Formel E

"Echt dreckig", aber "alles in Ordnung" - Felix da Costa & di Grassi erklären Formel-E-Crash am Berlin-Sonntag

Timo Pape

Timo Pape

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Antonio Felix da Costa und Lucas di Grassi - vor dem Sonntagsrennen von Berlin beide noch mit Chancen auf den Meistertitel - gingen beim Saisonfinale leer aus. Grund dafür war ein Unfall nach rund 30 Minuten Rennzeit. Felix da Costa schied aus, di Grassi erhielt für die Aktion eine Strafe. Nach dem Rennen bedauerten und erklärten beide Fahrer den Zwischenfall.

Di Grassi machte im Mittelfeld Druck auf den noch amtierenden Meister im DS Techeetah und näherte sich auf dem Weg in Kurve 2. Zunächst täuschte der Audi-Pilot auf der Außenbahn an, stach im letzten Moment jedoch überraschend innen rein. Beide fuhren nebeneinander durch die Linkskurve, keiner gab nach. Am Kurvenausgang kam es zur Berührung.

Felix da Costa krachte zwangsläufig gegen die Mauer und beschädigte sich dabei die rechte Frontpartie sowie den Frontflügel, sodass es für ihn nicht mehr weiterging. Di Grassi konnte ohne Beschädigung weiterfahren. Nach einer Safety-Car-Phase, in der das Unfallfahrzeug geborgen wurde, sprach die Rennleitung eine Durchfahrtsstrafe gegen di Grassi aus. Somit hatte auch der Audi-Pilot keine Chance mehr auf ein gutes Ergebnis.

"Ich war ein bisschen schneller als da Costa, bin nach innen gezogen, dann hat das Auto untersteuert", erklärt di Grassi den Unfall gegenüber 'e-Formel.de'. "Deshalb habe ich ihn ein kleines bisschen berührt - gerade ausreichend, um ihn in die Mauer zu schicken. Es war nur eine minimale Berührung, aber genau an der falschen Stelle, denn ich habe seinen Frontflügel und Vorderreifen getroffen. Dadurch steuerte er in die Mauer (siehe Video unten bei 2:05 Minuten)."

Di Grassi: "Absolut nicht meine Absicht"

"Das war absolut nicht meine Absicht - wirklich unglücklich", stellt di Grassi klar. "Ich habe versucht, ihm Platz zu lassen, aber trotzdem kam es zu dieser kleinen Berührung. Am Ende war es eigentlich nur ein Rennzwischenfall, der allerdings sein Rennen zerstört hat. Dafür habe ich eine Strafe erhalten, und das Rennen war gelaufen. Man kann beide Sichtweisen verstehen. Ich habe mich entschuldigt, denn er war zurecht aufgebracht."

Video: Die Highlights vom Formel-E-Sonntagsrennen in Berlin

Mit der Durchfahrtsstrafe ist di Grassi trotzdem nicht einverstanden: "Ich denke, sie war zu hart und echt unglücklich. Ich glaube, sie haben mich wegen des Ausgangs der Aktion bestraft, nicht wegen des Manövers an sich."

"In einer normalen Situation sollte man meiner Meinung nach die Aktion selbst bewerten, nicht den Outcome", findet der Meister von 2017. "Ich habe ihn auch nicht von hinten angeschoben - wir waren nebeneinander. Ich bin sicher: Wenn da keine Mauer gewesen wäre, hätte es auch keine Strafe gegeben. Wir haben in der Formel E schon viel schlimmere Aktionen gesehen, die keine Strafe nach sich gezogen haben."

Felix da Costa: "Ein solches Manöver zu fahren, ist schon echt dreckig"

Felix da Costa war nach dem Rennen erwartungsgemäß frustriert. Aus seiner Sicht hätte er nichts anderes tun können: "Ich wurde von di Grassi komplett in die Mauer gedrückt", unterstreicht er am Mikrofon von 'e-Formel.de'. "Er ist ein Weltmeister und ein überragender Fahrer, und ein solches Manöver zu fahren, ist schon echt dreckig. Ich bin traurig, weil wir hart gearbeitet und alles gegeben haben."

Dennoch lenkt auch der Portugiese ein: "Um ihm gegenüber fair zu sein: Er ist schon zu mir gekommen und hat sich entschuldigt. Er sagte mir, es habe ihm das Lenkrad aus der Hand geschlagen, als wir uns berührten. Das ist natürlich schade. Aber er hat sich entschuldigt, also ist alles in Ordnung."

Mit der Titelverteidigung wurde es somit nichts. Felix da Costa beendete sein siebtes Formel-E-Jahr als Gesamtachter - einen Punkt und Platz hinter di Grassi. Sein Saisonfazit: "Wir hatten unsere Höhen und Tiefen, aber wir dürften nicht enttäuscht darüber sein, dass wir diese Meisterschaft gegen so tolle Teams und Fahrer verloren haben. Mercedes und Nyck (de Vries) haben das gut gemacht."

"Es tut weh, weil wir keine guten Verlierer sind. Wir werden das aber während der Saisonpause in Motivation und Hunger umwandeln, um noch stärker zurückzukommen", so Felix da Costa. Die achte Formel-E-Saison beginnt Ende Januar 2022 - viel Zeit, um hungrig zu werden.

zusätzliche Berichterstattung durch Tobias Wirtz

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1 Kommentare

Alf ·

Es hat jetzt auf der engen Strecke auch wieder einige Unfälle gegeben.
Warum fährt man die Formel 1 Elektro nicht auf den richtigen Strecken der Formel 1 Verbrenner? Man ist dann zwar nicht mehr in der Stadt und nah bei den Menschen, aber dafür hat man auf der anderen Seite breitere Strecken und weniger Unfälle.
Das man das erst im Anfang gemacht hat, verstehe ich aber jetzt naxh so vielen Jahren wundert mich das doch etwas. Statt Berlin könnte ich mir hier den Lausitzring vorstellen.
Oder sind die Kosten für die Formel 1 V Strecken zu teuer??

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