Formel E

"Eine verdammt gute Rennserie": Dodds will Formel E aus der Elektro-Nische führen

Tobias Wirtz

Tobias Wirtz

Jeff-Dodds-2026-Monaco-E-Prix

Elektro oder Verbrenner? Für Formel-E-Geschäftsführer Jeff Dodds ist die Diskussion um die Antriebsformen inzwischen fast zu einer "Glaubensfrage" geworden. Obwohl er weiterhin an den langfristigen Erfolg des Elektroautos glaubt, soll sich auch die Formel E künftig weniger über ihren Antrieb definieren. Mit Gen4 will die Rennserie verstärkt klassische Motorsportfans erreichen - und irgendwann schlicht als "eine verdammt gute Rennserie" wahrgenommen werden.

Dodds räumt dabei auch ein, dass Gen3 die ursprünglichen Erwartungen nicht in allen Bereichen erfüllen konnte. Die Technologie sei für den gewünschten Performance-Sprung noch nicht vollständig bereit gewesen, zudem sei die Entwicklung vergleichsweise spät erfolgt. "Gen3 hat unglaublich engen und hart umkämpften Motorsport geboten", blickt Dodds auf die vergangenen vier Jahre zurück. "Aber das Auto selbst hat traditionelle Motorsportfans nicht wirklich gepackt. Die wollen Fahrzeuge sehen, die mehr als 320 km/h fahren, und atemberaubende Performance auf der Strecke erleben."

Das soll sich mit der nächsten Fahrzeuggeneration ändern. "Mit Gen4 machen die Autos bei der Performance einen echten Sprung. Vielleicht schauen traditionelle Formel-1-Fans bei Gen4 zum ersten Mal hin und sagen: Wow." Genau darin sieht Dodds eine der zentralen Aufgaben der Formel E: Die Meisterschaft müsse immer bessere Rennwagen entwickeln und irgendwann an einen Punkt kommen, an dem nicht mehr zwischen Elektro- und Verbrenner-Rennserien unterschieden werde. Entscheidend solle allein die Qualität des Motorsports sein.

"Fast eine Glaubensfrage": Dodds kritisiert Lagerdenken

"Die Leute haben daraus fast eine Glaubensfrage gemacht", beschreibt Dodds die Debatte um Elektroautos und Verbrenner. "Entweder Elektro oder Benzin - und darüber wird beinahe gestritten. Warum muss das so sein? Ich sehe keinen Grund, warum man sich entscheiden müsste."

Für ihn selbst ist sein eigener Fuhrpark ein Beispiel für einen pragmatischeren Umgang mit unterschiedlichen Antriebsformen: "Ich habe zu Hause zwei Elektroautos und einen Verbrenner, weil sie für mich unterschiedliche Zwecke erfüllen. Für mich ist das überhaupt kein Problem."

Auch gesellschaftlich erwartet Dodds langfristig einen entspannteren Umgang mit der Frage nach der richtigen Antriebsform. "Ich glaube, dass wir künftig viel pragmatischer mit diesem Thema umgehen werden", sagt er. "Im Moment ist die Debatte noch ziemlich politisch aufgeladen."

"Der schnellste Rennwagen der Zukunft wäre elektrisch"

Eine Abkehr vom Elektroantrieb bedeutet diese Haltung für Dodds allerdings nicht. "Ich glaube weiterhin, dass Elektroautos bei Straßenfahrzeugen die dominierende Technologie sein werden." Dass sich die Elektromobilität nicht überall so schnell durchsetzt wie teilweise prognostiziert, erklärt Dodds auch mit zu hohen Erwartungen an das Tempo der Entwicklung. "Vielleicht haben viele einfach mit zu ambitionierten Zeitplänen gerechnet."

Gleichzeitig verweist Dodds auf große regionale Unterschiede. Während China einen enormen Elektroautomarkt habe und Länder wie Norwegen bereits weitgehend elektrifiziert seien, entwickle sich etwa der US-Markt derzeit anders. Elektromobilität wachse deshalb nicht überall mit derselben Geschwindigkeit.

An der Leistungsfähigkeit des elektrischen Antriebs zweifelt Dodds dennoch nicht: "Wenn du und ich heute den schnellsten Rennwagen der Zukunft bauen müssten - mit der bestmöglichen Beschleunigung -, dann würden wir einen elektrischen Rennwagen bauen."

Dass Verbrennungsmotoren für viele Motorsportfans trotzdem eine besondere emotionale Bedeutung haben, erkennt Dodds ausdrücklich an. "Verbrenner haben eine lange Geschichte. Die Menschen lieben ihren Sound und, ich wage es zu sagen, sogar ihren Geruch, weil sie genau das mit Geschwindigkeit und historischem Motorsport verbinden." Genau diese emotionale Hürde soll die Formel E nach Dodds' Vorstellung zunehmend über die Qualität ihres sportlichen Produkts überwinden.

Mit der deutlich höheren Performance von Gen4 soll der Elektroantrieb für die Wahrnehmung der Meisterschaft irgendwann weniger entscheidend werden. Das Ziel formuliert Dodds entsprechend deutlich: "Unsere Aufgabe ist es, immer bessere Rennwagen zu bauen, damit es irgendwann nicht mehr heißt: Das ist eine Elektro-Rennserie und das ist eine Rennserie mit Verbrennern. Dann soll es einfach heißen: Wir sind eine verdammt gute Rennserie."

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