Formel E

"Eindeutiges Defizit": Formel-E-Chef Reigle beklagt mangelnde Gleichstellung im Motorsport

Tobias Bluhm

Tobias Bluhm

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Mit wenigen Ausnahmen ist der internationale Motorsport auch im Jahr 2021 noch vorrangig eine "Männerdomäne". In der Formel E ist Simona de Silvestro derzeit die einzige (Ersatz-) Fahrerin im Paddock, nur wenige Teams setzen an der Rennstrecke Ingenieurinnen ein. Die mangelnde Diversität beschäftigt auch Jamie Reigle, den Geschäftsführer der Formel E. Eine Frauenquote unterstützt der Kanadier trotzdem nicht explizit.

"Aus unserer Perspektive ist es so: Wir hatten eine Fahrerin in Saison 1. Es gibt also ein Argument, dass es im Motorsport immerhin das Konzept von Gleichstellung gibt, zumindest in Sachen der Fahrerinnen und Fahrer", holt Reigle aus. In der Formel-E-Historie gab es mit de Silvestro, die vor ihrem aktuellen Engagement als Porsche-Reservefahrerin in den ersten zwei Saisons für Andretti startete, Katherine Legge (Saison 1: Aguri) und Michela Cerruti (Saison 1: Trulli) sogar drei Fahrerinnen.

Auf eine Frage von 'e-Formel.de' in einer Pressekonferenz erklärt Reigle weiter: "Dennoch gehe ich das etwas evidenzbasierter an und finde, dass wir uns angesichts der wenigen Frauen im Motorsport fragen sollten, ob wir talentierten Frauen ausreichend Möglichkeiten geben. Ich glaube, in dieser Hinsicht gibt es eindeutig ein Defizit."

Die Formel E unterstützt unter anderem die "Girls on Track"-Initiative der FIA, die den Weg für mehr Frauen im Rennsport ebnen will. "Ich glaube nicht, dass es nur Nachholbedarf bei Frauen in den Rennautos gibt. Es gibt auch Möglichkeiten bei den Ingenieurinnen und so weiter. Es ist ein ganzes System", findet Reigle.

In der Schwesterserie der Formel E, der Offroad-Meisterschaft Extreme E, müssen sich Männer und Frauen die Fahrzeuge teilen. Die Duos tauschen nach einer Runde auf den meist über fünf Kilometer langen Kursen das Steuer und sollen somit gleichermaßen zum Erfolg des Teams beitragen - ein Novum im Motorsport. "Die Extreme E wurde mit der Absicht gegründet, gleiche Bedingungen in den Cockpits zu schaffen", erklärt Reigle.

"In der Formel E definieren wir 'Gleichstellung' etwas breiter. Aber es gibt keinen Zweifel daran, auch mit Blick auf unseren Entwicklungsplan, dass es kaum globale Sportorganisationen gibt, die nicht irgendein Programm für mehr Frauen im Sport haben. Die einzige Ausnahme davon ist wohl die NFL in den USA."

Reigle, der vor dem Wechsel in die Formel E selbst für das NFL-Team der L.A. Rams arbeitete, ist von einer Frauenquote wie in der Extreme E oder in den Vorständen großer Unternehmen offensichtlich nicht überzeugt. Dennoch betont er: "Wir haben eine Verantwortung, uns das Thema Gleichberechtigung anzusehen. Und das werden wir auch, ohne an dieser Stelle viel mehr sagen zu wollen."

Welche Schritte die von Reigle geleitete Formel-E-Geschäftsführung für mehr Frauen im Rennsport plant, bleibt damit offen. Immerhin: Beim Rookie-Test 2021 hätte mit Alice Powell (Virgin) mindestens eine Frau ins Lenkrad greifen sollen. Durch eine Überarbeitung des Rennkalenders wurde der ursprünglich für Valencia geplante Test in diesem Jahr jedoch ersatzlos gestrichen.

Letztmalig nahmen somit bei den Rookie-Testfahrten 2020 in Marrakesch Frauen an einer offiziellen Formel-E-Session teil. Damals startete neben Powell auch die amtierende W-Series-Meisterin und Extreme-E-Fahrerin Jamie Chadwick für Jaguar.

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