Formel E

"Eines unserer schlechtesten Wochenenden" - Gründe für die bisher schwache Formel-E-Saison von Weltmeister Envision

Svenja König

Svenja König

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42 Punkte hat Andretti am beim Misano E-Prix gesammelt - mehr als Envision bisher in allen sieben Saisonrennen mitgenommen hat! In Italien erwischte das amtierende Weltmeisterteam ein kohlrabenschwarzes Wochenende und reiste enttäuscht ohne Punkte ab. "Eines der schlechtesten Rennwochenenden von Envision", urteilte Teamboss Sylvain Filippi am Sonntagabend. Was ist los beim Teamchampion?

Dass die Envision mit Jaguar-Antrieb zu den schnellsten Autos im Grid gehören können, steht außer Frage. Das ist auch beim Misano E-Prix immer wieder sichtbar geworden: Beispielsweise im 3. Freien Training am Sonntag, das Frijns gewann, und dem folgenden Qualifying, in dem der Niederländer die Duellphase erreichte. Ganz nebenbei führt das Jaguar-Werksteam die WM an (128 Punkte), während Kunde Envision gerade einmal Achter ist (41).

Irgendwas ist jedoch immer. Im Italien-Rennen am Sonntag wurde Frijns schon nach sechs Runden im Kampf um die letzten Punkteränge zwischen Antonio Felix da Costa und Sam Bird eingeklemmt. Dabei brach sein Frontflügel und blockierte seinen Vorderreifen, sodass er nur noch über das Kiesbett ausrollen konnte. Knapp zehn Runden später musste Buemi mit einem Schaden am Auto ebenfalls das Rennen aufgeben. Auch er war im Windschatten-Chaos mit einem anderen Fahrzeugen kollidiert.

Es war ein frühes und ernüchterndes Ende in einem Rennen, das eigentlich zur Wiedergutmachung für das bereits punktlose Ergebnis am Samstag dienen sollte. Frijns hatte schon im ersten Misano-Lauf wegen eines Reifenschadens einen ungeplanten Boxenstopp einlegen müssen, und Buemi war in der letzten Runde noch aus den Punkterängen gefallen, weil ihm die Energie ausging.

"Das war eines unserer schlechtesten Rennwochenenden bei Envision Racing", sagt Chief Technical Officer Sylvain Filippi. "Die Rennpace sah heute richtig gut aus. Dass dann beide Autos ausfallen, ist nicht das, was wir wollen, und unglaublich frustrierend, weil das Team so hart gearbeitet hat. Insbesondere auf diesen breiten Strecken mit viel Energiesparen entsteht schnell Chaos. Wir müssen einfach einen Weg finden, nicht mit anderen Autos kollidieren, die erste Phase des Rennens zu überstehen und dann die Energie gut zu managen."

Fehlende Qualifying-Pace & zu viele Zwischenfälle im Rennen

Im Saisonverlauf zeigt sich deutlich, dass Misano keine Ausnahme war - von der Envision-Konstanz der letzten Saison ist kaum noch etwas übrig. Die aktuell größten Probleme lassen sich auf zwei Gründe herunterbrechen: Envision erreicht im Qualifying zu selten die Top-Positionen. Nur zweimal schafften es Frijns und Buemi, das Rennen aus den Top 6 zu beginnen. Das war zu Saisonbeginn in Mexiko und Diriyah und endete jeweils mit einem Podiumsergebnis.

Doch durchschnittlich geht Frijns von Startplatz 9 ins Rennen, bei Buemi ist es sogar nur Startplatz 14. Eine schlechte Startposition auf engen Strecken wie Mexiko, Diriyah oder Tokio gutzumachen, ist schwer. Zum Vergleich: Mitch Evans und Nick Cassidy im Werks-Jaguar gehörten nach dem Tokio E-Prix zu den fünf besten Startern in der Elektroserie - und holten erheblich mehr Punkte.

Darüber hinaus schaffen es die Envision-Fahrer im Rennen nicht, sich aus dem Getümmel rauszuhalten und die Rennen solide zu Ende zu bringen - auch bedingt durch eine Startposition im Mittelfeld. Frijns fiel in beiden Misano-Rennen nach Zwischenfällen aus. Zuvor in Tokio war er in eine Kollision mit Evans verwickelt, die ihn glücklicherweise nicht weiter behinderte. In Sao Paulo hatte ihn ein Problem mit der Batterie ein gutes Ergebnis gekostet. Buemi ging in Misano schlichtweg der Strom aus. Einige dieser Zwischenfälle wären sicherlich vermeidbar gewesen.

Somit nimmt das britisch-chinesische Team eine lange Liste an Hausaufgaben mit nach Hause, die es bis Monaco lösen muss. Im Fokus: die Pace auf eine Runde, und das Renn-Management. Das Positive: Das nächste Rennen findet in Monaco statt, wo Envision auf die guten Ergebnisse des vergangenen Jahres aufbauen könnte. Nick Cassidy hatte damals einen dominanten Sieg gefeiert. Ein gutes Ergebnis wäre dringend benötigt, denn in der Teamwertung sind noch nur ERT, ABT Cupra und Mahindra schlechter.

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