Formel E

DS Penske nach Formel-E-Rennen in Diriyya kein Topteam mehr: "Sind nicht da, wo wir sein müssen"

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Ernüchterung bei DS Penske: Das einstige Topteam der Formel E schloss die jährliche Dienstreise nach Saudi-Arabien mit mageren sechs Zählern aus zwei Rennen ab. In Diriyya zeigte sich erneut, dass der Antrieb der erfolgsverwöhnten Marke aus dem Hause Stellantis bislang nicht auf dem Niveau von Porsche und Jaguar ist. Entsprechend frustriert zeigten sich die beiden Fahrer Jean-Eric Vergne und Stoffel Vandoorne - das vermeintlich stärkste Line-up der Formel E.

Für DS Penske war der Freitag trotz frühzeitigem Aus im Qualifying der erfolgreichere Tag des Wochenendes: Jean-Eric Vergne beendete das Rennen auf dem siebten Platz, Stoffel Vandoorne verpasste als Elfter die Punkteränge denkbar knapp. Es sollten die einzigen Zähler für den Rennstall bleiben.

Im Qualifying am Samstag deutete sich eigentlich ein Aufwärtstrend an: Mit Vandoorne erreichte zum ersten Mal in dieser Saison ein Fahrer des Teams die Duellphase. Im direkten Vergleich mit Sebastien Buemi unterlag der Belgier jedoch deutlich, sodass er vom achten Startplatz ins Rennen gehen musste.

Der amtierende Formel-E-Weltmeister verlor direkt am Start eine Position an Jaguar-Pilot Sam Bird. Bei der Aktivierung seines ersten Attack-Modes musste Vandoorne Max Günther zunächst passieren lassen. Als Günther durch die Attack-Zone fuhr, zeigte sich das umgekehrte Bild: Vandoorne ging wieder am Deutschen vorbei. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte der Belgier jedoch bereits mit Problemen.

Vandoorne: "Heute war ein Scheißtag"

"Leider verlor ich nach vier oder fünf Runden die Lenkradanzeige und die Funkverbindung zum Team", beschreibt Vandoorne nach dem Rennen. "Ich hatte also keine Informationen, um meine Energie zu verwalten." Obwohl Vandoorne laut der Einblendung im TV-Signal einen Energievorteil gegen seine direkten Konkurrenten hatte, war er sich dessen weder bewusst, noch konnte das Team ihn informieren.

"Sämtliche Funktionen des Lenkrads fielen aus", beschreibt der Belgier bei 'Motorsport.com'. "Ich konnte sie einfach nicht mehr aktivieren. Ich habe versucht, die (Attack-Mode-) Prozedur zu starten, aber ich wusste, dass ich disqualifiziert würde."

In Runde 37 fuhr er schließlich durch die Attack-Zone und verlor zwei Positionen an Sacha Fenestraz und Dan Ticktum, der Attack-Mode ließ sich jedoch nicht aktivieren. Nicht nur, dass Vandoorne die höhere Leistung von 350 kW nicht nutzen konnte - er beging damit auch einen Regelbruch: Zwei Verwendungen des Attack-Modes sind in dieser Saison zwingend vorgeschrieben. Die Rennkommissare verpassten ihm nachträglich eine Durchfahrtsstrafe, die Vandoorne vom elften auf den 20. und letzten Platz zurückwarf.

"Unser Energiemanagement scheint gut zu sein", sieht Vandoorne einen Hoffnungsschimmer. "Aber wir waren bisher nicht in der Lage, das zu nutzen. Bei mir hat heute nichts funktioniert. Aber anscheinend hatte ich immer noch drei bis vier Prozent mehr Energie als alle anderen. Fragt mich nicht, wie das ging. Heute war ein Scheißtag."

Mit Blick auf die ersten drei Rennen 2023 meint er: "Es war bislang ein extrem herausfordernder Saisonstart für uns. Wir sind nicht da, wo wir sein müssen, und brauchen ein paar große Verbesserungen, um wieder vorn mitmischen zu können. Vor uns liegt ein langer Weg, aber dieses Team, DS Penske, kann es schaffen."

Vergne: "Das tut weh - anders kann man es nicht sagen"

Auch bei Jean-Eric Vergne lief es nicht viel besser: Dem zweimaligen Formel-E-Champion gelang keine gute Qualifying-Runde. Rang 8 in der Gruppenphase bedeutete am Ende nur Startplatz 16. Im Rennen duellierte sich der Franzose mit seinen früheren Teamkollegen Antonio Felix da Costa und Andre Lotterer. Er musste die beiden Fahrer mit Porsche-Antrieben jedoch ziehen lassen.

Im Kampf um Position 16 geriet Vergne mit seinem Landsmann Norman Nato aneinander und verlor nach einer Berührung mit dem Nissan in der letzten Kurve deutlich an Boden. Im Ziel reichte es somit nur für Rang 16. Vergne profitierte dabei noch von der Strafe gegen seinen Teamkollegen und den Energieproblemen von Maximilian Günther, der kurz vor der Ziellinie ausrollte.

"Es ist lange her, dass wir in einer Position waren, in der uns pure Performance fehlt und sich ein Punkteresultat wie ein Sieg anfühlt", schreibt Vergne in einem Twitter-Post. "Das tut weh - anders kann man es nicht sagen. Aber es motiviert uns auch mehr denn je, an die Spitze zurückzukehren. Wir werden nicht aufgeben."

"Heute hatte ich einfach nicht die Pace - weder im Qualifying noch im Rennen", konstatiert Vergne. "Wir haben viele Dinge ausprobiert und müssen das Auto weiterentwickeln, um Fortschritte zu machen. Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit, die das Team das ganze Wochenende über geleistet hat. Und ich denke, ich bin gut gefahren. Aber wir waren einfach nicht schnell genug. Ich hoffe, dass wir die Dinge in naher Zukunft verbessern können."

Viel Zeit bleibt DS Penske dabei nicht: Bereits in knapp zwei Wochen steht mit dem Hyderabad E-Prix der nächste Lauf der Formel-E-Weltmeisterschaft 2023 an.

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