Formel E

"Eine schmerzvolle Erfahrung" - Mercedes erklärt Doppelausfall beim Formel-E-Rennen in Monaco

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Das Mercedes-EQ Formula E Team hat in Monaco einen herben Rückschlag erlebt und musste die Heimreise nach zwei Ausfällen ohne Punkte antreten. Nyck de Vries verlor die Meisterschaftsführung an seinen Landsmann Robin Frijns, Stoffel Vandoorne fiel auf Platz 6 zurück. In der Teamwertung konnte Mercedes die Führung gerade so behaupten, liegt aber nur noch zwei Punkte vor Jaguar. Doch was war eigentlich passiert?

Im Freien Training am Samstagmorgen hatte es durchaus noch danach ausgesehen, als könnte Mercedes-EQ einige Meisterschaftszähler aus dem Fürstentum mitnehmen: Für Nyck de Vries standen die Positionen 6 und 8 zu Buche, Vandoorne wurde Elfter und 15.

Beide Fahrer traten in Qualifying-Gruppe 1 an. Auch wenn diese in der Formel E dafür berüchtigt ist, den Piloten die schlechtesten Bedingungen zu bieten, sollte die "Track Evolution", also die Verbesserung der Strecke im Laufe des Qualifyings, dieses Mal keine nennenswerte Rolle spielen. Trotzdem schloss Vandoorne das Zeittraining nur als 15. ab. De Vries wurde nach einem kuriosen Fehler gar nur auf Platz 23 gewertet.

"Ich hatte einen unglücklichen Zwischenfall im Qualifying, als ich den Szenario-Schalter berührt habe und dadurch für eine halbe Runde nur die Hälfte der erlaubten Leistung zur Verfügung hatte", erklärte de Vries nach der Session. So musste er den E-Prix von weit hinten aufnehmen.

Die Hoffnung auf eine große Aufholjagd hatte das Mercedes-Team allerdings schon nach dem Qualifying begraben: "Nachdem wir uns am Ende des Feldes qualifiziert hatten, entschieden wir uns dazu, einige Teile am Auto auszuwechseln und die Strafe dafür in Kauf zu nehmen, weil wir von dieser Startposition so oder so ein schwieriges Rennen erwarteten", so der zu diesem Zeitpunkt noch Meisterschaftsführende.

De Vries: "Mehr war leider nicht drin"

De Vries wurde so nach dem Wechsel von Powerbox und Getriebe um theoretisch 40 Positionen nach hinten versetzt. Da dies nicht vollständig möglich war, wurde der Rest der Strafe in eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe umgewandelt. Der Niederländer musste somit kurz nach dem Start an die Box fahren, dort zehn Sekunden stehenbleiben und durfte dann erst weiterfahren. Die Hoffnung auf eine frühe Safety-Car-Phase im Rennen, die de Vries das Aufschließen auf das Ende des Feldes ermöglicht hätte, erfüllte sich nicht. De Vries fuhr viele Runden mit großem Rückstand dem Feld hinterher.

Wenige Minuten vor Rennende kam dann doch noch die erhoffte Safety-Car-Phase. De Vries schloss auf, doch nun war bereits nicht mehr viel Rennzeit übrig. Kurz vor dem Ziel musste er seinen Mercedes auf Position 19 liegend auch noch mit einem technischen Problem abstellen. "Das Safety-Car kam für uns ein wenig zu spät heraus", sagt de Vries. "Wir haben getan, was wir konnten, mehr war heute leider nicht drin. Jetzt müssen wir weiter arbeiten und uns in Mexiko zurückmelden."

Vandoorne war bereits nach wenigen Metern zur falschen Zeit am falschen Ort: "Ich ging von P15 ins Rennen und hatte auf der ersten Runde Pech in Kurve 6, als einige Autos kollidierten und die Strecke blockierten", so der Belgier nach dem Rennen. "Ich musste hinter ihnen warten und fiel dadurch ans Ende des Feldes zurück."

Es gelang ihm in der Folge jedoch, sich vom 22. Platz wieder bis auf seine Startposition 15 nach vorn zu arbeiten. Nach der Safety-Car-Phase kollidierte er dann aber mit Pascal Wehrlein. "Mit Blick auf das Energie-Management sahen wir bis zum Safety-Car gut aus", analysiert Vandoorne. "Was danach eingangs Kurve 10 passiert ist, weiß ich noch nicht genau. Meine Hinterräder blockierten, ich verlor die Kontrolle und konnte Wehrlein vor mir nicht mehr ausweichen. Danach musste ich das Auto abstellen, und das Rennen war für mich gelaufen."

Ian James: "Können uns nicht erlauben, noch weiter an Boden zu verlieren"

"Für uns war Monaco eine schmerzvolle Erfahrung", so Mercedes-EQ-Teamchef Ian James. "Die Hälfte der Saisonrennen liegt nun bereits hinter uns, weswegen wir es uns nicht erlauben können, noch mehr an Boden zu verlieren. Wir werden jetzt alles im Detail analysieren und jeden Aspekt studieren, der zu diesen Problemen geführt haben könnte."

"Jetzt müssen wir hoffen, oder besser gesagt sicherstellen, dass dies unser letzter Renntag mit solchen Rückschlägen bleibt", ergänzt er. "Wie gesagt, diese Leistungen entsprechen nicht unseren Ansprüchen, und wir möchten wieder zu den Performances zurückkehren, die wir früher in dieser Saison gezeigt haben. Wir wissen, dass wir dieses Niveau mit dieser fantastischen Mannschaft erreichen können."

Trotz zwei punktlosen Rennen in Folge haben beide Fahrer und das Team bei noch acht ausstehenden Saisonrennen nach wie vor realistische Titelchancen. Die Formel-E-Weltmeisterschaft 2021 geht nach einer sechswöchigen Pause am 19. und 20. Juni mit einem "Double-Header" in Puebla (Mexiko) weiter.

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