"Ehrgeizigste Neuerung für den gesamten Motorsport" - Formel E veröffentlicht Details zum Pit-Boost
Timo Pape
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Adam Pigott / Spacesuit Media
Formel E und FIA haben am Donnerstag endlich offiziell den Pit-Boost-Einsatz in dieser Saison und beim anstehenden Jeddah E-Prix bestätigt. Dabei nannte die Elektroserie einige technische Details zum Ablauf der neuen Schnelllade-Boxenstopps. Die Verantwortlichen äußerten sich euphorisch.
Wie berichtet kommt der Pit-Boost, der ursprünglich zum Start der Gen3-Ära Anfang am 14. Januar 2023 in Mexiko debütieren sollte, immer an einem der beiden Tage der "Double-Header" in dieser Saison zum Einsatz - erstmals beim E-Prix in Jeddah (14./15. Februar 2025). An welchem der beiden Renntage die Fahrer zum Nachladen an die Box kommen müssen, ließ die Formel E aber weiterhin offen.
Fakt ist, dass jeder Pilot einmal im Rennen einen Pflichtstopp absolvieren muss, wobei ein Team nicht beide Fahrer gleichzeitig reinholen darf/kann, da es nur ein Ladegerät pro Team gibt. Sollte dies ausfallen, gibt es voraussichtlich zwei Ersatz-Ladegeräte der FIA in Boxengasse, die in diesem Fall genutzt werden können.
21 Tage vor jedem Rennen will die FIA das "Pit-Boost-Fenster" bekannt geben, das auf dem prozentualen SOC (Status of Charge) der Batterie basiert. So dürften die Fahrer beispielsweise nur in einem Fenster zwischen 60 und 40 Prozent Restenergie an die Box kommen.
Schnelllade-Boxenstopps mit 600 kW
Für den Boxenstopp wurde eine Mindeststandzeit von 34 Sekunden festgelegt. In dieser Zeit werden die Batterien mit 600 kW Leistung geladen und erhalten dabei 3,85 kWh Energie, was gut zehn Prozent der Akkukapazität entspricht. Beim Ladevorgang dürfen maximal zwei Mechaniker direkt am Auto arbeiten. Hinzu kommt ein "Lollypop-Mann", der das Fahrzeug stoppt und wieder losfahren lässt.
Der Pit-Boost ist - entgegen ursprünglicher Pläne - gänzlich unabhängig vom Attack-Mode, der weiterhin ab Runde 2 in der Attack-Zone aktiviert werden kann. Der Ladevorgang soll die durchschnittlichen Renngeschwindigkeiten der Formel E erhöhen, weil die Fahrer dadurch weniger rekuperieren müssen und mehr Vollstrom geben können. Inwieweit es zu längeren Renndistanzen durch den Pit-Boost kommt, bleibt abzuwarten.
"Nach einem umfangreichen Test- und Simulationsprozess freuen wir uns, der Welt endlich diese bahnbrechende Technologie präsentieren zu können", sagt Alberto Longo, Mitbegründer und Chief Championship Officer der Formel E - mehr als zwei Jahre nach den ersten Schnelllade-Tests. "Sie ist eine der ehrgeizigsten und wirkungsvollsten Neuerungen nicht nur für unsere Serie, sondern für den gesamten modernen Motorsport."
"Erneut die Grenzen der Elektromobilität erweitern"
Der Pit-Boost werde Teams und Fahrer vor die Herausforderung stellen, unter großem Druck Entscheidungen zu treffen. "Das Potenzial für dramatische Überholmanöver, unerwartete Wendungen und Einfallsreichtum wird die Spannung für unsere Fans erhöhen und das Engagement der Formel E und der FIA für Innovation nochmals unterstreichen", ist sich der Spanier sicher."
"Als eine Serie, die geschaffen wurde, um den Technologietransfer von der Rennstrecke auf die Straße zu verbessern, markiert dies einen wichtigen Schritt nach vorne für das zukünftige Potenzial von Elektrofahrzeugen", so Longo. Auch Marek Nawarecki, Senior Circuit Sport Director der FIA, findet, dass der Pit-Boost "erneut die Grenzen der Elektromobilität erweitern kann".
Es bleibt abzuwarten, wie sich der Pit-Boost auf die Renndynamik auswirkt. Viele rechnen mit einem noch größeren Chaos als bisher, weil die Fahrer durch die lange Standzeit plus Boxenein- und -ausfahrt rund eine Minute verlieren dürften, was das Feld auseinanderreißen könnte. In gut drei Wochen wissen wir mehr.
3 Kommentare
Chris ·
Kann mir kurz Jemand helfen?
34 sec = 0.00944h
0.00944h × 600kw ~= 5.67kwh
Mache ich da was falsch?
Derbe_klopp_te ·
Ich denke, die Standzeit wurde absichtlich so hoch gewählt, damit für der eigentliche Ladevorgang ganz in Ruhe stattfinden kann und es nicht zu hektik/Sicherheitsproblemen kommt, weil alle so schnell wie möglich arbeiten wollen.
Ähnlich hat man das mit den Autowechseln in den ersten Jahren gemacht.
Es sollte alles in ruhe passiere, so konnte man checken, dass auch alle richtig angeschnallt sind usw, damit nix unnötiges passiert.
EffEll ·
Bei den 34 Sekunden handelt es sich ja um die Mindesthaltezeit, also eine reine Brutto Standzeit, die eine gewisse Karenzzeit beinhaltet. Bis das Auto steht und der Boost-Charger händisch eingesteckt worden ist, vergeht noch die ein oder andere Sekunde. Entgegen ersten Planungen gibt es ja kein kabelloses Laden welches sofort starten kann, sobald das Auto auf entsprechender Fläche hält. Dementsprechend ist noch immer der Faktor Mensch ausschlaggebend und es wird interessant zu beobachten sein, welches Team die Fahrzeuge am besten und fehlerfreiesten abfertigen wird. Ich freue mich sehr darauf das beobachten zu können!
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