sich Andre Lotterer Vandoorne. Rowland holte sich Platz 2 von Sims zurück. Pascal Wehrlein geriet mit de Vries aneinander - der Mercedes-Pilot setzte sich jedoch im Attack-Mode durch. Dann krachte es: Lucas di Grassi überraschte Antonio Felix da Costa in Kurve 2 und stach innen rein. Beim Herausbeschleunigen waren beide Fahrer nebeneinander und ließen nicht locker. Di Grassi drückte Felix da Costa auf der Außenbahn in die Mauer und beschädigte dessen Fahrzeug so sehr, dass der Portugiese aufgeben musste. Di Grassi erhielt später eine Durchfahrtsstrafe.

Erneut kam kurzzeitig das Safety-Car auf die Strecke. Beim Neustart ging es wild zu, doch Nato verteidigte seine Führung. De Vries rückte zunächst auf Platz 3 vor, nahm dann aber gemeinsam mit seinem Teamkollegen Vandoorne Lotterer ins "Sandwich". Es kam zum Kontakt zwischen dem Deutschen und Vandoorne. De Vries verlor auf der Außenbahn wieder vier Positionen. Sims damit zurück auf Rang 3 vor Lotterer, Vandoorne und Wehrlein. Im Attack-Mode arbeitete sich Vandoorne jedoch schnell wieder vor auf Platz 3. Auch die beiden Porsche-Fahrer machten rundenlang Druck auf Sims, doch der Mahindra-Fahrer konnte sich behaupten.

In der letzten Minute überholte Lotterer mit der Brechstange Sims und rückte auf Platz 4 vor. Wehrlein geriet indes abermals mit de Vries aneinander. Dann die letzte Runde der Saison: Bird überholte noch de Vries für Platz 7, und auch dahinter kam es noch zu einigen harten Duellen. Letztlich brachte Nato seinen ersten Formel-E-Sieg über die Ziellinie, de Vries wurde Achter und damit Weltmeister.

Mercedes ist Teamweltmeister, Mortara auf Platz 2

Durch die Positionen 3 und 8 sicherte sich Mercedes - ausgerechnet nach dem Bekanntwerden des vermeintlichen Formel-E-Ausstiegs - die Team-WM. Jaguar wurde Zweiter vor DS Techeetah und Audi. BMW beendete seine letzte Formel-E-Saison auf dem sechsten Platz, Porsche wurde Achter.

In der Fahrerwertung holte Mortara trotz seines Ausfalls am Start noch die Vizemeisterschaft vor Jake Dennis, Mitch Evans und Robin Frijns. Bester Deutscher in der Saison 2021 war Pascal Wehrlein auf dem elften Gesamtrang.

Nach dem Finalwochenende in Berlin erwartet die Formel E eine lange Pause: Erst am 28. Januar 2022 geht es mit der achten Saison weiter - dann ohne die Werksteams von Audi und BMW, die am Sonntag ihren letzten E-Prix bestritten haben.

Ergebnisse & Zeiten

Gesamtwertung (Fahrer & Teams)

Zurück

1 Kommentare

Ricardo ·

Gerade mal nachgeguckt: die 99 Punkte hätten für gewöhnlich deutlich nur für Platz 3-6 gereicht - und das weniger (2 bis 5) Rennen! :D

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 1 und 5?
Advertisement