Formel E

"Eine fantastische Reise" - Audi zieht nach Formel-E-Ausstieg positive Saisonbilanz

Timo Pape

Timo Pape

Rene-Rast-Lucas-di-Grassi-Audi-Halo

Mit einem Sieg beim Finale in Berlin hat Audi Sport sein Werksengagement in der Formel-E-Weltmeisterschaft beendet. Nach sieben Jahren blickt das Team auf eine erfolgreiche Geschichte in der Elektroserie zurück. Teamchef Allan McNish ist außerdem auf die Antriebseffizienz in Saison 7 stolz. Lucas di Grassi will im September verkünden, bei welchem Team es für ihn weitergeht.

"Thank you Formula E, it's been electrifying!", stand beim Berlin E-Prix am vergangenen Wochenende auf dem Halo-System der beiden Audi e-tron FE07 von Lucas di Grassi und Rene Rast - eine Botschaft an die Organisatoren und Fans, die Audi seit dem ersten Formel-E-Rennen am 13. September 2014 in Peking begleitet haben.

Schon damals ging der erste Sieg an Lucas di Grassi, und auch beim Ausstand der "Vier Ringe" am Samstag in Tempelhof stand der Brasilianer noch einmal ganz oben auf dem Treppchen. Mit seinem insgesamt zwölften Sieg in der Elektrorennserie wahrte di Grassi nicht nur bis zum letzten - weniger erfolgreichen - Rennen seine Chancen auf den Gewinn des WM-Titels. Er sorgte auch für einige feuchte Augen im Audi-Lager.

"Es war ein sehr emotionales Wochenende", sagt di Grassi. "In sieben Jahren haben wir mit Audi Sport, ABT und Schaeffler extrem viel erreicht. Dass diese erfolgreiche Partnerschaft nun zu Ende geht, ist sehr schade."

Seebach: "Waren ein Pionier in dieser Rennserie"

"Audi war der erste deutsche Automobilhersteller, der sich werkseitig in der Formel E engagiert hat", erklärt Julius Seebach, inzwischen Geschäftsführer der Audi Sport GmbH und für den Motorsport bei Audi verantwortlich. "Audi Sport ABT Schaeffler ist das erfolgreichste Team in der Formel E, und wir waren ein Pionier in dieser Rennserie. Nun wartet eine der größten Herausforderungen, die es im Motorsport gibt, auf uns: die Rallye Dakar."

Warum Audi nach den zahlreichen Erfolgen der Formel E den Rücken kehrt, um mit einem Hybridfahrzeug durch die Wüste zu fahren, ist vielen Fans und Beobachtern der Serie weiterhin ein Rätsel. Die von Audi Sport entwickelte 250 kW starke Motor-Generator-Einheit (MGU) aus dem Audi e-tron FE07 kommt immerhin weiter im Dakar-Fahrzeug zum Einsatz.

Ordentliche Abschiedssaison dank effizientem Antrieb

Mit der Audi MGU05 feierte Lucas di Grassi in der Saison 7 zwei Siege in Puebla (Mexiko) und Berlin (Deutschland). Teamkollege Rene Rast sorgte in Puebla für einen Doppelsieg des Teams. Der Deutsche holte 2021 sechsmal den Zusatzpunkt für die schnellste Rennrunde - damit war der gebürtige Mindener in dieser Disziplin der mit Abstand erfolgreichste Fahrer des Jahres.

Zwei weitere schnellste Runden, drei Pole-Positions und insgesamt fünf Podiumsplatzierungen steuerte das Kundenteam Envision Virgin Racing bei, das für Robin Frijns und Nick Cassidy zwei Audi e-tron FE07 einsetzte.

"Unsere größte Stärke in diesem Jahr war ganz sicher die Effizienz des Antriebs im Rennen", sagt Audi-Teamchef Allan McNish. "Lucas und Rene haben die Fans mit zwei Siegen, dem Doppelsieg in Mexiko und Aufholjagden begeistert. Es war eine unglaublich enge Saison mit harten Kämpfen auf der Strecke. Jeder in der Mannschaft kann extrem stolz auf das sein, was wir gemeinsam erreicht haben. Es war eine fantastische Reise."

Rekorden in diversen Statistik-Disziplinen

In den vergangenen sieben Jahren etablierte sich Audi Sport ABT Schaeffler als eines der erfolgreichsten Teams der Formel-E-Geschichte. Insgesamt 1.380 Punkte sammelte die Mannschaft in 84 Rennen (zur ewigen Bestenliste) - kein anderer Rennstall hat mehr. 14 Siege (Platz 2) und 47 Podiumsplatzierungen (Rekord) gehen auf das Konto des Teams. Di Grassi gewann in der Saison 2016/17 den Fahrertitel. In der ersten Saison als Werksteam holte Audi Sport ABT Schaeffler 2017/18 auf Anhieb die Teammeisterschaft. Weitere Rekorde hält das Team in den Disziplinen FANBOOST (76), schnellste Runden (21) und durchschnittliche Rennplatzierung (6,91).

Enttäuschend verlief jedoch der letzte Renntag in der Formel E: Rene Rast startete aus der Boxengasse und kämpfte sich noch auf Rang 9 nach vorn. Di Grassi wurde nach einer Durchfahrtstrafe, die er als "zu hart" empfand, 20.

"Im Qualifying fehlte mir eine Zehntelsekunde zur Super-Pole", ärgert sich di Grassi. Statt um die Pole-Position zu kämpfen, fand sich der Brasilianer auf Startplatz 17 wieder. "In der Formel E geht es immer eng zu - aber so eng war es gefühlt noch nie." Di Grassi und Rast beendeten die Saison auf den Plätzen 7 und 13 der Fahrerwertung. In der Teamwertung belegte Audi Sport ABT Schaeffler punktgleich mit Kundenteam Virgin den vierten Platz.

Wie es für die beiden Piloten weitergeht, ist noch unklar. Lucas di Grassi erklärte uns gegenüber mehrfach, er habe verschiedene Optionen. Auf Twitter fügte er am Mittwoch hinzu: "Im September wird es eine Ankündigung geben, für welches Team ich fahre." Ob Teamkollege Rast auch im Jahr 2022 Formel E fahren wird, ist zweifelhaft.

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