Formel E

"Ein einziges Desaster" - Formel-E-Fahrer wegen gelösten Werbebannern frustriert

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

Rene-Rast-Puebla-Close-up-Fisheye

Beim Formel-E-Rennen in Puebla sorgten von den Wänden gelöste Werbebanner erneut für Unmut im Fahrerlager. Zahlreiche Piloten beklagten sich nach dem E-Prix über die Kunststoffstreifen, die sich an ihren Fahrzeugen verfangen hatten - mehrere mussten das Rennen sogar aufgeben. Porsche-Fahrer Andre Lotterer fordert nun: Aus Sicherheitsgründen sollte die Formel E die Platzierung der Banner überdenken.

Insbesondere im Sonntagsrennen hatte ein von der Wand gelöstes Werbebanner großen Einfluss auf den Verlauf des E-Prix. Den Streifen entfernte zunächst Alexander Sims (Mahindra) von der Mauer, als er in einem kontaktreichen Positionskampf mit Andre Lotterer (Porsche) aneinandergeriet. Lotterer gab das Banner schließlich an Antonio Felix da Costa (DS Techeetah) weiter.

Der Portugiese verlor kurz darauf die Kontrolle über sein Fahrzeug und gab das Rennen nach einem heftigen Mauerkontakt in Kurve 7 auf. "Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", zeigt sich Felix da Costa bei 'Motorsport.com' enttäuscht. "Der Mahindra und Lotterer sind in die Wand gefahren und haben gute 40 Meter des Sponsorenbanners abgerissen. Das Teil wanderte über drei andere Fahrzeuge zu mir, wo es sich nicht mehr löste. Es ging einfach nicht weg."

Am Techeetah-Renner bedeckte das Banner den Lüftungsschacht der Vorderbremsen. "Die Temperaturen gingen durch die Decke", berichtet der 29-Jährige, "ich hatte einfach keine Balance mehr. Es war sehr schwer, das Auto zu fahren. Es ging nur noch ums Überleben."

"Ich kann nicht alle Hintergründe erklären, aber weil das Banner 'im Weg' war, war mein Fahrzeug sehr verwirrt. Wir haben eigentlich eine sehr smarte und ausgeklügelte Software, (doch durch das Banner) verstand mein Auto nicht mehr, was passiert ist."

Sims verliert mögliches Top-10-Ergebnis durch zerfetztes Banner

Auch Robin Frijns (Virgin) und Rene Rast (Audi) sammelten Teile des Werbebanners auf. "Einfach ausgedrückt hat dieses Teil die Fahrzeugbalance und Effizienz stark verändert", bestätigt auch der Deutsche bei 'The Race'. "Leider nahm der Grip im Verlauf des Rennens außerdem ab, weil der Asphalt aufbröckelte und neben Gummiteilen auch kleine Steinchen auf der Ideallinie lagen."

Der Audi-Fahrer beendete das Rennen, das er von Startposition 24 aufgenommen hatte, knapp hinter Jean-Eric Vergne (DS Techeetah) und Mitch Evans (Jaguar) auf dem zehnten Platz. Möglicherweise hätte er ohne den Zwischenfall mit dem Banner ein noch besseres Ergebnis erzielt.

Alexander Sims musste das Rennen, genau wie Felix da Costa, nach dem Unfall mit Lotterer sogar aufgeben. Zwar lösten sich große Teile des Werbebanners von seinem Fahrzeug, allerdings reichte ein kleiner Fetzen, der sich zwischen dem Hinterrad und der Motorabdeckung verfing, um das Rennende des Mahindra-Fahrers zu besiegeln.

Lotterer: "Müssen mit Blick auf die Sicherheit etwas unternehmen"

"Ich habe die gesamte Performance verloren, das war ein einziges Destaster", berichtet auch Lotterer. Der Deutsche wurde nach der karierten Flagge als 17. gewertet. "Wir sollten mit Blick auf die Sicherheit etwas unternehmen, da gibt es noch viel Raum für Verbesserungen. (Für den Sport) sieht das einfach schlecht aus, weil dieser Zwischenfall das Rennen vieler Leute ruinierte."

Lotterers Vorschlag: "Vielleicht sollten wir die Mauern einfach anmalen. Diese Banner sind nervig. Und ohnehin gibt es doch schon genügend Plastik auf dieser Welt, oder?"

Die Formel E vertraut bei ihren Werbebannern seit zwei Saisons auf den recyclebaren Kunststoff Polypropylen. Erstmals wurden beim Rom E-Prix 2019 die Streckenbegrenzungen mit den nachhaltigeren Bannern beklebt. Im Vergleich zu den zuvor eingesetzten PVC-Streifen will die Serie somit bis zu 35 Kilometer Plastikabfälle vermeiden, die nach jedem Rennen entsorgt werden müssten.

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